Nationalsozialismus. Islamismus. Terrorpop
Längst ist der islamistische Terror Bestandteil der deutschsprachigen Popkultur geworden. Doch welches Weltbild treibt junge Männer und Frauen dazu, sich und möglichst viele unschuldige Zivilisten in die Luft zu sprengen? Dass die Geschichte des arabischen Nationalismus‘ und seiner Ideologie, des Islamismus, eng mit der des Nationsozialismus verquickt ist, wird in der bundesdeutschen Öffentlichkeit nur selten wahrgenommen. Diese intime Verbindung, die nicht bloß Ergebnis politischen Opportunismusses war, soll zunächst ausführlich nachgezeichnet werden, um den Islamismus als Ideologie kennzeichnen zu können. Auf dieser Grundlage wird den Gefahren nachgegangen, die bestehen, wo der islamistische Terror zur popkulturellen Metapher geadelt wird. Wie es im Rechtsrock der Fall ist, könnte sich der „Terrorpop“ zu einer mächtigen Instanz auf dem Weg jugendlicher Ideologisierung entwickeln.
Der vorliegende Text soll als Skizze verstanden werden, die ausdrücklich zu Diskussionen einladen möchte, sie kann allenfalls vorläufigen Charakter haben.
Als Islamismus werden im Folgenden solche Vorstellungen bezeichnet, die, ähnlich wie andere religiöse Fundamentalismen auch, den Islam zur leitenden politischen Ordnungsvorstellung erheben (politischer Islam). Diese sind zwar aus dem Islam abgeleitet, repräsentieren jedoch nicht die Gesamtheit aller Vorstellungen über den Islam und damit den Islam als solchen.
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Teil I: Nationalsozialismus und Islamismus
Im November 1941 traf der Großmufti von Jerusalem, Hadji Mohammed Amin el-Husseini, in Berlin auf Adolf Hitler. Ein anwesender Diplomat schrieb die Unterredung mit:
Der Großmufti bedankte sich zunächst beim Führer für die große Ehre, die ihm dieser erwiese, indem er ihn empfinge. [...] Die Araber seien die natürlichen Freunde Deutschlands, da sie die gleichen Feinde wie Deutschland, nämlich die Engländer, die Juden und die Kommunisten, hätten. Sie seien daher auch bereit, von ganzem Herzen mit Deutschland zusammenzuarbeiten, und stünden zur Teilnahme am Kriege zur Verfügung und zwar nicht nur negativ durch Verübung von Sabotageakten und Anstiftung von Revolutionen, sondern auch positiv durch Bildung einer arabischen Legion.
Hitler antwortete:
Deutschland trete für einen kompromißlosen Kampf gegen die Juden ein. Dazu gehöre selbstverständlich auch der Kampf gegen die jüdische Heimstätte in Palästina, die nichts anderes sei als ein staatlicher Mittelpunkt für den destruktiven Einfluß der jüdischen Interessen. Deutschland wisse auch, daß die Behauptung, das Judentum übe die Rolle eines Wirtschaftspioniers in Palästina aus, eine Lüge sei. Dort arbeiteten nur die Araber, nicht aber die Juden. Deutschland sei entschlossen, Zug um Zug eine europäische Nation nach der anderen zur Lösung des Judenproblems aufzufordern und sich im gegebenen Augenblick mit einem gleichen Appell auch an außereuropäische Völker zu wenden. Gegenwärtig stehe Deutschland in einem Kampf auf Leben und Tod gegen zwei Machtpositionen des Judentums: Großbritannien und Sowjetrußland. Theoretisch sei der Kapitalismus Englands und der Kommunismus Sowjetrußlands voneinander verschieden, in Wirklichkeit jedoch verfolge das Judentum in beiden Ländern ein gemeinsames Ziel.
Hans Adolf Jacobsen: Der Weg zur Teilung der Welt. Koblenz und Bonn 1973, S. 129ff. Zitiert nach: http://www.ns-archiv.de/verfolgung/antisemitismus/mufti/in_berlin.php; eingesehen am 15.08.06
Die Anfänge des Islamismus und der Nationalsozialismus
Trotz zahlreicher Studien, darunter die meisten im englischsprachigen Ausland veröffentlicht, nahm die bundesdeutsche Öffentlichkeit die enge Verquickung bislang nur selten zur Kenntnis, die den noch jungen arabischen Nationalismus und seine politischen Vorkämpfer an den Nationalsozialismus gebunden hatte. Erst in jüngerer Zeit machten der Publizist Matthias Küntzel mit seinem „Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg“ (2003) und die Historiker Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers mit ihrer Untersuchung „Halbmond und Hakenkreuz. Das ‚Dritte Reich‘, die Araber und Palästina“ (2006) ein etwas größeres Publikum auf das Phänomen aufmerksam.
