Leichte Sprache

Ideologie

Zwischen Tradition und Moderne: Die rechte Szene hat sich verändert und mit ihr auch das Weltbild, das sie in der Öffentlichkeit vertritt. Oft erst auf den zweiten Blick ist der antidemokratische Kern ihrer Ideologie erkennbar.
Neonaziaufmarsch am 1. Mai 2012 in Neubrandenburg

Rechtsextreme Ideologie, Ideen und Gedankenmuster zeigen sich auf ganz unterschiedliche Weise in der Öffentlichkeit. Da rufen NPD-Funktionäre ganz unverblümt zum Umsturz des "Projekts BRD" auf und drohen offen mit Gewalt, um Europa als "ein Land der weißen Rasse" zu sichern. Auf der anderen Seite distanziert sich die NPD öffentlich von Gewalt ebenso wie von der so genannten Zwickauer Terrorzelle (Nationalsozialistischer Untergrund/NSU).

Diese zwiespältige Beobachtung gilt nicht nur für Deutschland. In ganz Europa stellen wissenschaftliche Studien das Nebeneinanderbestehen einer traditionellen und einer modernisierten extremen Rechten fest. 

Während die traditionelle Rechte noch offen die Demokratie ablehnt, bedient sich die modernisierte Variante demokratischer Mittel, um ihre Ideologie zu verbreiten. Etwa, wenn direktdemokratische Formen wie Bürgerbeteiligung und Volksbegehren für politische Kampagnen um Religionsfragen, die Rechte von Minderheiten, den Umgang mit Straftätern, etc. genutzt werden.

Diese auch als Rechtspopulismus bezeichnete Taktik kann gefährlich werden, denn sie dient als Türöffner für rechtsextreme Gesellschaftsvorstellungen. Das hat auch die moderne extreme Rechte erkannt und wendet sich deshalb zunehmend an die liberal-demokratisch orientierten Mittelschichten der Gesellschaft.
 

Unterschiede zwischen traditioneller und modernisierter extremer Rechter

Traditionelle extreme Rechte Modernisierte extreme Rechte
Positiver Bezug auf den Faschismus Proklamierte Abkehr vom Faschismus
Offene Ablehnung der Demokratie Taktische Befürwortung der "direkten Demokratie-
Proklamierter Systemsturz Transformation der Demokratie nach rechts
Völkischer Rassismus, Antisemitismus Kulturalisierung und religiöse Verklausulierung des Rassismus; Abkehr vom offenen Antisemitismus
Feindbilder: Juden, Ausländer, Linke, Europaische Union Feindbilder: Muslime, Multikulturalismus, linke Hegemonie ("political correctness"), EU-Bürokratie
Bezugspunkte: Rasse, Nation, Europa der Volker Bezugspunkte: Tradition, Kultur, Region, Heimat

 

Quelle: Alexander Häusler, Feindbild Moslem: Türöffner von Rechtsaußen hinein in die Mitte?, in: Gideon Botsch, u.a. (Hrsg.), Islamophobie und Antisemitismus - ein umstrittener Vergleich, Berlin/Boston 2012, S. 175. 

 

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