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Skinhead(s)
Skinhead - englisch, frei übersetzt: Kahlkopf.
Skinhead, benannt nach dem typischerweise kahlgeschorenen Kopf, entstand etwa Anfang / Mitte der 60er Jahre als Jugendkultur in Großbritannien. Skins (so die Kurzform) der ersten Stunde hörten mit Ska, Reggae und Rocksteady Musik, die Einwanderer aus Übersee, insbesondere Jamaika mitgebracht hatten. Sie orientierten sich an den Idealen und modischen Vorlieben der britischen Arbeiterklasse: schwere Arbeitsstiefel, einfache Kleidung aus Jeans und Hemden waren das bevorzugte Outfit, dessen praktischer Nutzen und geringe Anschaffungskosten die Verbundenheit mit der "arbeitenden Bevölkerung" demonstrativ nach Außen kehrten. Sie setzten sich damit einerseits von Jugendlichen ab, die wie die Mods einen provokant luxuriösen Lebensstil führten, und andererseits von der etwa zeitgleich entstehenden Flower-Power-Jugend, deren Aussehen und Haltung allgemein als besonders nachlässig und schlampig galt.
Das martialische (abgeleitet vom römischen Gott des Krieges "Mars": kriegerisch, kampfbetont), aber einfache Äußere entspricht der Lebensführung der Skinheads. Bevorzugt werden einfache Vergnügen, etwa exzessiver Alkoholkonsum oder der Besuch in Fußballstadien, ebenso wie die Lust an Randale und Prügeleien. Nicht zufällig gibt es in ihren Entstehungsgeschichten enge Verbindungen zwischen Skinhead und Hooligans, wie sich Fußballfans bezeichnen, die am Rande von Spielen ihrer Vereine mit dem gegnerischen Anhang gewalttätige Auseinandersetzungen austragen.
Ein Revival erlebte Skinhead mit der zweiten Generation des Punk, dem Oi!Punk, Ende der 70er Jahre. Das Wörtchen "Oi" ist ein Ost-Londoner Slang-Ausdruck ("Cockney"), der etwa bedeutet, "Hier bin ich!", "Ich will etwas sagen!" Anstelle des üblichen "one, two, three" ("eins, zwei, drei") zählten Bands wie die Cockney Rejects (frei übersetzt: Cockney Ausschuss, Cockney Müll) ihre Songs mit "Oi! Oi! Oi!" an. Oi!Punk war roher und in seinen Songstrukturen einfacher als die erste Generation des Punk. Neben Punks begannen viele Skinheads Oi! zu hören, und mancher Oi!Punk rasierte sich die Haare, die Szenen vermischten sich.
Viele Punks provozierten damals mit zur Schau getragenen Hakenkreuzen und anderen Symbolen des Nationalsozialismus. Das war zunächst nicht viel mehr als die jugendliche Lust an Provokation (siehe: Jugendkultureller Rechtsextremismus). Oi!Punk-Konzerte gerieten bald in Verruf für eine besonders gewalttätige Atmosphäre, und auch erste rassistische Beschimpfungen wurden laut. Nach einem Konzert der Oi!-Bands The Business, The Last Resort und 4-Skins im Juli 1981 kam es zu Ausschreitungen im Londoner Vorort Southall zwischen den Konzertbesuchern und ansässigen Einwanderern aus Asien. Der Anlass ist ebenso umstritten wie die eigentlichen Urheber, unstrittig zeichnete die Presse jedoch das Bild von jugendlichen Rassisten (siehe: Rassismus), die im überwiegend von Einwanderern geprägten Stadtteil marodierten (aus dem Französischen: plündern).
In der Einschätzung des rassistischen Potentials am Rande von Oi!-Konzerten lagen die Medien jedenfalls nicht ganz falsch. Denn Anfang der 80er Jahre betraten die ersten offen rassistisch agitierenden Oi!Bands die Bühne. "Back with a Bang" - "Zurück mit einem Paukenschlag" nannte die Band Skrewdriver aus Blackpool ihre erste Single nach ihrer Neugründung 1982, auf der sie Patriotismus einforderten. Dieser werde von der Gesellschaft unterdrückt, hieß es in dem Lied. Und auf ihrer zweiten Single "White Power" ("Weiße Macht") bezeichneten sie die "multi-rassische" Gesellschaft als "Sudelei".
Vorher waren Skrewdriver eine mäßig erfolgreiche Oi!Punk-Band, die sich 1979 auflöste. Der Sänger und Kopf der Band, Ian Stuart Donaldson, reformierte sie in völlig neuer Besetzung 1982. Nach einer kurzen Episode bei der rechtsextremen Partei National Front gründete Ian Stuart das neonazistische Skinhead-Netzwerk Blood & Honour (Parole der Hitler Jugend: "Blut und Ehre", strafbar gemäß § 86a StGB), das mittlerweile international tätig ist und dessen deutsche Sektion in 2000 verboten wurde.
Ian Stuart verstarb 1993 bei einem Autounfall und wird bis heute von Neonazis als Ikone des Rechtsrock verehrt.
Das Bild vom Skinhead, das ihn gleichbedeutend mit dem rechtsextremen, jugendlichen Gewalttäter zeichnet, ist dennoch verzerrt. Denn neben den Nazi-Skins gibt es weitere Sub-Szenen, die teilweise unpolitisch, teilweise vehement antirassistisch auftreten. Red Skins und SHARP Skins ("Skinheads Against Racial Prejudices" - "Skinheads gegen rassistische Vorurteile") tragen ihre weltanschauliche Orientierung ebenso im Namen wie die Gay Skins ("Schwule Skins") ihre sexuelle. Viele antirassistisch oder traditionell orientierte Skinheads beschwören den "Spirit of '69", den "Geist von '69", - und damit jene Zeit, als Skinheads mit dem Ska die Musik von Einwanderern hörten - in bewusster Abgrenzung zu rechtsextremen Skinheads.
Trotzdem entbehrt das Bild vom Skinhead als rechtsextremer Schläger nicht jeder Grundlage, denn auffallend viele rassistische Gewalttaten wurden in den 80er und 90er Jahren von Nazi-Skins begangen. In den 90er Jahren begannen Rechtsrock und ein modisches Auftreten, das an Skinhead angelehnt war, in manchen Gegenden v. a. der Neuen Bundesländer zu dominieren. In dem Maße, in dem Skinhead Teil der Alltagskultur ist, darf man mit rassistischen Gewalttätern aus dieser Gruppe rechnen. Allerdings zeichnet sich seit einigen Jahren ab, dass überwiegend jüngere Rechtsextremisten sich vom klischeehaften Auftritt als Skinhead abwenden (siehe: Autonomer Nationalismus).