Rechtsextremismus in Brandenburg Teil 2 (2007 - 2008)
Subkultureller Rechtsextremismus als Wegbereiter von Radikalisierung
Sten Söhndel, der als 17jähriger Schüler im Umfeld der Neonazi-Organisation Deutsche Alternative (verboten 1992) die Band gründete, wies im Interview mit der britischen Homepage BloodAndHonourCentral die Frage, ob die Band Parteien oder Organisationen unterstütze, von sich: Die Band würde alle nationalen Strukturen so gut es geht unterstützen, hätte aber entschieden, als Band nicht konkret in Strukturen tätig zu werden, denn „wir tragen durch unsere Musik zur Bewegung bei und durch unsere eigenen Bemühungen, die Jugend zu erziehen.“ (1)
Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Bericht Söhndels über seine eigene Radikalisierung:
„... nach der Wende 1990 herrschte in unserer Stadt und im gesamten Osten ein Klima,was eindeutig national geprägt war. Es kam praktisch von heute auf morgen, was verschiedene Gründe hatte (von simpler Auflehnung gegen alles und jeden bis hin zur Freiheit, die einem die kopflose Exekutive gestattete). Mit der Zeit wurde es ein gigantisches Massenphänomen und plötzlich war in Deiner Stadt jeder zweite ‚rechts’, unabhängig von Alters- & Bildungsstand. Als kleiner Racker rutschte man da natürlich mit rein. Warum? Das fing bei der Mode an, ging über das Auftreten bis hin zur Musik. Von Tag zu Tag interessierte man sich immer mehr dafür und begriff langsam, was es heißt so zu sein (mit Geschichte, Traditionen etc.) wie man auf einmal war. Man schnappte sich Unmengen an Büchern und bildete sich ... und durch die Richtigkeit des Handelns und der generellen Überzeugung für diese ‚bestimmte & unsere’ Sache, ist man heute immer noch im Boot und wird bis zu seinem Lebensende in diesem Boot gegen den Strom rudern.“ (2)
Typischerweise setzt der Radikalisierungsprozess in diesem Bericht Söhndels mit rechtsextremem Lifestyle ein (Mode, Auftreten, Musik): Er gibt die notwendigen Impulse, „dass man sich immer mehr dafür interessiert“. Als 17jähriger Nachwuchs-Neonazi in der Deutschen Alternative gab er – etwa zur Zeit der Gründung von Frontalkraft Ende 1992 – dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu Protokoll, er wolle dafür sorgen, „dass wir damit aufhören, Geld nach Israel zu schicken oder für die Kriege der Amis zu zahlen.“ (3)
Der Frontalkraft-Sänger ist sich nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Biographie seiner Rolle und Bedeutung als Rechtsrocker wohl bewusst: Nach dem Krieg seien zwei ganze Generationen psychologisch „umerzogen“ worden, so seien „zwei verlorene Generationen“ entstanden:
„Da muß man ansetzen, damit sich das nicht wiederholt. Die Aufgabe ist, eine Basis an jungen Menschen zu sich zu bekommen und dazu gehört die z.B. die Musik (...) und es gehören ‚dummerweise’ die Konzerte nebst ihrer eigenen Freiheit dazu. Diese Jugend, die man dann für unsere Reihen durch Musik gewinnt, muß dann sensibilisiert werden für unser Ziel (brauch sich keiner Gedanken machen das das nicht so ist) und dann wird es auch wieder diese Generation geben, ja wir formen sie mit unseren Willen mit, die als Masse auf der Straße des Volkes Stimmes Gehör verschafft. [...] Wir betonen hier noch einmal: dieses ist ein Weg, eine Strategie. Jene, die ihr Augenmerk auf die Musik und auf Konzerte gelegt haben, arbeiten direkt und auch indirekt genau an dieser Strategie (und die geben `ne Menge dafür, auch wenn es Außenstehende nicht nachvollziehen können). Schritt für Schritt.“ (4)
Politisch motivierte Kriminalität in Brandenburg
Rechtsextremes Personenpotential
Subkultureller Rechtextremismus
Beispiel: Cottbusser Rechtsrock-Band Frontalkraft
Subkultureller Rechtsextremismus als Wegbereiter für Radikalisierung
Bands und Konzerte in Brandenburg
Neonazismus, Freie Kameradschaften