Wirtschaft und Tourismus
Die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen waren von einer Reihe negativer Faktoren bestimmt. Veraltete Produktionskapazitäten, niedrige Arbeitsproduktivität und Strukturdefizite trafen besonders jene Regionen, in denen arbeitsintensive Wirtschaftszweige vorherrschten: der Kohlebergbau, der noch 1991 mehr als ein Viertel der gesamten nicht-landschaftlichen Produktion ausmachte, und vor allem die Landwirtschaft. Die Umstellung von Plan- auf Marktwirtschaft wurde zusätzlich erschwert, weil sie mit globalen Strukturveränderungen und dem Ausfall traditioneller Wirtschaftsbeziehungen zu Osteuropa zusammenfiel. Schwach entwickelt war die Schwerindustrie.
Was lange Zeit als nachteilig erschien, erwies sich aktuell als vorteilhaft. Weil die Brandenburger Wirtschaft weniger exportorientiert und von mittelständischen Unternehmen geprägt ist, ist sie gegenüber internationalen Konjunkturschwankungen weniger anfällig.
Spezifisch für Brandenburg sind die sehr großen Unterschiede hinsichtlich Wirtschaftskraft und sozialer Lage zwischen dem „Speckgürtel“ um Berlin und der Peripherie. In einem aktuellen Vergleich der Wirtschaftskraft aller deutschen Kreise und Kreisfreien Städte rangieren sieben Berlin-ferne Brandenburger Kreise unter den letzten 25. Die Landesregierung stellte sich auf all diese Gegebenheiten ein. Ihre Wirtschaftspolitik galt sowohl der Erhaltung industrieller Kerne als auch der Unterstützung von Neugründungen. Der „Brandenburger Weg“ in der Landwirtschaft ließ den Bauern die freie Entscheidung darüber, ob sie in den aus LPG hervorgegangenen Großbetrieben weiterarbeiten wollten.
Wirtschaftliche Förderung erfuhren später insbesondere jene Regionen, in denen Investitionen effektiv erschienen. Diese Förderkonzentration hat zur Folge, dass sich unter den zehn deutschen Regionen mit den stärksten Zuwanderungsgewinnen vier Brandenburger Kreise befinden, die allesamt an Berlin grenzen. Andererseits sind Regionen abseits der Bundeshauptstadt von erheblichen Bevölkerungsverlusten betroffen; viele Schulen mussten bereits geschlossen werden.
„Neue Perspektiven entdecken“ lautet die Devise, mit der die Landesregierung seit langem den wirtschaftlichen Herausforderungen begegnet. Zwar hat sich bei einigen der neuen Ideen nicht der erhoffte Erfolg eingestellt: dazu gehörten z. B. eine Chip-Fabrik in Frankfurt/Oder oder der inzwischen zum „Tropical Island“ umfunktionierte „Cargo-Lifter“.Andere zukunftsorientierte Branchen hingegen werden kontinuierlich ausgebaut. Dazu gehören die Biotechnologie oder erneuerbare Energie. In der Lieberoser Heide entsteht das derzeit größte Solarkraftwerk Europas.
Als Wirtschaftszweig gewinnt auch der Fremdenverkehr an Bedeutung. Brandenburg favorisiert einen naturverbundenen Tourismus. Wirtschaftliche Entwicklungen stehen in Brandenburg unter dem von der Landesverfassung gebotenem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Schon ein Jahrzehnt nach der Bildung des Landes gehörte fast ein Drittel seines Territoriums zu Landschaftsschutz- und etwa 5 % zu Naturschutzgebieten. Mit dem grenzüberschreitenden Nationalpark Unteres Odertal, dem Spreewald oder dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin brachte Brandenburg wertvolles Gut in das vereinte Deutschland ein.



