Geschichte
Afghanistan war seit der Antike ein Schlachtfeld, an dessen Eroberung alle Großmächte der Geschichte gescheitert sind. Deshalb nennt man Afghanistan auch den „Graveyard of the empires" (Friedhof der Großmächte) und ein asiatisches Sprichwort heißt: „Wenn Gott eine Nation bestrafen will, dann lässt er sie in Afghanistan einmarschieren“.
Alexander der Große versuchte das Gebiet des heutigen Afghanistans, welches seit etwa 500 v. Chr. zum Perserreiches gehörte, im Jahr 329/28 v. Chr. zu erobern, aber er verstrickte sich in kleine blutige Scharmützel und eine Herrschaft bzw. vollständige Kontrolle über die Satrapie konnte er nicht erringen. Im 19. Jahrhundert geriet Afghanistan in den großen Konflikt zwischen dem britischen und russischen Weltreich um die Vorherrschaft in Zentralasien, welcher als „The Great Game“ bezeichnet wird. Großbritannien kam zwar einer russischen Eroberung zuvor, konnte die Kontrolle über Afghanistan aber jeweils nur kurzzeitig erringen und zerrieb sich in drei Anglo-Afghanischen Kriegen, die bis ins 20. Jahrhundert hinein dauerten.
Nach dem Ende des dritten Anglo-Afghanischen Krieges im Jahr 1919 erlangte Afghanistan seine Unabhängigkeit durch den Vertrag von Rawalpindi. Die Kriege gegen und die Bedrohung durch das Russische Zarenreich und die britische Krone waren das Mittel, wodurch sich die verschiedenen (und teilweise verfeindeten), in der afghanischen Region lebenden Stämme und Völker erstmals verbündeten und einen afghanischen König als Herrscher anerkannten. Die Monarchie wurde aber 1973, als sich der damalige König auf einem Kururlaub in Italien befand, gestützt und durch eine Republik ersetzt. In dieser putschten sich 1978 wiederum kommunistische Kräfte an die Macht und es kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen ihnen und islamischen Kräften im Land.
Die islamischen Kräfte hatten die Unterstützung eines Großteils der Bevölkerung und bedrohten die Herrschaft der Kommunisten ernsthaft, woraufhin im Dezember 1979 sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschierten, um die kommunistische Regierung zu unterstützen. Dies führte zu einem starken Widerstand der afghanischen Bevölkerung gegen die sowjetischen Besatzer. Der Widerstand, der sich vor allem aus islamistischen Guerilla-Truppen zusammensetzte, wurde von den USA bzw. dem amerikanischen Geheimdienst CIA und einigen muslimischen Staaten mit Waffen und Geld unterstützt. Durch diese Unterstützung und den sich daraus ergebenden starken Widerstand zog sich die Sowjetunion 1989 wieder aus Afghanistan zurück.
Die siegreichen Widerstandsgruppen begannen sich in den 1990er Jahren in einem blutigen Bürgerkrieg zu bekämpfen, indem die radikal-islamistischen Taliban, mit der Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes, die Oberhand gewannen und den Großteil von Afghanistan kontrollierten. Unter der Herrschaft dieser Anhänger eines „Steinzeit-Islam“ wurden Frauen und Mädchen systematisch diskriminiert, westlicher Lebensstil verboten und eine ideologisch verblendete Auslegung des Islams als Herrschaftsgrundlage missbraucht.
International isoliert, von seinen ehemaligen Unterstützern aus den Reihen des amerikanischen CIA fallen gelassen und bekannt für die Unkontrollierbarkeit des unwegsamen Landes, wurde Afghanistan ein Unterschlupf für internationale Terrorgruppen, wie al-Qaida, die sogar eine Infrastruktur von Terrortrainingslagern aufbauen konnte. In diesen Lagern wurden auch die Attentäter des 11. September 2001 ausgebildet, welche durch ihre brutalen unmenschlichen Taten die Welt für immer veränderten. Als Antwort auf die Terroranschläge vom „11. September“ begannen die USA mit ihren Verbündeten am 7. Oktober 2001 mit der Bombardierung Afghanistans.
Durch die materielle und technologische Überlegenheit der USA und mit Unterstützung der afghanischen „Nordallianz“, welche gegen die Taliban während deren Herrschaft gekämpft hatten, wurde noch vor dem Jahresende 2001 Afghanistan vollkommen erobert und die Taliban zogen sich ins Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan zurück, um von dort aus einen Guerillakampf gegen die in ihren Augen neuen Besetzer Afghanistans zu beginnen. Am 20. Dezember 2001 beschloss der UN-Sicherheitsrat eine Internationale Schutztruppe für Afghanistan, die „ISAF“, ins Leben zu rufen und die neue provisorische Regierung unter Hamid Karzai beim Wiederaufbau Afghanistans zu unterstützen. Der Deutsche Bundestag beschloss zwei Tage später die Entsendung von deutschen Soldaten nach Afghanistan, um die UN bei diesem Ziel zu helfen.
Quellen und Links:
- Bundesregierung (2010)
Interaktive Grafik: Der deutsche Einsatz in Afghanistan (Textversion)
zuletzt abgerufen am 18.08.2010
- Bundeswehr (2010)
Chronologie des Einsatzes in Afghanistan (ISAF)
zuletzt abgerufen am 24.8.2010
- Chiari, Bernhard (2009) (Hrsg.)
Wegweiser zur Geschichte Afghanistan
(3., durchgesehene und erweiterte Auflage). Paderborn: Ferdinand Schöningh.
zuletzt abgerufen am 19.08.2010
- Frankfurter Rundschau Online (2010)
Die Gefallenen – eine traurige Liste
zuletzt abgerufen am 24.08.2010
- Independent Election Commission of Afghanistan (2010)
zuletzt abgerufen am 23.08.2010
- SPIEGEL ONLINE (2010)
Afghanistans Geschichte
zuletzt abgerufen am 24.08.2010
- Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Afghanistan (AGA) (2005)
Zeittafel Afghanistan 1973-2005
zuletzt abgerufen am 18.08.2010

