Nationalsozialismus

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Am einfachsten und zugleich zutreffendsten ist der Nationalsozialismus als Ideologie der NSDAP, der NationalSozialistischen Deutschen ArbeiterPartei zu charakterisieren. Die NSDAP wurde am 9.1.1919 vom Schlosser Anton Drexler (zunächst unter dem Namen Deutsche ArbeiterPartei, DAP) gegründet und war zu dieser Zeit eine von mehreren Protestsekten aus dem völkisch-antisemitischen Milieu der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918).

Damals begann der Irrationalismus (d.h. die Verstandes- und Vernunftfeindschaft), der schon seit der Jahrhundertwende immer populärer wurde, zum ersten Mal größere Anziehungskraft auszuüben. Ein radikaler Antisemitismus war diesem Irrationalismus in all seinen Ausprägungen gemein. Ihm zufolge wäre es das "Internationale Judentum" gewesen, dass Deutschland auf geheimnisvollen Wegen um den Sieg im Ersten Weltkrieg gebracht hätte: Sei es dadurch, dass "die Juden" die Westmächte finanziell unterstützt hätten, sei es dadurch, dass sie den "Wehrwillen" der Deutschen durch "revolutionäre" und "bolschewistische" Umtriebe zersetzt hätten (zur widersinnigen Vorstellung, dass die einander feindlich gegenüberstehenden Einrichtungen des "Weltkapitalismus" und des "Weltbolschewismus" beide zugleich eine "jüdische Erfindung" seien, siehe Antisemitismus).

Im Gedankensystem der antisemitischen Esoteriker wurde das "Judentum" für alle Krisen und Probleme der Moderne, überhaupt für alle von ihnen abgelehnten Errungenschaften der Zivilisation wie das Christentum oder die Tugend des Mitgefühls verantwortlich gemacht: Darüber hinaus glaubte man in diesem Milieu sogar, in einem Krieg der Rassen zu stehen, in der die Juden als alles verwässernde und zersetzende "Gegen-Rasse" einerseits und die eigentlich heidnischen Germanen/Deutsche als "Herren-Rasse" andererseits sich unversöhnlich gegenüberstünden.

Diese Zivilisationsfeindschaft, also der Wille, alle menschlichen Hemmungen und jede Form vernünftiger Begründung fürs eigene Handeln über Bord zu werfen, ist das tatsächliche Fundament, auf dem die Ideologie des Nationalsozialismus fußt und der Grund, warum diese Ideologie bis heute für entsprechende Charaktere attraktiv bleibt. Dem italienischen Faschismus war der Nationalsozialismus, der ja in der gleichen Zeit und in einer nicht unähnlichen gesellschaftlichen Situation entstand, in Grundzügen zwar ähnlich: in der antiwestlichen, antibürgerlichen und antikapitalistischen Rhetorik, in den antisemitischen Vorurteilen, im Führerprinzip wie dem Expansionsstreben, also dem Streben nach Unterwerfung von "Sklavenvölkern" (Hitler).

Was sie dennoch grundlegend unterscheidet, ist die quasi-religiöse Inbrunst und missionarische Entschlossenheit, mir der der Nationalsozialismus seine Wahn-Vorstellungen hegte und gegen alle Widerstände und wider alle Vernunft - und sei es bloß die der eigenen Machterhaltung - in die Tat umsetzte: Da es der NSDAP, deren Führung im September 1919 der berufslose Landstreicher Adolf Hitler übernommen hatte, stets sowohl um eine "radikale Lösung der Judenfrage" wie um die "Weltherrschaft der germanischen Rasse" ging, übertraf ihr zerstörungswütiger Fanatismus den jeder anderen faschistischen Partei bei weitem.

Es gibt noch einen weiteren wichtigen Unterschied, der zur vergleichslosen Radikalisierung der deutschen Variante des Faschismus beitrug. Mehr als andernorts übernahm in Deutschland der Nazi-Faschismus Wirtschafts-, Gesellschafts- und Geschichtsvorstellungen aus dem Umfeld der Arbeiterbewegung: Was dort an politischen Ansichten von Klasse, Klassenkampf und Staatswirtschaft herrschte, übersetzten Hitler und seine "Kampfgefährten" Strasser, Göring, Heß usw. in pseudo-biologische von Rasse, Rassenkampf (s. Rassismus).

