Rezensionen zu: Heimat verpflichtet

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Dienstag, 12. Februar 2013
Das Buch ist gelebte Geschichte! Anhand von zwölf, nach der Wende ins Land Brandenburg zurückgekehrten Adelsfamilien, wird ausschnittshaft ein aktuelles Porträt der einst führenden deutschen Gesellschaftsschicht gezeichnet. Die Familien kamen vor 20 Jahren als Aussteiger aus einem geordneten, von Wohlstand geprägten Leben. Sie verließen alte Bundesländer oder kamen aus dem Ausland, um mit "ein paar Steinen" an das Leben ihrer Ahnen hoffnungsvoll, wenngleich vorsichtig anzuknüpfen.

Einfühlsam berichtet Autorin Martina Schellhorn über jahrzehntelange Sehnsüchte und Heimaterinnerungen, über erste Besuche, nach Mauerfall und Wende, an den Orten der Kindheit und über neu definierte Lebenswege, zu denen die Begegnungen mit ehemaligen Familienschlössern und Gutshäusern führten.

Ein Gedanke besticht: alle Familien mussten unter schwierigen Umständen den enteigneten Besitz zurückkaufen und auf den Ruinen mit erheblichen finanziellen Belastungen neu anfangen. Geschenkt wurde ihnen nichts. Die Lebensgeschichten räumen mit Vorurteilen gegenüber dem Adel auf, verschweigen aber nicht fortbestehende Schwierigkeiten.

Das Bemühen um Ehrlichkeit macht die Lektüre sehr angenehm. Letztlich geben die Porträts Mut, noch bestehenden Denkmalruinen aufzukaufen und zu restaurieren. Heimat verpflichtet - jeden. Fotograf Oliver Mark untermalt die interessanten Texte mit poetischen Landschaftsfotos und Genreszenen der Familien. Es hätten ihrer durchaus noch mehr sein können, auch von allen Besitztümern, aber diese sind einer Ausstellung vorbehalten.

Eine Karte und ein (kunst-)historisches Glossar ergänzen sinnvoll das Werk. Das mehr als günstige Flexcover-Buch sollte benachbarte Bundesländer inspirieren, die Thematik aufzugreifen.

Rezension von Dr. Bettina de Cosnac in http://www.monumentum-nostrum.com/publications-publikationen-
.html


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