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Wolfgang Kil
Keine Baukultur ohne Rückbaukultur

Zur Situation

Das Thema ist nicht mehr länger zu ignorieren: Demnächst anderthalb Millionen leere Wohnungen in Ostdeutschland. Vor zwei Jahren hatte eine Regierungskommission die Daten als sozialpolitische Zeitbombe veröffentlicht und vorgeschlagen, bis zu vierhunderttausend Wohnungen „vom Markt zu nehmen”. Inzwischen wurde ein milliardenschweres Regierungsprogramm Stadtumbau-Ost in Gang gesetzt, das mit öffentlicher Förderung von Abrissen der akuten Krise auf den ostdeutschen Wohnungsmärkten begegnen will.

Doch abgesehen davon, dass die bislang eingeplanten Finanzmittel allenfalls für eine Vernichtung von etwa einem Viertel der überzähligen Wohnungsbestände ausreichen – die Krise der ostdeutschen Städte wird sich als allein wohnungspolitisches Problem weder erklären noch lösen lassen: Erstens ist der Leerstand kein direkter Reflex auf die in Verruf gebrachte „Plattenästhetik” (in vielen signifikant betroffenen Städten wie Leipzig, Halle oder Görlitz sind es vorrangig die Alt- und Innenstädte, die Sorgen bereiten).

Zweitens war der immer wieder herbeizitierte Nachholbedarf an Eigenheimen ganz wesentlich von Subventionen stimuliert und dürfte daher, vom Berliner Umland einmal abgesehen, nach Einstellung der exorbitant hohen steuerlichen Sonderabschreibungen Ost, weit über alle Nachfragen hinaus gedeckt sein; die Bewohnerverluste gehen aber ungehemmt weiter.

Drittens lässt sich die Entleerung ostdeutscher Städte mit allgemeinen demografischen Tendenzen oder dem extremen Geburtenknick nach der Wende nur ungenügend begründen.

Dieser – der eigentliche demografische – Entvölkerungsschub kommt überhaupt erst noch auf uns zu. Die Krise der ostdeutschen Städte sollte als ökonomisch bedingtes Transformationsmuster erkannt sowie als mögliches Signal für das Ende einer Epoche interpretiert werden. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die industrielle Revolution wahre Völkerwanderungen auf die Suche nach Arbeit kreuz und quer durch Europa geschickt. Um das neu entstehende Proletariat zu behausen, waren zahllose Städte aus ihrer mittelalterlichen Beschränktheit gerissen und den neuen Produktions- und Konsumbedürfnissen angepasst worden.

Nun haben, jedenfalls in Mitteleuropa, die auf Industriearbeit ausgerichteten Lebenswelten ihre Schuldigkeit getan, was ihre neuerliche Verwandlung mit Sicherheit erwarten lässt. Während es in Überlegungen zur Gestaltung zukünftiger Wirtschafts- und Gesellschaftsformen fast ausschließlich um die Gewinner und ihre räumlichen Bedürfnisse geht, gilt den Verlierern selten die nötige Aufmerksamkeit. Genau diese sind es jetzt aber, die durch massenhafte individuelle Anpassung (d.h. Auswanderung) eine neuerliche Umkrempelung geografisch - räumlicher Verhältnisse bewirken.

In einigen Regionen Ostdeutschlands könnte dieser Prozess demnächst zu einem deutlichen Wandel in der Raumstruktur führen, einschließlich der Auflassung ganzer Stadtteile oder der Absiedlung bestimmter Landstriche. Mehr als 1,1 Millionen Menschen sind zwischen 1990 und 2000 aus dem Osten weggezogen. Worst-Case- Szenarien rechnen inzwischen für Ostdeutschland mit 8,6 Millionen Einwohnern im Jahr 2050, was in etwa auf eine Halbierung der Bevölkerung seit 1990 hinausliefe und damit auf ein vollkommen anderes Land als das uns bisher vertraute.

Schon jetzt laufen einige ländliche Regionen regelrecht leer, geradezu dramatisch in der Uckermark, in Vorpommern, in der Altmark und der Lausitz.

