Leichte Sprache

Was ist eine Diktatur?

Drittes Reich, DDR, Sowjetunion, Kuba, Argentinien, Chile, Nordkorea, Syrien, Irak, auch die EU - sie alle wurden schon als Diktaturen bezeichnet. Dabei verschwimmen häufig die Kriterien. Wann ist ein System diktatorisch?
Stürmung der Stasi-Zentrale im Januar 1990. Bundesarchiv, Bild 183-1990-0116-013 / CC-BY-SA

Aha, jetzt kommt das wieder, mögen Viele denken, die anfangen, auf dieser Seite zu lesen: Nationalsozialismus und DDR. Damit haben sie gar nicht Unrecht. Denn in unserer Rubrik Demokratie und Diktatur stehen die beiden deutschen Diktaturen im Mittelpunkt. Warum? Weil der Umgang mit der eigenen Vergangenheit so schwierig zu sein scheint, weil es keine Stunde Null in der Geschichte gibt oder weil es eben auch zur politischen Bildung gehört?

Die Antwort mag jeder für sich finden, aber unstrittig ist, dass die Erinnerung an beide Diktaturen die Gesellschaft, in der wir heute leben, wesentlich prägt. Der Soziologe Bernd Martens hat diesen Zusammenhang für die Erinnerung an die DDR sehr eindrücklich dargestellt:

Die rückblickend verklärende Sicht auf die DDR spiegelt ... die Probleme der heutigen Bundesrepublik wider. Es ist nicht die Sehnsucht nach der alten DDR oder die Ablehnung der Wiedervereinigung, sondern der Wunsch beispielsweise nach größerer sozialer Sicherheit und mehr Gerechtigkeit, die sich in dem DDR-Bild ausdrücken."*

Auch ein Vergleich von Staatshäuptern und Politikern mit Adolf Hitler ist nicht nur hierzulande recht schnell bei der Hand. So kontrovers die Diskussionen aber auch sind - Kritiker sind sich darin einig, dass gerade junge Menschen unsicher sind bei der Unterscheidung von Diktatur und Demokratie. Wir zeigen auf unseren Seiten, wo man sich informieren kann, wer sich mit dem Thema seriös beschäftigt und dass ein Comic ernsthaft über Diktaturen schreiben kann.

Was ist eine Diktatur? Verkürzt ausgedrückt, stellt sie das Gegenteil von Demokratie dar. Es geht also nicht um die Herrschaft des Volkes - ein Merkmal der Demokratie - sondern um eine Staatsform, in der die demokratischen Rechte abgeschafft wurden. Die Herrschaftsgewalt liegt in den Händen einer einzelnen Person - die als Diktator bezeichnet wird - einer kleinen Gruppe (zum Beispiel Militär), einer Partei oder Organisation. Anders als in demokratischen Systemen fehlt die Kontrolle durch parlamentarische oder plebiszitäre Verfahren.

Diktatorische Regime entstehen oft durch Gewalt, zum Beispiel durch einen Putsch oder einen Staatsstreich. Der afrikanische Kontinent ist bis in die Gegenwart reich an Beispielen. Man denke aber auch an das Pinochet-Regime in Chile, das von 1973 bis 1990 an der Macht war und damit zu den langlebigsten Militärdiktaturen zählt.

Diktatoren können aber auch mit legalen Mitteln an die Macht kommen und dann schrittweise die Demokratie ausschalten - Adolf Hitler ist ein Beispiel aus der jüngeren deutschen Geschichte.

Wie auch bei demokratischen Systemen gibt es zahlreiche Erscheinungsformen von Diktaturen, die in der Wissenschaft zu ebenso vielen Bezeichnungen geführt haben. So wird unterschieden zwischen Übergangsdiktaturen, Parteiendiktaturen, Militärdiktaturen, Rechts- und Linksdiktaturen, totalitären Diktaturen und weiteren mehr. Entscheidend für die Bezeichnung sind jeweils prägende Merkmale wie etwa die Dauer des Regimes, die Herrschenden (ein Diktator, eine Partei oder Gruppe), der politische Hintergrund, das Ausmaß an Terror, Gewalt und Repression.

Für die DDR wurde von Wissenschaftlern zum Beispiel neben anderen der Begriff der Fürsorgediktatur entwickelt, um damit den spezifischen Charakter des SED-Regime im Vergleich zu anderen modernen Diktaturen herausarbeiten zu können. Die nationalsozialistische Diktatur wird als totalitär bezeichnet.

 

Merkmale von Diktaturen (nicht alle sind immer gleich ausgeprägt):

  • Eine Person, Gruppe oder Organisation hat das Machtmonopol. Eine Gewaltenteilung ist nicht gewährleistet.
  • Grundrechte werden abgeschafft.
  • Der gesellschaftlich-politische Pluralismus wird außer Kraft gesetzt. (Ausschaltung einer Opposition)
  • Schaffung einer Einheitspartei mit Massenorganisationen.
  • Eine Ideologie wird zur herrschenden und beansprucht alle Bereiche des menschlichen Lebens.
  • Die Freiheit der Presse wird abgeschafft, Medien gleichgeschaltet und durch Zensur ein Informationsmonopol gesichert.
  • Die Macht wird durch außergesetzliche Gewalt staatlicher und parastaatlicher Repressionsapparate abgesichert.

 

Landeszentrale, Mai 2013

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