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GESCHICHTE DES FRIEDHOFS


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HALBE. EIN FRIEDHOF UND SEINE TOTEN

NACH 1989

Viele Besucher aus den alten Bundesländern nutzten erstmals die Möglichkeit, ihre Angehörigen auf dem Friedhof zu besuchen. Leider führte die Vereinigung beider deutscher Staaten auch dazu, daß rechtsextremistische Jugendliche und Traditionsverbände der Waffen-SS diesen Ort zum Schauplatz von Gedenkfeiern gemacht haben. Damit geriet der Friedhof ins Blickfeld der deutschen und internationalen Öffentlichkeit. Um 1992 und 1993 Veranstaltungsverbote durchzusetzen, wurde der Friedhof am Volkstrauertag geschlossen. Der Ort Halbe war durch Einheiten von Polizei und Bundesgrenzschutz abgeriegelt. Am Volkstrauertag 1994 war der Friedhof das erste Mal wieder geöffnet.
Seit dem 1. August 1990 wurden ca. 800 Tote aus dem gesamten Land Brandenburg auf den Friedhof nach Halbe umgebettet. Trotz seiner Zuständigkeit für deutsche Kriegsgräber im Ausland fühlte sich der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge auch für den Waldfriedhof in Halbe verantwortlich. Er brachte seither für Bauleistungen zur Ausgestaltung des Friedhofes 500.000 DM auf.
Im Jahr 1990 entstand die Initiativgruppe - Internierungslager Ketschendorf e. V. Ihrem Engagement ist zu verdanken, dass die Grabinschrift des Feldes IX wahrheitsgetreu gestaltet wurde. Erstmals seit 1989 kann der Toten aus dem NKWD - Lager an ihren Gräbern gedacht werden.

Ich habe mit den Rechtsextremisten nichts gemein. Und ihre zufällige physische Anwesenheit hier auf dem Friedhof hat überhaupt nicht andeutungsweise etwas damit zu tun, was ich hier zum Ausdruck bringen wollte, als ich da war und was ich auch zu dieser Gelegenheit damals hier gesagt habe. [...] Ich sehe mich der Tradition der Bundesrepublik Deutschland verhaftet. Ihrem Grundgesetz und dem freiheitlichsten Staat, den wir je auf deutschem Boden besessen, und in dem wir gelebt haben.

Oberst Krohm, Bundeswehr Storkow, Interview am Volkstrauertag 1994.

Volkstrauertag 1991

Vor Beginn des offiziellen Festaktes lagen am Mahnmal bereits zwei Kränze. Eine Kranzschleife erinnerte an die gefallenen Europäischen Helden und war vom Korps Steiner gestiftet. Den zweiten Kranz hatten drei junge Rechtsradikale abgelegt. Die Schleife verkündete: Ihr starbt für ein Heiliges Deutschland, nicht für Verräter und Lumpen. Vor diesen Gebinden bildete die Bundeswehr mit einer Ehrenformation und Musikkorps - unfreiwillig - ein Spalier. Ein Staatssekretär aus dem Verteidigungsministerium legte den offiziellen Kranz der Bundeswehr zu den bereits liegenden Kränzen.

Demonstrationstourismus der Neonazis floriert wie nie zuvor.

[...] Jüngstes Beispiel dafür, daß Neonazis mittlerweile wieder die Straße gehört, war die "Heldengedenkkundgebung" am 17. November in Halbe (Kreis Märkisch Buchholz). Knapp 700 meist junge Rechtsextremisten hatten sich am Volkstrauertag in dem kleinen brandenburgischen Ort eingefunden, um der "gefallenen Kameraden" und der "deutschen Opfer beider Weltkriege" zu gedenken. Nachdem die Bundeswehr in Uniform und mit Waffen auf dem Halber Soldatenfriedhof der Toten gedacht hatte, marschierten die Neonazis auf. Auch wenn die Veranstaltung diesmal aus Berlin und ohne Hamburger Unterstützung organisiert worden war, finden sich auch diesmal Aktivisten aus der ganzen Bundesrepublik ein. Mit Oliver Schweigert ("Nationale Alternative"), Wolfgang Nahrath ("Wiking-Jugend"), Ursula Schaffer ("Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin"), Steffen Hupka ("Nationalistische Front") und Frank Hübner ("Deutsche Alternative") war auch "Polft-Prominenz" anwesend. Die Polizei glänzte durch Abwesenheit, während Pressevertreter bei ihrer Arbeit behindert wurden. Mit "starken Einsatzkräften" rückte die Polizei erst an, als die Versammlung vorbei und auf dem Friedhof wieder Totenstille herrschte - um einen Kranz sicherzustellen, auf dessen Schleifen SS-Runen und - Totenkopf abgebildet waren. Es ist erschreckend und beschämend, daß solche Bilder wieder zum Alltag gehören. Doch solange Neonazis ihre vermeintliche Kraft ungehindert öffentlich demonstrieren können, werden sie weiterhin Zulauf und Bewunderung finden.

Allgemeines Jüdisches Wochenblatt, 5.12.1991

Ich empfinde die rechtsradikalen Aufmärsche als beschämend. Es ist eine Verklärung der Tatsachen und der Vergangenheit. Das kann man gar nicht richtig beschreiben. Ich bin sehr traurig drüber und es belastet mich auch.

Pfarrer Liedtke, Lübbenau, anläßlich einer Umbettungsfeierlichkeit auf dem Friedhof Halbe im März 1995.

13. November 1994. Auf dem Parkplatz vor dem Friedhof haben Polizei und Bundesgrenzschutz Stellung bezogen. Der dritte Volkstrauertag unter Polizeischutz.

Ja, das ist ein ganz schweres Kapitel. Vor zwei Jahren hatten wir sehr viele Begegnungen mit den Neonazis und da haben wir gesagt, dieser Sache müssen wir aus dem Wege gehen. Denn die Leute sind weggelaufen, haben Angst gekriegt, wie der Aufmarsch hier vonstatten ging. Das war schlimm. Wir möchten nicht mehr diese Begegnungen haben, und da finde ich es schon richtig, daß hier die Polizei da ist. Denn in den ersten Jahren war gerade ein einziges Auto mit zwei oder drei Polizisten hier. Also, die konnten es ja gar nicht schaffen, diese Macht. Es ist schon gut, wenn die Polizei jetzt hier ist.

Waltraud Marschhausen, Internierte des Lagers Ketschendorf, Interview am Totensonntag 1994.

Jugendarbeit auf dem Friedhof. Projekttage, 28./29. August 1994. Waltraud Marschhausen und Arno Walter, ehemals Internierte des Lagers Ketschendorf, im Gespräch mit Schülern des Humboldt-Gymnasiums in Eichwalde.

Dieser Gedenkstein konnte 1991 auf Drängen der Initiativgruppe Ketschendorf e.V. und mit finanzieller Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Friedhof errichtet werden.

Schmiererei auf der Gedenkstele. Eine untaugliche Antwort auf die Geschichte.