Sie radikalisierten die Vorstellungen von sozialer Gleichheit zur Unmenschlichkeit, zur uniformierten Gleichförmigkeit der "Volksgemeinschaft" einerseits und äußersten Brutalität gegen Juden und "Minderwertige" andererseits: insbesondere in den eher proletarisch geprägten Milieus der parteieigenen Schlägertruppen, der SturmAbteilungen (SA), fand dies großen Anklang. Auch nach der Entmachtung der SA 1934 (s. u.) beherrschten die Vorstellungen eines "deutschen Sozialismus" das wirtschafts- und sozialpolitische Handeln der NS-Führungskaste. Konkret hieß das: Vielerlei Aufstiegsmöglichkeiten für die "Volksgenossen" im alles beherrschenden Parteiapparat bei totaler staatlicher Versorgung und individueller Entmündigung der "arischen" Bevölkerung; das ganze nahezu ausschließlich auf Kredit finanziert mit der Aussicht auf die Beute eines allumfassenden Raubkrieges (1938/39 stand Deutschland unmittelbar vor dem Staatsbankrott - also der Zahlungsunfähigkeit des Staates -, die deutsche Währung, die Reichsmark, vor einer heftigen Entwertung) und ideologisch ausgerichtet auf das Menschheitsverbrechen der Shoa.

Diese Mischung aus rassistischem Antisemitismus und völkischem "Sozialismus" prägte bereits das 25-Punkte-Programm der NSDAP vom 24.2.1920. Es war ein Agitationsleitfaden, der die niedrigsten Regungen der Zuhörer und irrationale Tatbereitschaft stimulieren sollte. Auf Putsch und Staatsstreich war die Strategie der NSDAP tatsächlich zunächst ausgerichtet: am 8.11.1923 probte Hitler in München den Aufstand und rief erfolglos die "nationale Diktatur" in Deutschland aus (so genannter "Hitlerputsch").

Hitler saß in der Folge ein Jahr Haft ab und machte sich dann an die Reorganisation der NSDAP in ihrer zukünftigen Form: Ungeteilte Macht des "Führers" (dokumentiert bspw. durch den zunächst parteiintern üblichen Gruß "Heil Hitler") und Gründung von Parteiunterorganisationen für alle Alterstufen und sozialen Profile. Weiterhin wurden die Pläne der Partei zur Erringung der Weltherrschaft und Ausrottung der Juden öffentlich gemacht (beispielsweise in Hitlers Machwerk "Mein Kampf" von 1924), allein die Strategie änderte sich in Richtung "Legalismus", also im Sinne einer taktische Anpassung an demokratische Gepflogenheiten bei gleichzeitiger Nutzung des terroristischen Potentials der SA - was die Polizei stillschweigend duldete. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise, errang die Partei um 1929 zunehmend bedrohlichere Mitgliederzuwächse und Wahlerfolge; sie konnte ihren Stimmenanteil von 1928 2,8% auf 18,3 % 1930 steigern; den höchsten je in freien Wahlen erzielten Wählerzuspruch erhielt sie 1932 mit 37,3 %; Hitler verlor jedoch im selben Jahr die Wahl zum Reichspräsidenten gegen Hindenburg, der sich daraufhin zunächst weigerte, Hitler als Führer der stärksten Partei zum Reichskanzler zu ernennen.

In dieser Situation half Hitler, dass er gegen das antibürgerliche Empfinden der Partei gute Kontakte zu republikfeindlichen Unternehmern unterhalten hatte: Diese Kreise drängten den greisen Monarchisten Hindenburg, Hitler doch mit der Regierungsbildung zu beauftragen (30.1.1933). Hitler und seine Partei sollten benutzt werden, um den geplanten Sparkurs, die auf Besserung der Exportchancen gerichtete Wirtschaftspolitik der unternehmernahen national-konservativen Parteien zu popularisieren: Es kam umgekehrt, Hitler benutzte die National-Konservativen seinerseits zur so genannten "Machtergreifung" (und schlug auch wirtschaftspolitisch einen komplett anderen Kurs ein: Verschuldung, Ausdehnung der Staatswirtschaft und als "Autarkie" bezeichnete Abkoppelung vom Weltmarkt mit den oben schon benannten katastrophalen Folgen).

Der Begriff "Machtergreifung" durch die NSDAP bezeichnet den im August 1934 im wesentlichen abgeschlossenen Prozess, in dem der demokratische Staat in eine Ein-Parteien-Diktatur verwandelt wurde und in dem sich der "Führer", ohne die Weimarer Verfassung formell abzuschaffen, der administrativen Organe des Staates, also Bürokratie, Polizei, Armee etc. bemächtigte. Zwar gab es in Hitlers Kabinett vom Januar 1933 nur drei NSDAP-Mitglieder, aber Reichskanzler Hitler, Reichs-Innenminister Frick und der Innenminister des Landes Preußen, Göring, nutzten ihre Macht konsequent, um insbesondere den paramilitärischen Arm der Nazi-Partei, die SchutzStaffeln, die SS also, mit polizeilichen (später auch militärischen und allgemeinen verwaltenden Befugnissen) auszustatten, ohne dass die SS deshalb unter staatlicher Weisungsbefugnis gestanden hätte: Das staatliche Gewaltmonopol war aufgebrochen zugunsten der Gewalttätigkeit der NSDAP.

