Zur Geschichte des Hauses
Das Haus der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung befindet sich auf einem der Regierungsstandorte des Landes in Potsdam. Das Gelände liegt unweit des Potsdamer Hauptbahnhofs und wird begrenzt von Heinrich-Mann-Allee und Friedrich-Engels-Straße, der Friedhofsgasse und dem Leipziger Dreieck.
Historisches
Hier stand einst im preußischen Potsdam eine Kadettenanstalt. Im August 1822 wurde sie feierlich eingeweiht. Bis ins Jahr 1912 gab es auf dem Areal ständige Bautätigkeit. Das Haus 17, das ehemalige Offizierskasino und heute Sitz der Landeszentrale, lag früher in der Lennéschen Parkanlage, die jedoch durch Neubauten fast vollständig beseitigt worden war. 1919 musste gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags das Kadettenkorps und damit auch die Kadettenanstalt entmilitarisiert werden. 1920 wurde in diesen Gebäuden eine Staatliche Bildungsanstalt eingerichtet. Das öffentliche Internat für Jungen, dessen Lehrpläne denen des Realgymnasiums entsprachen, bot in der Regel neun Jahre Schule an, am Ende stand das Abitur.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Schulverwaltung zentralisiert. In diesem Zusammenhang wurde im Juli 1933 die Staatliche Bildungsanstalt Potsdam in eine Nationalpolitische Bildungsanstalt (Napola) umgestaltet. Sie war eine eigene Schulform, die sich in Struktur und Organisation an der Tradition der Kadettenanstalt orientierte. Diese Entwicklung entsprach der allgemeinen Militarisierung von Staat, Partei und Gesellschaft. Es entstanden zahlreiche Neubauten auf dem Gelände.
Die ersten Bombardierungen Potsdams zum Ende des Zweiten Weltkrieges trafen auch zahlreiche Gebäude der ehemaligen Kadettenanstalt. Das Haus 17 wurde jedoch nur leicht beschädigt. Wohnraum wurde dringend benötigt, vorrübergehend wurden hier Familien einquartiert. Mit dem Einzug von Teilen der Provinzialregierung wurde Haus 17 in eine „Verkaufsstelle für Betriebskonsum“ umfunktioniert.
Nach Abschaffung der Länder im Osten Deutschlands zog nach 1952 (bis 1990) der Rat des Bezirkes Potsdam auf das Gelände. Das Haus 17 beherbergte in dieser Zeit (ab 1970) die einzige zentralstaatliche Behörde auf dem Standort – die „Abteilung Kontrolle und Revision“, Bezirksinspektion Potsdam und die „Finanzrevision Wirtschaftsprüfergruppe“ sowie (ab 1980) die „Staatliche Finanzrevision Inspektion Potsdam“ des Finanzministeriums der DDR.
Bauliches
Das Haus 17 wurde um 1910 errichtet. Es ist ein eingeschossiger, reizvoller Bau, der ursprünglich durch einen Verbindungsgang mit dem naheliegenden Haus 16 verbunden war. Die Sanierung des Hauses begann im Februar 1994. Die neobarocke Struktur mit der Mittelachsenbetonung der Zugänge wurde nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Das große Dach mit seinen eindrucksvollen Gaupen blieb erhalten. Der Terrassenzugang musste neu gestaltet werden, da das Original nur unzureichend verbürgt war. Die Dachtraufe wurde vollständig ersetzt, die Malereien wurden ergänzt. Das Haus verfügt nach der Sanierung über ein einladendes Vestibül, einen Seminar- und Tagungsraum für etwa 40 Personen sowie diverse Arbeitsräume für die Mitarbeiter der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.
Quelle: Broschüre „Regierungsstandort Landeshauptstadt Potsdam“, Hrsg.: Ministerium der Finanzen des Landes Brandenburg