Bereits Mitte der 20er Jahre hatten führende Nationalsozialisten zur Besiedelung Palästinas durch den Zionismus Stellung genommen. In wüsten Tiraden wandten sich Hitler und der NS-Ideologe Alfred Rosenberg gegen den „Imperialismus“ der britischen Mandatsmacht in Palästina, der nichts weiter sei als ein getarntes Mittel zur jüdischen Weltverschwörung. In diesen Antiimperialismus integrierten sie mühelos die USA nach deren Kriegseintritt im Dezember 1941. In der Hauptsache freilich pflegten die Nationalsozialisten einen Antizionismus, der deckungsgleich mit ihrem mörderischen Antisemitismus war. Hitler schrieb in seinem 1924 veröffentlichten Pamphlet „Mein Kampf“, die Zionisten und die Juden als solche dächten „gar nicht daran, in Palästina einen jüdischen Staat aufzubauen, um ihn etwa zu bewohnen, sondern sie wünschen nur eine mit Hoheitsrechten ausgestattete, den Zugriff anderer Staaten entzogene Organisationszentrale ihrer internationalen Weltbegaunerei;“ (Adolf Hitler: Mein Kampf. München (851. - 855. Auflage) 1943, S. 356).
Ähnlich äußerte sich Alfred Rosenberg in einem Vortrag am 7.2.1939, der mit dem Titel „Müssen weltanschauliche Kämpfe staatliche Feindschaften ergeben?“ in seinem Aufsatzband „Tradition und Gegenwart“ veröffentlicht wurde. Der angestrebte jüdische Staat in Palästina diene dem „Weltjudentum“ nur als Vorwand,
Bereits 1936 hatte Rosenberg seine Sympathie mit dem „arabischen Freiheitsaufstand“ bekundet:
[...], je länger der Brand in Palästina anhält, umso mehr festigen sich die Widerstände gegen das jüdische Gewaltregime in allen arabischen Staaten und darüber hinaus auch in den anderen moslemischen Ländern. Die englischen Soldaten glauben, dass sie für das britische Imperium kämpfen, und sie kämpfen doch für die gewaltsame Einspritzung des jüdischen Giftes in Völkerschaften, mit denen Großbritannien zu rechnen hat.
A. Rosenberg: Tradition und Gegenwart. a. a. O., S. 208
Am Ende seiner Ausführungen vom 1. Dezember 1936 drohte Rosenberg mit einem blutigen Waffengang und prophezeite fürchterliche Konsequenzen, nicht ohne jedoch die Schuld „den Juden“ unterzuschieben. Deren Ziel sei es nämlich, „mit Hilfe der künstlich angestachelten Hassgefühle am Ende dieses Europa zu zersetzen und, wenn sich Widerstände gegen diese Politik einstellen sollten, in einem Blutrausch zu vernichten“ (A. Rosenberg: Tradition und Gegenwart. a. a. O., S. 209).
Bereits Anfang der 30er Jahre wurden im arabischen Raum zahlreiche Organisationen gegründet, die sich Nationalsozialismus und Faschismus ausdrücklich zum Vorbild nahmen: 1932 die Syrische Volkspartei, 1933 die Vereinigung junges Ägypten, 1935 die Jugendorganisation Futuwwa im Irak, die die Jugend „nach deutschem Muster im militärischen Geist“ erziehen wollte und 1936 im Libanon die christlichen Phalanges Libanaises (übersetzt etwa: Libanesische Phalanx, ihr Vorbild war die faschistische Partei Falange in Spanien).
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wiesen zahlreiche Nahostreisende auf die großen Sympathien hin, die dem Regime aus der Bevölkerung entgegen gebracht wurden. Während des beschönigend „Generalstreik“ genannten pogromartigen Geschehens, das im April 1936 in Palästina seinen Lauf nahm, galten Hitlergruß und Hakenkreuz geradezu als Überlebensgarantie. Und mancher arabische Zeitgenosse wollte in Hitler gar jenen Zwölften Iman erkennen, dessen Erscheinen in der schiitischen Überlieferung in die Errichtung eines Tausendjährigen Reiches mündet, das dem jüngsten Gericht unmittelbar vorangeht.
Ideologische Gemeinsamkeiten
Was machte den Nationalsozialismus in den Augen so manches Muslim attraktiv? In einer Rede vor den Imanen der muslimischen SS-Division Handschar, die seit 1943 in Bosnien im Partisanenkampf wütete, skizzierte der Großmufti von Jerusalem die ideologischen Gemeinsamkeiten.
Tatsächlich treffen hier die zentralen nationalsozialistischen Glaubenssätze zusammen. So nimmt es nicht Wunder, wenn es in einer Weisung zur „Erziehung der mohammedanischen Waffen-SS“ heißt, es könne auf „Synthetisierung von Nationalsozialismus und Islam getrost“ verzichtet werden: „Der Nationalsozialismus wird als völkisch bedingte deutsche Weltanschauung und der Islam als völkisch bedingte arabische Weltanschauung vermittelt“ (M. Cüppers, K.-M. Mallmann: Halbmond. S. 231f.)
Am 28. November trafen Adolf Hitler und der Großmufti von Jerusalem, Hadji Mohammed Amin el Husseini, in Berlin zusammen.
Im Glossar
Nationalsozialismus
Antisemitismus
Zionismus
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Quellen zur NS-Zeit:
www.ns-archiv.de