Leichte Sprache

Satirische Bestandsaufnahme

Karikatur: Barbara Henniger

Reges Treiben auf dem Spielplatz: Da wird gerutscht, geschaukelt und gebuddelt, vom Rollstuhl zum Roller gewechselt, der Rollator mit dem Klettergerüst getauscht. Der Spielplatz wird zum Jungbrunnen für die Alten. Doch die fröhliche Vision von Barbara Henniger hat einen Schönheitsfehler: Es gibt keine Kinder. Die werden auf ihren Blättern zum seltenen Ereignis und verdeutlichen so das Dilemma der Geburtenrückgänge. 

Barbara Henniger thematisiert den Jugendwahn, zeigt die statistisch korrekte Familie und  bebildert mit grimmigem Humor die Welt der Alten, die sich – notgedrungen – bis zum Lebensende auf dem Arbeitsmarkt tummeln oder der Gesellschaft zur Last werden. Das Aussetzen von Haustieren und Großeltern vor Ferienbeginn ist da nur eine logische Konsequenz, die der demografische Wandel vorzugeben scheint.   
 

Bildergalerie
Karikatur: Barbara Henniger
Karikatur: Barbara Henniger
Karikatur: Barbara Henniger
Karikatur: Barbara Henniger
Karikatur: Thomas Plaßmann
Karikatur: Thomas Plaßmann
Karikatur: Thomas Plaßmann
Karikatur: Gerhard Glück
Karikatur: Nel
Karikatur: Nel
Karikatur: Nel
Karikatur: Nel
Karikatur: Erich Rauschenbach
Karikatur: Erich Rauschenbach
Karikatur: Erich Rauschenbach

Von purer Fröhlichkeit kann bei Thomas Plaßmann nicht die Rede sein. Er formt seine meist verdrießlich dreinblickenden Gestalten aus einem schier endlosen Vorrat von dünnen Linien, die, entknäult und in neue Bahnen gelenkt, zu Figuren aus dem wirklichen Leben werden. Zwar kommen bei Plaßmann alle Generationen zu Wort, doch will das Gespräch miteinander nicht recht gelingen. Wenige Worte und knappe Dialoge genügen, um die Probleme des  demografischen Wandels zu erklären.

Gern folgt man Plaßmanns Gedanken-Strichen, führen sie doch zuverlässig bis zur rabenschwarzen Pointe. Er denkt und zeigt konsequent zu Ende, was Demografen prophezeien. Seine Bestandsaufnahme ist bitter, seine Empfehlungen von bösem Witz. 

EinzelkindGerhard Glück, der so unnachahmlich witzig den deutschen Spießer aufs Korn nimmt, zeigt bei diesem Thema auch eine andere, fast unbekannte Seite. Die grüne Idylle ist trügerisch und mündet in tiefe Traurigkeit, wenn sich das Einzelkind beim Dauer-Karussell-Fahren einsam im Kreise dreht.

Im Arrangement von grübelndem alten Mann und bunten Bauklötzen sind Kinder gänzlich abhanden gekommen. Der Humor stellt sich erst wieder bei dem Roller fahrenden Rentner ein, der mit dem Solarmantel eine fröhliche Verbindung von Erfindergeist und langer Lebenserwartung eingeht.
 
Lange wollte man den warnenden Vorhersagen der Demografen nicht glauben. Doch inzwischen gilt als sicher: Wir werden älter und wir werden weniger! Prognosen sagen voraus, dass es im Jahr 2050 in Deutschland 23 Millionen Menschen geben wird, die 65 Jahre und älter sind. Allerdings wird die Bevölkerung in 40 Jahren von jetzt 82 Millionen auf 69 Millionen schrumpfen und damit fast die Hälfte der Einwohner im Seniorenalter sein.

Der Traum des Menschen von einem langen Leben wird wahr – und gleichzeitig zum  Schreckszenario der Zukunft. Die Politik sucht dringend nach Lösungen; Länder und Kommunen, Vereine und Bürger sind aufgefordert, Vorschläge zu machen, wie man dem demografischen Wandel begegnen und seine Folgen erträglich machen kann.  

Ob Paar oder Gruppe, Familie oder Einzelperson – das handelnde Personal in Nels zart kolorierten Lebenswelten besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Statistische Aussagen und Politiker-Statements werden bei ihm zu Bildern mit lakonischem Witz. In seinen täglichen Karikaturen schafft er es, komplizierte Zusammenhänge zu entwirren und sie mit heiterer Naivität zu erklären.

Dass die Rente sicher sei, verhallt bei ihm wie das Amen in einer fast leeren Kirche und Sankt Nimmerlein wird folgerichtig zum Schutzpatron des Renteneintrittsalters. Das demografische Gleichgewicht bleibt bei Nel nur durch eine listige Schummelei der überzähligen Alten im Gleichgewicht.
 

Demografisches Gleichgewicht. Karikatur von Nel

60 Jahre sind der magische Punkt auf Erich Rauschenbachs Messlatte für Glaubwürdigkeit und so wird sein Motto zur titelgebenden Karikatur. Mögen T-Shirt und Träger inzwischen gemeinsam in die Jahre gekommen sein, mit dem Erreichen des Rentenalters ist dem Zeichner auch der Perspektivwechsel geglückt und entspricht damit ganz den künftigen Mehrheitsverhältnissen. Auch sonst schafft Rauschenbach, die komplexe Thematik mit viel Witz in Sprechblasen-Dialogen verständlich zu machen und darüber hinaus praktische Tipps zur Lösung altersbedingter Probleme zu geben.

Karikaturisten können die Entwicklung nicht aufhalten, doch ihre Kunst kann die Aufmerksamkeit schärfen und Probleme verdeutlichen. Und so lassen die fünf hier versammelten Zeichner bei ihrer Bestandsaufnahme kein Stichwort aus: Ob Altersarmut oder Pflegenotstand, Jugendwahn oder Geburtenrückgang, Renteneintrittsalter oder Rentensicherheit, Abwanderung oder Arbeitskräftemangel – noch im bittersten Ernst finden sie einen heiterer Aspekt und zu jedem Thema eine bildhafte Übersetzung.

Die Blickwinkel sind verschieden, ebenso die Zeichenstile und die Art des Humors. Ansehenswert aber sind sie alle, die satirischen Kommentare zum demografischen Wandel.


Martina Schellhorn
Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

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