Leichte Sprache

Barbara Henniger

Ein Grußwort
Im Austausch wächst das Verständnis für die Intentionen des anderen, da wird der flache brandenburgische Horizont ein Stück weiter. Und: Man geht immer ein bisschen schlauer wieder raus aus Nummer 107 als man gekommen ist. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen fröhlicher.
Barbara Henniger

Wie nähert man sich einer Institution wie der Landeszentrale für politische Bildung? Über die Friedhofsgasse!  Aber wir lassen den Ort der ewigen Ruhe links liegen und gehen voran. Und siehe! Da grüßt uns zur rechten das flatternde Banner und lässt vermuten, dass wieder mal was los ist in der Villa.

Ich komme seit etlichen Jahren in dieses Haus und bin immer gern hier. Inzwischen  fühle ich mich heimisch in der  freundlich-sachlichen Atmosphäre des Ortes und bei Ihnen, meine Damen. Und da ich – wie heute auch – bei meinen Besuchen immer auch alte Bekannte wiedersehe, gehe ich davon aus, dass auch sie gern hierher kommen.

Was macht den besonderen Charme des Hauses aus? Ein freundlicher Gruß beim Eintritt und schon hat man das Gefühl, willkommen zu sein, ein gern gesehener Gast. Man schaut sich um  und spürt Kompetenz, Professionalität und Engagement. Weibertugenden eben! Hier wird nichts dem Zufall überlassen, Veranstaltungen und  Ausstellungen sind sorgfältig konzipiert und korrekt durchgeplant bis hin zu den Keksen auf dem kleinen Büffet. 

Man spürt: Da haben sich Leute Gedanken gemacht, wie man etwas am besten präsentiert. Ich denke, die Investition an Zeit, Anstrengung und Ideen haben sich gelohnt. In meinem Gedächtnis habe ich  so manchen Veranstaltungsabend gespeichert, der so kurzweilig war, dass er für eine, die noch nach Strausberg zurück musste, beinahe zu lang geworden wäre. Dafür muss endlich mal Dank gesagt werden! Danke!

Die Nummer 107 in der Heinrich-Mann-Allee  ist auch ein Ort des Austauschs: Ideenaustausch, Gedankenaustausch, Meinungsaustausch, Adressenaustausch. Ja, auch das. Denn man sieht nicht nur vertraute Gesichter; wer neugierig genug ist, kann neue Leute kennen lernen. Was ja im anonymisierenden Elektronikzeitalter, wo jeder mit seiner Mattscheibe allein ist, nicht immer so einfach ist. Militär trifft Zivilist, Musiker trifft Fotograf, Karikaturist Ost trifft Karikaturist West (oder umgekehrt?). Neulich: Jakobsmuschel trifft Blutwurst.

Im Austausch wächst das Verständnis für  die Intentionen des anderen, da wird der flache brandenburgische Horizont ein Stück weiter. Und: Man geht immer ein bisschen schlauer wieder raus aus Nummer 107 als man gekommen ist. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen fröhlicher. Denn in diesem Hause darf gedacht und gelacht werden. Wenn auch weniger mit dem Bauch als mit dem Kopf!   

Barbara Henniger

Und darüber sind vor allem die Karikaturisten froh! Hier werden sie nämlich ernst – nein, passt nicht, ich sage mal lieber: Sie werden für voll genommen. Hier sind sie nicht die Deppen, die für Klamauk sorgen sollen und schlimmstenfalls  im Spaßteil der Medien die spitze Feder angedichtet kriegen. Hier sind wir Partner. Da heißt es auch nicht: „Schickense mal n’paar Dateien rüber für ‚ne Ausstellung!“. Hier macht sich die Kuratorin, wenn’s sein muss,  höchstselbst auf die Socken, im Kopf ein klares Konzept. Sie geht in die Ateliers und guckt den Zeichnern in die Mappen, wählt gezielt aus und schaut auch noch – wo gibt es denn DAS noch! – auf künstlerische Qualität!

Ich denke mal, ich kann auch für meine Kollegen sprechen, wenn ich sage: An diesen Wänden können wir uns gut aufgehoben fühlen. Die erste Ausstellung, an der ich zusammen mit Klaus Stuttmann beteiligt war, hieß „Wendepunkte“. Das war 1999, zehn Jahre nach dem Mauerfall. Seither fühle ich mich eingebunden in eine gewisse Kontinuität, die einmal im Jahr der gezeichneten Satire Raum gibt. Demnächst wieder: „Trau keinem unter 60“ Karikaturen über die alternde Gesellschaft – und dazu gehört ja nun jeder.

Ich habe erlebt, dass Karikaturisten das Rauchen oder das Saufen aufgegeben haben, aber politische Abstinenz hat keiner geschafft, dem es ernst ist mit seinem Job, Sie können nicht anders als sich zu den täglichen Katastrophen ihre Gedanken zu  machen und die kurz gefasst und pointiert  zu Papier zu bringen. Mit diesen Ambitionen sehen wir uns  hier verstanden.

Wir bilden uns nicht ein, mit einer Zeichnung die Welt  zu retten, aber es wäre schon ein schöner Erfolg, wenn es gelänge, bei dem einen oder anderen im Kopf das Licht anzuknipsen, so dass er / sie künftig darauf verzichten kann, sich seine / ihre Meinung von anderen bilden zu lassen. Da ziehen wir mit Ihnen, meine Damen und Herren von der Landeszentrale an einem Strang. Lassen Sie nicht locker!

Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren politischer Bildung und herzlichen Dank.

Barbara Henniger

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