In diesen traditionell dünn besiedelten Landstrichen war zu DDR-Zeiten mit Industrieansiedlungen (Schwedt, Stendal, Eisenhüttenstadt, Schwarze Pumpe) und hochtechnisierter Agrarwirtschaft massive Strukturförderung betrieben worden. Nun stellt ein sich selbst überlassener Markt den Status quo ante wieder her: die im vorindustriellen Schattendasein dahindämmernde Arme-Leute-Gegend.

Für viele der erst unlängst aus dem Boden gestampften Industrie-Wohnstädte wird dies vor allem eines bedeuten: Sie sind schlicht überflüssig geworden. Der Sprung in die Marktwirtschaft hat den ehemaligen Industriestaat DDR zum Testgelände für eine Zukunft jenseits der herkömmlichen Arbeit gemacht. Nie zuvor war im Westen ein Strukturwandel dermaßen ungeschützt dem Selbstlauf überlassen worden. Der nachhaltig abgefederte Niedergang des „alten” Ruhrgebiets ist mit der kollapsartigen Preisgabe der gesamten ostdeutschen Industrie in keiner Weise zu vergleichen. So stehen wir vor den Auswirkungen eines ökonomischen Wendemanövers, das sich nicht als Strukturwandel, sondern als rapider Strukturbruch vollzog und im Osten Deutschlands deshalb keine postindustrielle (wie im Westen), sondern eine deindustrialisierte Landschaft hervorgebracht hat.

Für die davon Betroffenen macht das einen entscheidenden Unterschied: Sie haben keinen Modernisierungsschub zu verkraften, also individuelle Neuorientierungs- oderAnpassungsprobleme zu lösen, sondern sie kämpfen, einzeln wie kollektiv, ums Überleben – weniger materiell-finanziell (das zunehmend auch) als im Sinne einer täglich neu zu findenden Rechtfertigung: Warum soll man als aktiver, mobiler und ehrgeiziger Mensch in einer Region bleiben, die sich dauerhaft auf eine Arbeitslosigkeit von 25 Prozent und mehr eingerichtet hat?

In der die Bahn erst einzelne Bahnhöfe, dann ganze Strecken stilllegt, wo Sparkassen und Postfilialen reihenweise schließen, wo Ärzte und Schulen nur noch in der Kreisstadt zu finden sind, der Einzelhandel zum Erliegen kommt und schließlich die letzte Kneipe aufgibt. Wenn dann die Tankstelle als Zuflucht aller Alltagsbedürfnisse übrig bleibt, ist es normal, dass früher oder später alle vom Davonfahren, vom Abhauen träumen.

„Das ist wie vor ’89”, hört man inzwischen immer öfter, „jetzt gehen alle, die noch was bewirken könnten. Keiner will der Letzte sein, der am Ende das Licht ausmacht.”

Rückbaukultur

Um die bei solch beispiellosen Umbrüchen auftretenden massenhaften individuellen Verunsicherungen aufzufangen, sind neben planerischen und sozialen vor allem kulturelle Strategien gefragt, unter Stichwörtern wie Entschleunigung, Entdichtung, Verkleinerung, Vorläufigkeit, Abschied.

Solch notwendigem Leitbildwandel stand bislang entgegen, dass auf Wachstum gegründete Gesellschaften Begriffe wie Schrumpfung oder Rückzug einem Tabu unterwerfen. Doch gemessen an den fundamentalen Umbrüchen zu Beginn des Industriezeitalters darf an dessen Ende eine neuerliche Infragestellung aller vertrauten Verhältnisse weder verwundern noch beirren. Im Gegenteil: Die Krise der ostdeutschen Städte sollte ein weiterer Anlass sein, über vernünftige Rückzugsstrategien aus dem Paradigma unaufhörlichen Wachstums nachzudenken. Im Vergleich dazu stecken die offiziösen Architekturdiskurse noch tief im „alten Denken”, d.h., sie sind unverdrossen mit der ästhetischen Bewältigung vermeintlich weiterhin florierender Zuwächse befasst.

Doch wenn Baukultur etwas mit der kulturellen Bewältigung konkreter Lebensprobleme zu tun hat, dann dürfte das zentrale Thema der aktuellen Baukultur-Debatte für die Neuen Länder ein möglichst reibungsarmer Leitbildwandel sein: weg vom expansiven, hin zum tatsächlich nachhaltigen Entwicklungsmodell.

