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Nationalsozialismus

1933 war das Jahr des Aufbruchs: schrittweise führte der Weg in die Diktatur. In Brandenburg erinnern zahlreiche Inititativen an den Niedergang der Demokratie vor 80 Jahren.

Tag von Potsdam, Rede Hitlers in der Garnisonkirche

Am frühen Nachmittag des 30. Januar 1933 wurde bekannt, dass Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte. Hitlers Anhänger marschierten noch am gleichen Abend mit einem Fackelzug durch Berlin. Als "Machtergreifung" wurde dieser Tag in der nationalsozialistischen Propaganda gefeiert.

In der Geschichte der Weimarer Republik schien 1933 zunächst kein besonderes Jahr zu sein: Auf drei gescheiterte Regierungen war eine vierte gefolgt - das Kabinett Hitler. Staatsrechtlich hatte der Vorgang keine außergewöhnliche Bedeutung. Die Weimarer Reichsverfassung sah besondere Befugnisse des Reichspräsidenten unter Ausschluss des Parlaments vor. Insofern bewegte sich die Ernennung innerhalb der Grenzen des Rechtsstaats. Ein Diktator war Hitler zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Propagandaapparat der NSDAP unter Joseph Goebbels arbeitete indessen schon zielgerichtet an der Inszenierung des "Führers". Am 21. März 1933 wurde in Potsdam der erste Reichstag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten eröffnet. Ganz bewusst wurde die Stadt als Traditionsort preußischer Geschichte für die feierliche Konstituierung ausgewählt.

Die Verabschiedung des so genannten Ermächtigungsgesetzes durch den Reichstag am 23. März 1933 stellte dann auch realpolitisch entscheidende Weichen auf dem Weg in die Diktatur: Das Parlament war praktisch ausgeschaltet.

Bücherverbrennung 1933 in DeutschlandDamit war der Weg frei zur Entdemokratisierung der Gesellschaft. Ein neues Wort wurde erfunden - Gleichschaltung. Eine Umschreibung für die Entfernung von Ministern, Beamten und Abgeordneten in den deutschen Ländern, die noch nicht unter nationalsozialistischer Herrschaft standen. An ihre Stelle setzten die Nationalsozialisten eigene "Reichsstatthalter". Ebenso Gewerkschaften, Kirchen, Vereine, Jugendorganisationen, die Medien - schrittweise wurden auch sie gleichgeschaltet.

1933 war ein Jahr der offenen Gewalt und des Terrors: Politische Gegner - zuerst Kommunisten und Sozialdemokraten - wurden ins Gefängnis oder in Konzentrationslager gesteckt. Im April rief die NSDAP zum Boykott jüdischer Geschäfte auf, im Mai brannten unliebsame Bücher, im Juli 1933 war die NSDAP die einzige zugelassene Partei in Deutschland.

Wer konnte, floh aus Deutschland: kritische Künstler, Autoren, Wissenschaftler, linke und liberale Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre.

Zugleich wurde ein anderer Begriff praktisch zur Staatsdoktrin erhoben: Antisemitismus. Was mit der Verdrängung der deutschen Juden aus der Gesellschaft begann - das erste Gesetz wurde am 7. April 1933 erlassen und verbot Juden, im öffentlichen Dienst zu arbeiten - endete im Völkermord. Dem Holocaust fielen 6 Millionen Juden aus ganz Europa zum Opfer.

Zum Weiterlesen:
Wolfgang Benz
Das Jahr 1933
Der Weg zur Hitler-Diktatur

1933 war das Jahr des Aufbruchs, so der renommierte Historiker Wolfgang Benz. In ihm waren alle Entwicklungen des nationalsozialistischen Regimes angelegt.

2013 erinnern in Brandenburg zahlreiche Inititativen an den Niedergang der Demokratie vor 80 Jahren. Für Brandenburgerinnen und Brandenburger gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich zu beteiligen - sei es als Besucher von Veranstaltungen, als Zeitzeuge oder als Bürger, der sich in seinem Heimatort auf Quellensuche begibt.

 

Landeszentrale, Januar 2013

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Kommentare

"Aufbruch"

Für mich ist "Aufbruch" ein positiv besetztes Wort. Ich halte es daher für die Charakterisierung von 1933 für verfehlt, auch wenn ein heutiger Historiker es (fälschlich) so verwendet hat.

Im Text der Landeszentrale ist 1933 völlig richtig benannt:  "1933 war ein Jahr der offenen Gewalt und des Terrors".

Im Sinne der politischen Bildung hätte ich mir im Text ein Wort zur Rolle bestimmter Kreise der Wirtschaft bei der "Hilfe" zur Machtergreifung gewünscht. Das gehört auch zur historischen Wahrheit.

 

 

 

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