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Wie sich Jugendliche über Politik informieren
Das schnelllebige Weltgeschehen, TTIP, Trump und Co., politisieren zu einem hohen Grad wieder Jugendliche – so wie unseren Autor Danilo Zoschnik. Der 19-Jährige möchte mitbestimmen und vor allem auch Bescheid wissen.
Zeitung im Briefkasten. Bild: Pixabay, CC0 Public Domain

Ich bin jung und ich interessiere mich für Politik. In dieser Kombination werde ich in letzter Zeit häufiger gefragt, wie sich meine Generation eigentlich über politische Themen informiert. Vor allem Ältere interessieren sich dafür – vielleicht weil die Bundestagswahl vor der Tür steht?

Tatsache ist, das schnelllebige Weltgeschehen, TTIP, Trump und Co., politisieren zu einem hohen Grad auch wieder Jugendliche – so wie auch mich vor einigen Jahren. Heute bin ich Mitglied einer Partei, engagiere mich in ihrem Jugendverband, möchte gestalten und vor allem auch Bescheid wissen.

Was zu Hause gesagt wird

Der Weg dorthin war aber lang. Über das Elternhaus, für fast alle die erste Anlaufstelle, erfuhr ich nie viel. Über ein „Ach Frau Merkel, die ist gut“, ging es am Essenstisch nicht hinaus. Meine Freunde hatten Ähnliches zu berichten und einigen Mitschüler*innen merkte man mitunter an, was daheim wohl gewählt wurde. Der Einfluss des Elternhauses war wirklich unverkennbar, weshalb ich nur jedem und jeder ans Herz legen kann, das, was Vater und Mutter zu Hause so vom Stapel lassen, für sich kritisch zu hinterfragen. Schließlich sind die Perspektiven von Jugendlichen und ihren Eltern praktisch völlig unvereinbar.

Danilo Zoschnik

Der Autor
Danilo Zoschnik hat gerade sein Abitur in Eberswalde gemacht und nun Zeit, die Wochen bis zur Bundestagswahl bei uns durchzubloggen.

Fernsehen mied ich, seit ich 12 war, hatte aber Glück – so würde ich heute sagen – mit meinen Lehrkräften für politische Bildung. Sie hatten tatsächlich den Anspruch, ihre Schülerschaft zu interessieren. Bei mir klappte das. Ich begann, mich mit SPIEGEL ONLINE auf dem Laufenden zu halten. Bald darauf entdeckte ich den YouTube-Kanal „MrWissen2go“. Mir gefiel die Art der Information: möglichst objektiv und kontrovers, für den Einstieg in politische Themen empfehlenswert.

Es ist mir wichtig, mir meine eigene Meinung zu bilden. Jeder muss am Ende für sich selbst herausfinden, wie das am besten funktioniert. Aber für mich ist es der Vergleich von unterschiedlichen, gegensätzlichen Standpunkten. Ich lese die „taz“, momentan meine Lieblingszeitung, und auch das Online-Angebot von „WELT“.

Was Freunde sagen

Der Großteil meiner Auseinandersetzung mit politischen Themen fand und findet aber im Freundeskreis statt. Wir waren überrascht, herauszufinden, dass Debatten über Politisches nur deshalb nie zuvor eine Rolle bei uns gespielt hatten, weil niemand den Anfang gewagt hatte. Letztlich kenne ich kaum einen jungen Menschen, der nicht entweder eine Meinung zu aktuellen Themen hat, mehr über sie erfahren will, oder zumindest angeben kann, warum auf ihn oder sie beides nicht zutrifft.

Angebote wie „Dialog P“, bei dem meine Jahrgangsstufe sich angemeldet hatte und mit Landespolitiker*innen in Brandenburg zu brisanten Themen wie der Drogen- oder Umweltpolitik austauschen konnte, sind super. Schule und Landtag arbeiten da zusammen.

Es braucht aber viel mehr solcher Berührungspunkte, gerade auch über die Schule, um möglichst inklusive Angebote zu schaffen. Dann aber bitte auch vor der Jahrgangsstufe zwölf. In den Klassenräumen ist das Interesse für Politik und wie sie funktioniert viel früher da. Da wird aus meiner Sicht noch zu viel Potential liegen gelassen. Denn die Frage lautet nicht nur, wie sich Jugendliche informieren, sondern auch Wo. Vielleicht will ich auch deshalb Lehrer werden.
 

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Kommentare

Guter Blog

Schöner Einstieg in eine aus jugendlicher Sicht ausgestaltete Bewertung des Ist-Zustandes von Politik, gekoppelt an das, was uns alle so vor der Wahl bewegt hat. Hab ich meinen Freunden empfohlen.
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Lehrer haben Verantwortung

Bei uns auf der Schule gab es auch immer Lehrer die ihre Klasse unterschiedlich gut zu fesseln wussten. Wenn die Lehrer ihre Sache halbherzig machen, dann wird da in der Tat das größte Potenzial verschenkt. Hoffentlich ist sich auch die kommende Generation junger Lehrkräfte dessen bewusst
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