„Einen Rückzug in Anstand und Würde ermöglichen”, war schon früh die radikalste Option formuliert worden – wohl nicht zufällig von massiv betroffenen Wohnungspolitikern in Hoyerswerda. Dazu werden derzeit an verschiedenen Orten Erfahrungen mit sozialen Dynamiken im Verlauf von Rückbauprozessen gesammelt. „Niemand weiß mit Sicherheit, wie es gelingen kann, den Schrumpfungsprozess so zu gestalten, dass ein funktionierendes und lebenswertes Gemeinwesen am Ende dieses Prozesses steht – es fehlt das Erfahrungswissen”, konstatiert eine Soziologin, die seit Jahren den Rückbau von Schwedt begleitet.

„Mut oder Sicherheit sind in einer Wachstumsgesellschaft zu Hause, nicht dort, wo es um Rückzug geht. [Hier] heißt es oft Abschied nehmen von Nachbarn und Kindern, da kehrt Unsicherheit ein, wie es weitergeht, auch Wut und Verzweiflung, ob all das nicht hätte anders kommen können und ob die Entscheidungsträger auch das Richtige tun. [...]

Niemand kann absehen, was in Jugendlichen vorgeht, deren Schule in einigen Jahren nicht mehr existiert, die in einer Wohnung wohnen, die es bald nicht mehr geben wird.” 1 Spätestens im Angesicht solcher realen Vorgänge wird klar, dass die eigentlich gravierenden Probleme erst auftauchen, wenn die wohnungswirtschaftlichen und abrisstechnologischen Fragen geklärt sind. Um einen „Rückzug in Anstand und Würde” zu bewerkstelligen, sind über ein behutsames Umzugsmanagement hinaus dezidiert kulturelle Strategien zu entwickeln: Partizipation, denn die betroffenen Menschen müssen begreifen, was und wie ihnen geschieht, welche Chancen Experten ihrem Gemeinwesen noch geben, welche Optionen jeweils welche Risiken bergen. Schrumpfungsszenarien müssen Stadtgespräch sein. Pioniergeist, denn Rückzugsprozesse sind mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden, die im Bewusstsein einer freiwillig akzeptierten und mit entsprechendem Sozialprestige honorierten „Bewährungssituation” leichter zu verkraften sind. Rituale, denn in Zeiten des Wachstums gehörten Kräne, Baustellen, Richtfeste und Einweihungsfeiern zur heimatbildenden Sozialisation.

In Schrumpfstädten erleben Bewohner den entgegengesetzten Prozess – leere Fensterhöhlen, vermauerte Erdgeschosse, einbrechende Dachstühle, Vandalismus, ruderale Verwilderung. Wer nicht rechtzeitig das Weite sucht, sieht nach und nach alle vertrauten Orte der eigenen Biografie verschwinden. Solche unvermeidlichen Verluste müssen verarbeitet werden – durch künstlerische, theatralische Aktionen oder andere Zusammenkünfte, die den Betroffenen signalisieren, dass ihre Lebenszeit in und mit diesen „Gehäusen“ nicht „umsonst und folgenlos” war. Spektakel, denn „der Abriss von Gebäuden ist ein Ereignis, das seit jeher Schaulustige anzieht. Warum kann dieser spektakuläre Vorgang nicht auch einmal als Event gestaltet werden: moderiert, mit Interview des Sprengmeisters und technischen Erläuterungen, abends, unter dramatischer Beleuchtung, mit Musik, Bier und Würstchen? Oder gibt es sogar den ersten Schlag mit er Abrissbirne zu gewinnen?

Wenn in Berlin Baustellen und Sehenswürdigkeiten inklusive Eintrittsgelderhebung werden konnten, warum nicht erst recht die noch viel aufregenderen Abrisse in Schwedt oder Hoyerswerda?”2

Noch mehr wird allerdings von der geeigneten Disposition der Akteure abhängen. Wenn es keine medientauglichen Events, keine kapriziösen Formwunder, keine Höhen-, Tempo- oder sonstigen Rekorde mehr zu vermelden gibt, wenn die Stars der Szene sich also aus dem Staub gemacht haben, dann schlägt endlich die Stunde der Geduldigen.

