
RASSENWAHN
„Rassekundliche“ Publikationen verbreiteten das „Lob der nordischen Rasse“, weckten Furcht vor „Überfremdung“ und forderten die „Reinigung des Deutschen Volkskörpers“ von „Artfremden“. Ein Teil dieser Bücher stützte sich auf Vorstellungen, die schon seit der Jahrhundertwende Verbreitung fanden. Dazu gehörte die Idee vom angeblichen Wettkampf zwischen „absterbenden schwachen und aufstrebenden starken Völkern“, die das Großmachtstreben Deutschlands rechtfertigen sollte. Die Ausgrenzung von Juden, Sinti und Roma und anderen Bevölkerungsgruppen wurde pseudowissenschaftlich begründet. Diese rassistische Ideologie bereitete den Boden, auf dem Zwangssterilisationen, Euthanasie und der Massenmord in den Vernichtungslagern stattfanden und von der Bevölkerung verdrängt, hingenommen oder sogar mitgetragen wurden.


Schloß dieser Stolz mit ein, dass man sich als Arier als etwas Besseres fühlte?
Ja, selbstverständlich. Das wurde auch in der Schule gepflegt, aber jetzt nicht durch unsere Lehrer, sondern da kamen - ich weiß nicht, wo die Leute herkamen - da wurden Schädelmessungen durchgeführt unter den Jugendlichen. Naja, jeder war stolz, der einen germanischen Schädel hatte und keinen ostischen.
Können Sie das noch ein bißchen schildern, wie das so war mit den Schädelmessungen?
Irgendwie wurde der Kopfumfang gemessen, ja - Kopfbreite und -höhe und das wurde irgendwie in ein Verhältnis gestellt.
Und das fand in der Klasse statt?
In der Klasse. Jeder saß nun da - und die standen vorne. Ich kann nun nicht mehr sagen, ob es zwei oder drei waren. Jeder kam nach vorne, wurde gemessen und (es) wurde aufgeschrieben, die Ergebnisse bekanntgegeben.
Wurde gesagt, das ist germanisch, das weniger?
Die Ergebnisse wurden bekanntgegeben, wie eine Art Auswertung: So wie der Kopf muß ein richtiger Arier aussehen, aber dieser Kopf ist nun mehr ein ostischer Schlag.
Interview mit Max Barth vom 19.1.1995. Mit 16 Jahren nahm er als Angehöriger einer Panzernahkampfbrigade der Hitlerjugend (HJ) an der Kesselschlacht bei Halbe teil.