Leichte Sprache

„Rock gegen ZOG“

Weltverschwörung und Antisemitismus

„ZOG-Flagge“ und „USrael“: Die im Internet stark verbreitete Darstellung der amerikanischen Nationalfahne enthält anstelle der Stars Davidsterne, um zu zeigen, wer in den USA wirklich die Macht habe, und von den Stripes tropft das Blut, um die angeblichen amerikanischen Verbrechen zu symbolisieren.Zwischen Ahnenkult und Wehrmachtsverherrlichung, zwischen vorgeblichem Verfolgungsdruck durch das „System“ und Kinderschändung bedient der Rechtsrock eine ganze Reihe an Themen.

So verdichten sich in ihm beispielswiese Antisemitismus und Verschwörungstheorie im Schlagwort vom „ZOG“ bzw. „ZORG“, wobei die Kürzel folgende Bedeutung haben:

ZOG: Zionist Occupied Government – Zionistisch beherrschte Regierung

ZORG: Zionist Occupied Remote Government – Zionistisch beherrschte Marionettenregierung

„Rock gegen ZOG“, diese Parole gab die Berliner Neonazi-Band Landser mit ihrem gleichnamigen Liedtitel vor, in dem es lapidar hieß:

Herzlich willkommen bei der braunen Musik Fraktion, wir bringen mal wieder geistigen Sprengstoff zur Explosion. Bis an die Zähne bewaffnet mit Schlagzeug und E-Gitarren, wir sind die Bombe in diesem Käfig voller Narren.
Terroristen mit E-Gitarren - Der Innenminister hat mal wieder gewarnt. Terroristen mit E-Gitarren - Neue Anschläge sind schon geplant. Terroristen mit E-Gitarren - Die Terrorband aus Terrortown.
Terroristen mit E-Gitarren - Deutschland Multikulti, wir bleiben braun.
Landser: Terroristen mit E-Gitarren (Ran an den Feind, 2000, indiziert: 31.03.01)

Wie wenig andere zuvor machten die Kürzel „ZOG“ und „ZORG“ international in rechtsextremen Szenen Karriere, seit sie 1976 von dem amerikanischen Neonazi Eric Thompson geprägt und mit Inhalt gefüllt wurden. Er selbst nahm in seinem Text „Welcome to ZOG-World“ („Willkommen in der ZOG-Welt“) folgende Definitionen vor:

„ZIONIST: Jüdischer Rassist und Israel-Zuerst-Verfechter. Die meisten Zionisten sind keine Juden, sondern Strohmänner der Juden, die dazu bestochen und / oder übers Ohr gehauen wurden, ihren jüdischen Herren zu dienen. Der früher gängige Ausdruck für solches Gewürm war 'nützlicher Idiot’ oder 'Rassenverräter’.

OCCUPATION: Zustand, in dem fremde Truppen oder Agenten ein Volk gegen die eigenen Interessen zugunsten der Interessen der ausländischen Besetzer regieren.

GOVERNMENT: Minderheit von Einzelnen, die die Macht haben, die Mehrheit zu erschießen und / oder Steuern zu erheben.“

Die antisemitische Vorstellung, dass die Regierung eine Schattenregierung jüdischer „Strippenzieher“ sei, inspirierte in den Vereinigten Staaten Revisionisten, Neonazis, Rassisten sowie militante Bürger-Milizen. Timothy Mc Veigh etwa glaubte, gegen ZOG zu kämpfen, als er am 19. April 1995 vor einem Verwaltungsgebäude in Oklahoma City eine Bombe zur Explosion brachte und 168 Menschen ermordete.

Tatsächlich jedoch ist die Vorstellung von der Verschwörung zur „jüdischen Weltherrschaft“ so alt wie der Antisemitismus selbst. So unterscheidet sich Thompsons Formulierung von der Minderheit, die die Macht habe, „die Mehrheit zu erschießen“ („the authority to shoot the majority“) nur in der Wahl der vorgestellten Mittel von jener, die der Heilbronner Stadtrat in einem Brief vom 24. Februar 1349 wählte: „Das Gift verteilte sie unter den Juden, dass damit die Christenheit verderbt würde“ – die Juden hätten die Brunnen vergiftet, glaubte man damals, als in Europa die Pest wütete.


Gemeinsamkeiten

Dollar Note
Diese Abbildung auf der 1-Dollar-US-Note gilt vielen Anhängern von Verschwörungstheorien als Beweis, dass die USA Teil einer Weltverschwörung seien. Die Pyramide mit dem sog. „allsehenden Auge“ in ihrer Spitze ist angeblich ein Symbol des Illuminaten-Ordens, der Zusammenhang konnte jedoch nie nachgewiesen werden. Statt dessen sind Pyramide (als Symbol der christlichen Dreifaltigkeit) und das „allsehende Auge“ Gottes gängige Motive der darstellenden Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die Pyramide enthält 13 Stufen, die angeblich die 13 Hierarchie-Stufen der Illuminaten symbolisieren, sowie die Jahreszahl 1776, in dem die Illuminaten gegründet wurden. Tatsächlich aber erklärten 13 Staaten der späteren USA 1776 ihre Unabhängigkeit. Das Datum markiert also die Geburtsstunde der Vereinigten Staaten. Die lateinische Beschriftung „Annuit Coeptis“ heißt angeblich „Unser Vorhaben wird erfolgreich sein“, worin Verschwörungstheoretiker ebenso einen Hinweis zur Weltverschwörung sehen wollen wie in „Novus Ordo Seclorum“ („Neue Ordnung der Zeiten“).