Die Stunde für alle, die bereit sind, Neue Länder tatsächlich als Neuland zu denken, wo „Scouts und Pioniere im retardierenden Zukunftsland an den inneren Peripherien auf die 'Rückkehr der Wölfe' warten und bereit sind, die Auflassungsarbeiten im Interesse des Weltklimas auf das Gewissenhafteste zu übernehmen”. 3

Da die Region schon jetzt ihre Menschen in Davonziehende und Bleibende sortiert – ließe sich aus diesem Makel nicht ein Qualitätsmerkmal entwickeln? Zumindest die Qualität eines unvergleichlichen Flächenluxus: „Für extensive Räume gilt, dass Bodenwerte und Regelungsdichte niedriger sein können als in hochverdichteten Räumen. So können Freiräume und Milieus entstehen, die die Risikobereitschaft für das ideologiefreie Aufgreifen von Tabuthemen erlauben (z.B. Müllverarbeitung, Hanfanbau, Verschenken von Land etc.) und die attraktiv sind für Menschen mit alternativen Lebensentwürfen” 4, schreiben Inken Baller und Heinz Nagler von der BTU Cottbus.

Also tatsächliches Neuland im Sinne von New Territories als Landschaft der Kontemplationen, wo eine experimentierfreudige Minderheit sich den Zukunftsfragen am Ende des Industriezeitalters lebenspraktisch stellt – dabei im wohlverstandenen Eigeninteresse vom mehrheitlichen Rest nach Kräften unterstützt: Stilllegungsprämie!

Kein Bauer hat moralischen Verruf zu fürchten, der nach übergeordnetem Entscheid und für gutes Geld seinen Acker nicht bestellt. Also eine Transfergesellschaft als Paralleluniversum?

Eine solche über Millionen Menschen verhängte „Laborsituation” haben wir längst – würde sie nicht weiter zu Lasten sozialer Netze bloß vertuscht, könnte sie vielleicht gesamtgesellschaftlich Nutzen stiften. Und so würde am Ende der Abschied von einer Epoche noch die Wendung ins Positive finden: die von der Industrie hinterlassenen Ländereien als Paradiese für Gärtner und Träumer, für Leute, die dort etwas Neues sehen, wo für andere bloß etwas verschwunden ist. Für die Kundschafter einer völlig neuen Lebensweise.

Wäre das keine ehrenwerte und tragfähige Vision?

Nachsatz

An diesem Text arbeite ich mich seit vielen Monaten in den verschiedensten Variationen und vor den unterschiedlichsten Auditorien ab. Die Erfahrungen mit dem unablässigen Work in Progress sind allenfalls ernüchternd zu nennen.

Offenbar stellt die Provokation, die in dem Plädoyer für einen Leitbildwandel steckt, in unserer extrem beharrungsfreudigen Gesellschaft eine kaum überwindbare Schwelle dar. Interessanterweise (und letztlich zum Trost) sind es die jüngeren Jahrgänge, Studenten zumeist, die sich von der Aussicht auf Abenteuer in den New Territories noch am ehesten zu produktiver Neugier motivieren lassen.

Ältere Zuhörer, unter diesen vor allem Funktionsträger und „fachliche Experten”, sind nach meiner Erfahrung dagegen durchweg und geradezu reflexhaft auf Abwehr aller Argumente eingestellt, die das herrschende Paradigma infrage stellen. Noch krasser klafft unterschiedliche Wahrnehmungsbereitschaft zwischen „betroffenen Bürgern” und „lokalpolitischen Eliten” auseinander.

Während zum Beispiel der Bürgermeister einer der meist-betroffenen brandenburgischen Städte zum Ende meines Vortrags grußlos und hastig die Veranstaltung verließ, bedankten sich anschließend mehrere Zuhörer dafür, dass „endlich jemand den Bann gebrochen nd das Schweigen beendet habe, das auf der Stadt in Bezug auf ihre Schrumpfungskrise laste.”

