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„Afghanistan“ bedeutet eigentlich im übertragenen Sinne „Land der Afghanen“. „Afghanen“ bezieht sich aber nicht auf die Staatsbürger, sondern ist die persische Bezeichnung für die Stämme der Paschtunen. In Afghanistan selbst herrscht eine enorme Vielfalt an verschiedenen Volksgruppen. Genaue Grenzen kann man zwischen den einzelnen Gruppen nicht ziehen und ein gemeinsames Identitätsgefühl ist häufig nicht vorhanden. Es ist daher nicht möglich zu benennen, wie viele verschiedene Ethnien in Afghanistan leben. Die Schätzungen schwanken zwischen 50 und 200. Einzelne Volksgruppen definieren sich in Afghanistan häufig über verwandtschaftliche Beziehungen, wie beispielsweise dem „Stamm“, den „Clan“  oder über soziale Netzwerke, wie dem „Qawm“.

Von den geschätzten 30 Millionen Einwohnern Afghanistans gehören ca. 40 - 50 % der paschtunischen Volksgruppe an. Das Volk der Paschtunen lebt in Südasien (vor allem in Pakistan) und spricht eine der beiden Amtssprachen Afghanistans, nämlich Paschto.  Die Paschtunen sind zum Großteil Sunniten und leben nach einem komplexen Rechts- und Ehrenkodex, dem „Paschtunwali“.

Die zweitgrößte Volksgruppe in Afghanistan ist mit ca. 20 - 35 % der Einwohner die der Tadschiken. Sie sprechen die zweite Amtssprache Afghanistans: Dari. Dari ist allerdings nur eine andere Bezeichnung für Persisch. Die persische Sprache hat in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bezeichnungen. So nennt man sie im Iran „Farsi“, in Afghanistan „Dari“ und in Tadschikistan „Tajik“.

Jeweils ca. 9 % der Bevölkerung Afghanistans machen die Hazara (ca. 7 – 20 % der Bevölkerung) und die Usbeken (ca. 8 – 15 % der Bevölkerung) aus. Die Hazara sprechen auch Dari, sind aber zum Großteil Schiiten. Da sie somit eine konfessionelle Minderheit darstellen, waren sie in der Geschichte häufig Ziel von Diskriminierungen und Verfolgungen.

Zusätzlich gibt es noch einige Minderheiten, wie die Aimak, die Turkmenen, oder die Baluchi (welche jeweils weniger als 5 % der Bevölkerung ausmachen).

 

Religion

99 % der afghanischen Bevölkerung bekennen sich zum Islam. Dabei sind etwa 84 % Sunniten und ca. 15 % Schiiten. Es gibt einige wenige Hindus, Sikhs und Christen.

Der Islam spielte in der Vergangenheit Afghanistans immer eine große Rolle und war auch zeitweise einheitsfördernd während einer Bedrohung von außen oder bei fremden Besatzungen. Nicht nur die Taliban-Herrschaft der 1990er Jahre zeigte, dass die Religion in Afghanistan häufig missbraucht und instrumentalisiert wurde. Unter der Taliban-Herrschaft wurde der Islam sehr streng ausgelegt. Alle Frauen mussten eine Burka (Ganzkörperschleier) tragen und durften nicht arbeiten - Mädchen war der Besuch von Schulen untersagt. Jeglicher westlicher und unislamischer Einfluss, sei es Musik, Kunst oder Sport, war verboten.

Buddhistische Kulturgüter, wie die von der UNESO als Weltkulturerbe aufgelisteten Buddha-Statuen von Bamiyan, wurden zerstört.

 

Konflikte

Durch die enorm heterogene Bevölkerung Afghanistans kam es immer wieder zu Konflikten zwischen den einzelnen Volksgruppen. So wurde die schiitische Minderheit der Hazara von der paschtunischen, sunnitischen Mehrheit in der Vergangenheit öfters diskriminiert. Neben Sprach- und Religionskonflikten gibt es aber auch einen Stadt-Land-Konflikt, welcher sich in dem Konflikt zwischen Tradition und Moderne widerspiegelt.

In der Vergangenheit versuchten die jeweils herrschenden Eliten, egal welcher Ethnie sie angehörten, einen starken zentralisierten Nationalstaat zu schaffen. Sie wollten dies durch eine Modernisierung der Gesellschaft erreichen und orientierten sich dabei an unterschiedlichen Vorbildern wie dem türkischen Staat, den europäischen Nationalstaaten oder den sozialistischen Staaten. Die Reformen und Modernisierungstendenzen erfolgten meist nur in den Städten und trafen auf heftigen Widerstand bei der ländlichen Bevölkerung, die an ihrem traditionellem Leben festhalten wollte. Somit unterschieden sich die Einwohner der Städte zunehmend in Bildung, Kultur und Lebensweise von der Landbevölkerung, was bis heute Ursache für zahlreiche Konflikte ist.

 

Situation der Bevölkerung

Es darf auch nicht vergessen werden, dass sich Afghanistan seit mittlerweile über dreißig Jahren im Kriegszustand befindet. In dieser Zeit wurden mehr als eine Million Afghanen getötet und über die Hälfte der afghanischen Bevölkerung flüchtete während der Besatzung der Sowjetunion und der Herrschaft der Taliban ins Ausland. Nur zögerlich kehrten die meisten Flüchtlinge nach dem Ende der Taliban-Herrschaft zurück nach Afghanistan und auch heute fliehen wieder hunderte von Menschen vor dem Terror in ihrer Heimat. Viele Afghanen erlebten Hungerkatastrophen, Epidemien, Anarchie und Vergewaltigungen, mehr als eine Million Afghanen wurden in der sowjetischen Besatzungszeit verwundet und noch heutzutage werden, zumeist Kinder, von alten Minen oder Bomben-Blindgängern verstümmelt oder getötet.

Fast jeder Afghane ist traumatisiert, der Drogenkonsum in Afghanistan erreicht Rekordwerte und die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit 44 Jahren eine der niedrigsten der Welt. Der Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung ist in den meisten Gebieten Afghanistans nicht vorhanden und der Schulbesuch war Mädchen unter der Herrschaft der Taliban verboten. Fast 80 % der afghanischen Bevölkerung sind Analphabeten. 

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Afghan Schoolchildren in Kabul
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