Richtig übersetzt heißt „Annuit Coeptis“, „Er segnet unseren Anfang“. Zusammen mit der „Neuen Ordnung der Zeiten“ wird hier also die Wichtigkeit der Unabhängigkeitserklärung betont.

Nicht jede Verschwörungstheorie ist prinzipiell antisemitisch, allerdings gibt es auffallende Gemeinsamkeiten mit dem Antisemitismus. Wie dieser glauben Verschwörungstheoretiker, dass eine kleine Gruppe mittels politischer, wirtschaftlicher und kultureller Macht die Weltherrschaft zu erringen sucht.

Die Verschwörer bedienen sich dabei aller Mittel, um unentdeckt im Hintergrund zu bleiben. Dieses „Schieben hinter den Kulissen“, das Agieren im Verborgenen gehört zu einer der ältesten antisemitischen Stereotypen.

Seien es Freimaurer, Illuminaten, die Bilderberg-Gruppe [1] , Kapitalisten oder eben Juden, wer auch immer die Mitglieder dieser Verschwörung zur Weltherrschaft stellt, bleibt austauschbar.

Und so kommt im Konzept des „ZOG“, das seinen Antisemitismus nicht leugnet, die Verschwörungstheorie bei sich selbst an. Die rechtsextreme Band Stahlgewitter sang in ihrem Song „Weltherrschaft“ beispielsweise:

Freimaurer-Loge, Zionisten, Weltverschwörer, Humanisten. Sie nehmen unser Schicksal in ihre Hand, Sie ziehen alle Fäden, habt Ihr’s noch nicht erkannt?
Hinter all diesen Mächten steht das eine Symbol, wer steckt dahinter, na, wer ist das wohl? Es gibt Protokolle und sogenannte Weisen, sie legen die Völker in Ketten und Eisen.“
(Stahlgewitter „Germania“, 1998, indiziert am 30.06.99)

Mit dem letzten Vers spielt der Text auf ein angeblich authentisches Dokument der jüdischen Verschwörung zur Weltherrschaft an, das zuerst 1868 in deutscher Sprache veröffentlicht wurde. Die „Protokolle der Weisen von Zion“ sollen ein originales Dokument jüdischer Weltverschwörer sein, in dem der Fahrplan zur Weltherrschaft niedergelegt ist.

Laut Verschwörungstheoretikern gelangte es nur durch ein Versehen an die Öffentlichkeit. Allerdings wurden die Protokolle bereits in den 20er Jahren als Fälschung entlarvt, doch dessen ungeachtet glaubten führende Nationalsozialisten, darunter Adolf Hitler, an ihre Echtheit.

Obwohl kein Zweifel an der Fälschung bestehen kann[2], folgen ihnen bis heute Antisemiten jeder Couleur in diesem Punkt. Weist man sie darauf hin, sehen sie in der „angeblichen Fälschung“ meist nur einen weiteren Beweis für die Verschlagenheit und Macht der Verschwörer.
 




[1] Bilderberg-Gruppe
Benannt nach einem Hotel in Amsterdam, in dem sich die Gruppe 1954 zum ersten Mal getroffen haben soll, setzt sie sich aus führenden Mitgliedern der Hochfinanz und Industrie zusammen. Die Treffen finden regelmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wodurch die Phantasie von Verschwörungstheoretikern beflügelt wird. Sie seien, lautet die Legende, die heimliche Weltregierung der „One World“.

1999 gelang es dem Journalisten Jon Ronson, sich in das Treffen einzuschleichen, das er als bizarren und exaltierten Sommerurlaub einer Gruppe Superreicher beschrieb: „Mein anhaltender Eindruck war ein alles durchdringendes Gefühl von Unreife: der Elvis-Imitator, die pseudo-heidnischen Gespensterrituale, der extreme Alkohol-Konsum. Diese Leute mögen den Höhepunkt des beruflichen Lebens erreicht haben, emotional scheinen sie aber in ihren College-Jahren gefangen zu sein. Ich frage mich, ob [sie] sich aus keinem bösartigeren Grund in den Mantel des Schweigens hüllen, als dass sie es selbst cool finden. [...] [Mein Bilderberg-Informant] sagte mir, dass sie weit davon entfernt sind, die Verschwörungstheorien über sich satt zu haben, und dass sie diese tatsächlich durch und durch genießen.“ (Jon Ronson: Them. Adventures with Extremists, Simon & Schuster, New York u. a. 2002, S. 321).

[2] Z. B.: H. Ben-Itto, Die Protokolle der Weisen von Zion – Anatomie einer Fälschung, 1998, oder J. Sammons, Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Grundlage des modernen Antisemitismus – eine Fälschung, Göttingen 1998