Leichte Sprache

Gegen Bulimielernen und andere Bildungskatastrophen

Die Bildungspolitik befindet sich in einem Zustand, den man nicht mit einem „Weiter so“ kommentieren kann, sondern für den man sich schämen muss, meint Danilo Zoschnik. Er will auch aus diesem Grund selbst Lehrer werden.
Abgerissenes Wahlplakat mit der Aufschrift "Bildung"

Bildung, Bildung, Bildung. Das steht so nicht auf Plakaten des diesjährigen Bundestagswahlkampfes, aber wohl jede Partei könnte sich mit dieser Forderung identifizieren. Das Problem: Ich habe das Gefühl, dass in Bildungsfragen ein Hang zur Vereinfachung besteht.

Man stelle sich einmal vor, es würde mit der Forderung nach einer guten Migrations- oder Rentenpolitik geworben werden – und das dann so stehengelassen. Dabei ist gerade die penible Ausgestaltung des Mammutprojektes Bildung wichtig für dessen Erfolg. Und bei den Zielvorgaben unterscheiden sich die Parteien dann eben doch.

Schonungslos evaluieren, dann demokratisieren und vor allem individualisieren

Gerade in der Bildung gilt: Der Weg ist das Ziel. Für mich kann dieses Ziel nur sein, dass das Bildungswesen endlich schonungslos evaluiert, dann demokratisiert und vor allem individualisiert wird. „Mehr als Geld, was dann nicht ankommt, verspricht in Sachen Bildung doch eh niemand“, meinte vor kurzem eine Freundin zu mir.

Und auch, wenn wie immer vor einer Wahl von Chancengleichheit schwadroniert wird und sich mit generell kostenloser Bildung, Ganztagsschulplatzanspruch, oder dem endlich vollständigem Ende des unsäglichen Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern auch ein paar angenehme Dinge vernehmen lassen, so spielen gerade die für die Schülerschaft unmittelbaren Probleme nur am Rande eine Rolle. Ich habe keinen Anspruch auf BAföG, möchte aber meine Eltern, die sich um meine Schwestern kümmern, nicht finanziell mitbelasten.

Freunde, die eine Ausbildung machen und dafür in eigenen Wohnungen unterkommen, erhalten keine Vergütung, die dem Mindestlohn entspricht. Auch im neuen Fach „Seminarkurs“, das auf den weiteren Lebensweg vorbereiten soll, hören wir nichts von Stipendien, Mietverträgen oder Versicherungen, sondern lernen, wie ein Glossar angelegt wird.

Zusammen die Schwächen minimieren

Danilo Zoschnik

Der Autor
Danilo Zoschnik hat gerade sein Abitur in Eberswalde gemacht und nun Zeit, die Wochen bis zur Bundestagswahl bei uns durchzubloggen.

Ich möchte auch deshalb selbst Lehrer werden, weil ich denke, dass nur die Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte zusammen die großen Schwächen des unterfinanzierten Bildungsapparates minimieren können bis die Politik bessere Rahmenbedingungen schafft. Bei der Bildung steht und fällt alles.

Und da kann es nicht sein, dass wir in sechs Jahren durchs Abi gepeitscht werden, dass wir so ein verkorkstes Leistungskursmodell ertragen müssen und dass Bildung gerade auch in den alten Bundesländern auf einer perversen Verwertungslogik basiert, bei der es nicht darum geht, einen mündigen Menschen dabei zu unterstützen, seine Stärken zu erkennen, sondern ihn gemäß des Anspruches der Wirtschaft für den Arbeitsmarkt zu formen.

Zwei große Aufgaben für die Bildungspolitik

Inklusion und das Beenden einer rein auf Noten getrimmten Unterrichtsführung – das sind die zwei großen Aufgaben deutscher Bildungspolitik, deren Umsetzung nicht warten kann - da bin ich mir mit dem Großteil vieler Schüler*innen einig.

Industriell anmutendes Bulimielernen ohne neue Konzepte, das Schüler- und Lehrerschaft gleichermaßen unter Druck setzt, individuelle Entwicklung unmöglich macht und das auch noch unter Ausschluss vieler junger Menschen, die ohnehin schon benachteiligt sind, das ist ein Zustand, den man nicht mit einem „Weiter so“ kommentieren kann, sondern einer, für den man sich schämen muss.
 

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Kommentare

Inklusion für Alle

Tolle Einträge dieses Autors bis dato! Inklusion anzusprechen halte ich für sehr wichtig. Was da u.A. in NRW angefangen wurde, darf nicht wieder begraben werden. Im Gegenteil: da muss mit mehr Geld Vorbild für den Bund gelten.
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