Deutsche Erfahrungswelten
Besatzer auf deutsch: Dokumentarfilm
Der Ergänzung und Bereicherung dieses Aspektes der Nachkriegsgeschichte dienen zwei deutsche Filme. Bemerkenswert an ihnen ist, dass sie sich einer Kritik oder Bewertung der anderen Besatzungsmächte enthalten, obwohl der Kalte Krieg inzwischen auch nach Deutschland getragen worden war, der Alliierte Kontrollrat seine Arbeit eingestellt hatte und Berlin unter sowjetischer Blockade stand. Trotz alledem galt nach wie vor die Order und wurde in den Medien durchgesetzt, wonach eine Besatzungsmacht an der anderen keine Kritik übte oder duldete. Deutsche wiederum hatten Gründe und Anlass, selber auf Sympathiewerbung für ihre Besatzungsmacht zu gehen. Das tat in der sowjetischen Besatzungszone not, wo die Drangsalierungen durch die Rote Armee bei Publikum wie Filmleuten in frischer Erinnerung waren, aber auch in der amerikanischen Zone: Besatzer war Besatzer und nicht von vornherein Freund. In beiden Filmen entsteht eine neue Beziehung zur Besatzungsmacht aus Erlebnis, Diskussion, Öffentlichkeit, also durch praktizierte und in Film umgesetzte Demokratie. Das macht ihren Wert und ihre Schönheit aus.
Einen eigenständigen Beitrag zum Verständnis der Besatzungsmächte und zur Annäherung von Besatzern und Besetzten leisteten die Wochenschauen. Darauf soll hier wenigstens hingewiesen werden.
„Welt im Film“ und „Blick in die Welt“ konnten auf reiches Material über Land und Leute, Kultur und Attraktionen in den amerikanischen, britischen und französischen Wochenschau-Produktionen zurückgreifen. Mit diesem Selbstbild vermochten sie die Zuschauer für sich einzunehmen. Beide Wochenschauen hatten in einem längeren Lernprozess verstanden, dass die Propagierung der Mentorrolle der Besatzungsmacht beim deutschen Publikum nicht ankam, und tauschten sie gegen das Bild der Partnerschaft und Zusammenarbeit von Besatzern und Deutschen aus.
Der „Augenzeuge“ sah eine seiner Aufgabe darin, gegen Antisowjetismus anzugehen. Das war unter den Bedingungen der sowjetischen Besatzungsmacht nicht automatisch leichter, stand ihr doch die Mehrzahl der Deutschen nicht wohlwollend gegenüber. In Kommentaren vermied man das Wort Besatzungsmacht, aber auch das Wort Freund. Es war wie ein Brückenbau, als Mitarbeiter der SMAD in deutscher Sprache von der Leinwand herab sprachen. Bei Übernahmen aus der sowjetischen Wochenschau taten sich Probleme auf. Der Neuheitswert des Moskauer Alltags war bald erschöpft, das kriegswunde Land konnte nicht mit dem florierenden Leben in Paris oder Italien konkurrieren, und Berichte über den Bau einer Fabrik oder Neuerer-Methoden entsprachen auch nicht den Erwartungen des Publikums. Blieb die Hinwendung zu der Vielfarbigkeit der Völker und Nationalitäten. Der bescheidene Anteil von Kunst und Kultur wurde aufgewogen durch die Vorstellung sowjetischer Kunst und Künstler in der Besatzungszone bzw. den Einbeziehung russischer Kultur in die deutsche Kunst- und Kulturszene, was informationell und emotional einen höheren Wirkungsgrad bei den Zuschauern versprach.
Filme:
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