A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Wehrsportgruppen
Militante Neonazis finden sich gelegentlich in so genannten Wehrsportgruppen zusammen, um paramilitärische Übungen durchzuführen. Auch gehören Wehrsportübungen zu dem Tätigkeitsfeld Freier Kameradschaften, so beispielsweise der "Kameradschaft Süd", die mit sog. "Soft-Air-Waffen" im Münchner Umland den bewaffneten Kampf trainierte. Mitgliedern der Kameradschaft um den "Kameradschaftsführer" Martin Wiese wurde 2004/05 der Prozess wegen eines angeblich geplanten Sprengstoffattentats auf das jüdische Gemeindezentrum in München gemacht. Das Gericht sah diesen konkreten Plan nicht erwiesen, verurteilte die vier Angeklagten dennoch zu mehrjährigen Haftstrafen, weil "kein Zweifel [besteht], dass die Angeklagten planten, Mord und Totschlag sowie Sprengstoffanschläge zu begehen".
Die paramilitärische Vorbereitung terroristischer Aktivitäten durch Rechtsextremisten hat in der Bundesrepublik eine lange Geschichte: Nach dem Einmarsch alliierter Truppen ins Reichsgebiet, operierten bis 1947 sog. "Wehrwolf-Gruppen" aus vier bis 20 Personen als Untergrundkämpfer. Und nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 baute der Bund Deutscher Jugend (1952 in fünf Bundesländern verboten) eine straffe paramilitärische Struktur auf, überwiegend aus ehemaligen SS-und Wehrmachtsoffizieren. Als Feind wurde der Kommunismus ausgemacht, es gelte auf den Einmarsch der Roten Armee vorbereitet zu sein, hieß es damals.
Die wohl bekannteste Wehrsportgruppe ist die nach dem Neonazi Karl-Heinz Hoffmann benannte Gruppierung (WSG), die 1973 gegründet wurde. In ihr sollen bis zu 440 Neonazis sich im Kampf erprobt haben, die Gruppierung unterhielt Kontakte zur NPD und der DVU. Nach dem Verbot 1980 fand die Polizei bei Hausdurchsuchungen 18 Lastwagenladungen an Waffen und Kriegsgerätschaften. Gundolf Köhler, Mitglied der WSG, verübte 1982 ein Sprengstoffattentat auf das Münchner Oktoberfest, bei dem 12 Personen getötet und über 200 weitere verletzt wurden. Und mit Uwe Behrendt ermordete ein anderes WSG-Mitglied 1980 den jüdischen Verleger Shlomo Levin und seine Lebensgefährtin, offenbar weil Levin vor dem erstarkenden Neonazismus und insbesondere vor Hoffmann gewarnt hatte. Hoffmann wurde 1984 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.
Die Wehrsportgruppe Hoffmann dient bis heute als Vorbild für zahlreiche ähnliche Gruppierungen.