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Tag der Befreiung: 8. Mai 1945

Lexikon Politische Bildung

Der 8. Mai 1945 war der Tag, an dem die bedingungslose Kapitulation aller Wehrmachtsteile (Marine, Heer, Luftwaffe) in Kraft trat und der 2. Weltkrieg in Europa beendete wurde. Durch seinen symbolischen Charakter kommen ihm unterschiedliche Bedeutungen zu. Für die einen ist es der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, für andere noch immer der Tag der Kapitulation und der deutschen Niederlage.

In Frankreich, Tschechien und der Slowakei ist der Tag ein offizieller Feiertag. Im angloamerikanischen Sprachraum wird der Tag auch als V-E-Day (Victory in Europe Day) bezeichnet, weil das japanische Kaiserreich erst am 2. September 1945, nach den Abwürfen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, kapitulierte. In Russland ist der 9. Mai als „Tag des Sieges“ ebenfalls ein Feiertag.

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Dass in Russland der 9. Mai als Feiertag begangen wird, hängt mit den historischen Umständen zusammen. Nachdem Adolf Hitler am 30. April 1945 Selbstmord begangen hatte, wurde Großadmiral Karl Dönitz zu seinem Nachfolger bestimmt. Dieser unterzeichnete zunächst nur eine Teilkapitulation. Am 7. Mai unterzeichnete dann Generaloberst Alfred Jodl in Reims stellvertretend die Kapitulation aller Streitkräfte der Wehrmacht. Die Unterzeichnung dieses Dokuments verzögerte sich auf sowjetischer Seite allerdings bis zum 9. Mai 1945 (MEZ).

Der Umgang mit dem historischem Datum in Deutschland gestaltet sich bis heute schwierig. In der rechten Szene wird der Tag für Aufmärsche genutzt, die häufig mit der Vehöhnung der Opfer des Nationalsozialismus einhergehen und einer nationalistischen Mythenbildung dienen. Burschenschaften und andere konservative Kräfte, aber auch viele ältere Menschen verbinden den Tag nicht mit dem Gedanken an Befreiung, sondern der deutschen Niederlage mit all ihren Folgen: Vertreibung, Besatzung, deutsche Teilung, Verlust von Heimat.

Die DDR folgte von 1950 bis 1967 dem sowjetischen Vorbild und feierte den 8. Mai als „Tag der Befreiung“. Sie knüpfte damit auch an ihren antifaschistischen Gründungsmythos an.

In der Bundesrepublik wurde daraus kein Feiertag, obwohl auch dort der Tag von symbolischer Bedeutung gewesen ist. So stimmten am 8. Mai 1949 Vertreter unterschiedlicher Parteien im parlamentarischen Rat für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Offiziell wurde der Tag aber bis in die 1960er Jahre eher beschwiegen. Als erster Bundespräsident hielt Gustav Heinemann 1970 an diesem Tag dazu eine Rede.

Spätestens seit der Rede Richard Weizsäckers von 1985 zum 40. Jahrestag des 8. Mai, gilt er auch in der Bundesrepublik als „Tag der Befreiung“ vom Nationalsozialismus. Weizsäcker betonte dabei, dass der 8. Mai vor allem ein Tag der Erinnerung an die unmenschlichen Leiden auf allen Seiten sei.

Der Jahrestag des Kriegsendes wird in Brandenburg künftig als Gedenktag begangen. Der Potsdamer Landtag beschloss am 30. April 2015 die Änderung des Landesfeiertagsgesetzes. Unmittelbare Auswirkungen auf Bürger und Wirtschaft ergeben sich daraus aber nicht - der Tag wird nicht arbeitsfrei.
 

TP, März 2014 (aktualisiert von Laneszentrale Mai 2015)

Kommentare

Bedingunslose Kapitulation

Sogar das DHM beschreibt das Ereignis erhellender: http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/kapitulation/ Die Kapitaulation im us-amerikanischen Hauptquartier von General Eisenhower in Reims hätte als Teilkapitulation "mißverstanden" werden können, daher die endgültige Kapitulation am 8. resp. 9. Mai 1945 in Berlin Karlshorst
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Tag der Befreiung

Die Erklärung der Landeszentrale hat eine andere Stoßrichtung und ist umfassender, als die Erläuterungen auf der Website des DHM. Aber vielen Dank für den Link, er bildet eine gute Ergänzung, besondere die Zeitzeugenberichte sind sehr erhellend.
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Tag der "Befreiung"

Die Alliierten kamen, wie ihr Oberbehlshaber Eisenhower erklärte, als Eroberer ("as conquerors"), also nicht als Befreier.
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