Leichte Sprache

Toleranz

Lexikon Politische Bildung

Grimms Deutsches Wörterbuch weist das Wort Toleranz in unserer Sprache zum ersten Mal im 16. Jahrhundert nach. Es stammt aus dem Lateinischen, wo tolerantia so viel wie Duldsamkeit bedeutet. Abgeleitet ist der Begriff vom lateinischen tolerare (zu tolus = Last).

Insofern meint Toleranz die Bereitschaft, eine physische, psychische oder geistige Last zu tragen. Je nachdem, in welchem Zusammenhang das Wort verwendet wird - ob in der Medizin, Technik, Religion oder Philosophie - ändert sich demzufolge auch die konkrete Bedeutung.

Im politischen Zusammenhang interessiert in erster Linie die sozialethische Interpretation. Hier wird mit dem Wort Toleranz die Bereitschaft bezeichnet, in Fragen der religiösen, politischen, weltanschaulichen und kulturellen Überzeugung auch andere als die eigenen Anschauungen, Einstellungen Sitten und Gewohnheiten gelten zu lassen und anzuerkennen.

Toleranz bedeutet indes nicht Gleichgültigkeit gegenüber dem Andern. "Ignorieren ist noch keine Toleranz", schrieb etwa der Schriftsteller Theodor Fontane. Der Begriff von Toleranz erkennt seit alters an, dass die Anerkennung anderer Anschauungen, Überzeugungen und Verhaltensweisen mit Schwierigkeiten verbunden sein kann. Toleranz üben heißt demnach auch, die Beanspruchung ertragen zu können, die eine anders strukturierte, fremd wirkende Lebensform oder Weltanschauung für die eigene Lebenswirklichkeit bedeutet.

Toleranz hat im allgemeinen Sprachgebrauch eine vornehmlich positive Bedeutung. Das Wort kann aber auch Herrschafts- und Unterwerfungsverhältnisse ausdrücken. Dies wird im heutigen Rechtsgebrauch zum Beispiel deutlich, wenn ein Unterschied zwischen anerkannten und geduldeten Flüchtlingen gemacht wird, auf der einen Seite (oben) die Duldenden, auf der anderen Seite (unten) die Geduldeten.

Gegen eine solche Herrschafts-Toleranz haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen gegründet. Seit 2009 vertritt in Potsdam etwa der Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt ein neues Handlungskonzept, das deutlich macht, dass das Bekenntnis zu Toleranz und Weltoffenheit heute nicht aus einem Machtspruch von oben hervorgehen kann, sondern aus der politischen Willensbildung von unten.

Auf Landesebene sind bislang alle brandenburgischen Landesregierungen für eine stärkere Mobilisierung breiter gesellschaftlicher Kräfte gegen Intoleranz, Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus eingetreten. Bereits 1998 wurde daher zusammen mit anderen Akteuren das gemeinsame „Handlungskonzept Tolerantes Brandenburg“ beschlossen und umgesetzt.

Aus der Geschichte lernen - zwei Edikte von Potsdam

Im November 1685 erließ der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620–1689) das Edikt von Potsdam. Damit ermöglichte er 20.000 Hugenotten, die aus religiösen Gründen aus Frankreich fliehen mussten, den Zuzug nach Brandenburg. In Anlehnung an dieses historische Ereignis entstand 2008 das Neue Potsdamer Toleranzedikt - als Ergebnis einer mehrmonatigen öffentlichen Bürgerdiskussion in Potsdam.


TW, Februar 2015