Nach einem Vortragsabend in Hoyerswerda, bei dem wegen der bereits unübersehbaren Niedergangsszenarien für diese Stadt mit besonders heiklen Reaktionen des Publikums zu rechnen war, meldeten sich anschließend Stimmen, die zwar einräumten, von diesem Abend in eher bedrückter Stimmung entlassen worden zu sein, man andererseits nun aber wenigstens wisse, „was die Uhr geschlagen habe”, also den realen Zukunftsaussichten gefasster entgegen sehen könne und somit ein Stück aktiver Handlungssouveränität zurückgewonnen habe.

Aus der Vielzahl und Vielfalt solcher Begegnungen drängen sich mir folgende Schlussfolgerungen auf: Der erforderliche Paradigmenwechsel zum Abschied von der Wachstumswelt könnte wieder einmal zu einem Generationenprojekt werden, da in dem offenkundigen Unwillen respektive Unvermögen, diesen Schritt zu vollziehen, die „etablierten Alten” innerhalb der Gesellschaft eine eklatante Realitätsverweigerung an den Tag legen. Eine solche Zukunftsuntauglichkeit können die Nachwachsenden mit Blick auf ihre eigenen Lebenserwartungen und -aussichten nicht lange tolerieren.

Die oft beargwöhnten „einfachen Bürger” sind mit den Phänomenen der Schrumpfung innerhalb ihrer konkreten Lebenswelt häufig nicht nur besser vertraut als viele bestallte oder selbst ernannte Experten, sie halten die daraus resultierenden, zumeist wenig tröstlichen Zukunftsvorhersagen auch deutlich besser aus, als Politiker immer wieder befürchten.

Man sollte bei diesen Vorgängen nicht vergessen, dass es ja die konkreten Individuen sind, die mit ihren Lebensentscheidungen – Gehen oder Bleiben – den eigentlichen Ausschlag für die Schrumpfungsszenarien geben. Die „Bleibewilligen” haben natürlich ihre Entscheidung vor dem gleichen Problemhorizont getroffen wie die „Ausreiser”, sie haben also die allgemeine Situation auf der gleichen Abwägungsebene reflektiert und somit den gleichen, d.h. einen sehr hoch entwickelten und praxisgehärteten „Bewusstseinsstand”.

Da sich alle Beteiligten dieses großen gesellschaftlichen Umwälzungsprozesses noch weit im Vorfeld verlässlicher Erkenntnisse oder eindeutiger Handlungsempfehlungen befinden, ist vor allem anderen der große und allgemeine Erfahrungsaustausch möglichst vieler Betroffener vonnöten.

Was es unbedingt zu brechen gilt, ist der vielerorts noch immer verbreitete Irrtum, nur als Einzelner – als Bewohner einer bestimmten „vom Pech verfolgten” Stadt oder Region – von den Malaisen der Schrumpfung betroffen zu sein.

Sobald sich hinter den vereinzelten Niedergangserfahrungen ein allgemeineres gesellschaftliches Schicksal zu erkennen gibt, wird nicht nur die individuelle Widerstandskraft gestärkt, sondern es öffnen sich neue Möglichkeiten der Kommunikation und Assoziation unter Gleichbetroffenen.

Nichts wirkt verheerender als das Gefühl, in einem außer Kontrolle geratenen gesellschaftlichen Wendeprozess ohne Orientierung, vor allem jedoch allein gelassen zu sein.

Anmerkungen/Literatur

1 Beer, Ingeborg: Wohnen und Leben im Leerstand. In: Initial – Berliner Debatte. Nr. 2/2002

2 Schröer, Achim: Stadtumbau und Spaß dabei. In: planungsrundschau, Nr. 5/2000.

3 Hain, Simone, zitiert in: Wolfgang Engler, Wolfgang Kil: Überflüssige Städte? Schrumpfung als gesellschaftlicher Prozess und kulturelle Herausforderung. Ein Tagungskonzept (unveröffentlicht) 2001.

4 Baller, Inken, Nagler, Heinz : Ausblick. In: Neue Medien – Der Raum und die Grenzen. Städtebauliches Modellkonzept und Ideenwettbewerb 1998/99 für die Region Niederlausitz. Dokumentation, Hg: Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI, o.O. 2000.

 

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Leerstand, Cottbus Foto: Wolfgang Kil

Leerstand, Cottbus
Foto: Wolfgang Kil