Mit dieser faktischen Kontrolle über Polizei und die damals durch alliierte Auflagen beschränkte Reichswehr wurde der Reichstag von Oppositionellen "gesäubert", der Reichstagsbrand von 1933 inszeniert und ein "Ermächtigungsgesetz" beschlossen, das Hitler weit reichende Vollmachten ohne jegliche juristische oder parlamentarische Kontrolle einräumte, also den uneingeschränkten Diktatorenstatus zubilligte. Mit dessen Hilfe eröffnete die NSDAP-Führung die ersten Konzentrationslager, wo zunächst Oppositionelle interniert wurden, verbot Gewerkschaften und politische Parteien, trieb den Prozess der "Gleichschaltung" aller Institutionen vom Sportverein bis zur Lokalzeitung voran und ergriff die ersten antijüdischen Maßnahmen (siehe Shoa). Am Ende des Jahres 1933 wurde die NSDAP per Gesetz als "mit dem Staat unlösbar verbunden" definiert, die Gauleiter (also die Bezirksvorsitzenden) der Nazi-Partei übernahmen de facto die Landesregierungen. Die GESTAPO, die geheime Staatspolizei, die logistische Zentrale des Nazi-Terrors wurde ebenso eingerichtet wie das Informationsmonopol für das so genannte "Reichspropaganda-Ministerium", die Plattform für den obersten Volksverhetzer der NSDAP, Joseph Goebbels.

Im Juli 1934 erließ Hitler ein Dekret, dass die NSDAP in alle Gesetzgebungs- und Verordnungsverfahren einzubinden sei, im August - nach Hindenburgs Tod - vereinte Hitler Präsidentenamt und Kanzlerschaft auf sich und machte sich zum "Führer" auf Lebenszeit. Zuvor war das letzte Hindernis auf diesem Weg beseitigt worden: Die inzwischen zu eigenwillig gewordene SA, die sich unter den Vorzeichen des "deutschen Sozialismus" an die Stelle der offiziellen Reichswehr zu setzen plante. Unter dem Vorwand, SA-Chef Röhm habe einen Putsch geplant, wurde die SA-Spitze (und weitere Gegenspieler Hitlers aus dem eigenen Lager) Anfang Juli 1934 in einer konzertierten Aktion von SS, GESTAPO und Reichswehr verhaftet und erschossen.

Im Wesentlichen war damit die tief widersprüchliche Organisationsform des NS-Staates, in dem stets staatliche Stellen und Parteiorganisationen um die Gunst des Führers und seiner Machtriege rangen, vollendet (siehe: Führerprinzip): Ein Konkurrenzprinzip, das dazu tendierte, dass beide Seiten sich zu übertrumpfen trachteten, stets radikalere Maßnahmen vorschlugen; ein Konkurrenzprinzip, dass schließlich der Eliteorganisation der Partei, der SS, stetig wachsende Befugnisse einbrachte. Auch der Einfluss der Gauleiter und der "Parteikanzlei" unter Bormann nahm im Lauf der Jahre weiter zu: das Ergebnis war ein Populismus, der soziale Wohltaten (nicht selten durch Parteigliederungen vergeben, so etwa Urlaube durch die KraftDurchFreude-Organisation oder Witwenzuschüsse durch die "Volkswohlfahrt") mit übelster antisemitischer Hetzpropaganda verband.

Da der "Sozialismus" nationalsozialistischer Prägung nicht bzw. nur auf Kredit finanziert werden konnte, spekulierte seine Außenpolitik auf Kriegsgewinne bzw. -beute. Seinen ideologischen Niederschlag fand das im völkischen Lebensraum-Konzept, wonach die "Rassen" und Völker miteinander um "Lebensraum" konkurrieren und nur jene "Rasse" überleben kann, die für sich den größt möglichen "Lebensraum" erobert. Mit Propaganda, die solche Vorstellungen an die Bevölkerung herantrugen, wurde der Weg zum Zweiten Weltkrieg (1939 - 1945) geebnet.

Das NS-Regime konnte sich so bis in seine letzten Tage im Frühjahr 1945 trotz des offensichtlich verlorenen Krieges auf die Loyalität breiter Kreise der Bevölkerung stützen; der Widerstand, egal welcher politischen oder konfessionellen Herkunft, blieb ein hoch ehrenwertes, aber randständiges Phänomen. Die Grausamkeit des Regimes gegen Juden und andere Minderheiten, die Überfälle auf Nachbarländer ("Blitzkrieg"), die barbarische Kriegsführung, die in den eroberten und ausgeplünderten Gegenden Osteuropas Millionen verhungern ließ - all das wog für die große Mehrheit der Deutschen nicht so schwer wie die eigene privilegierende Zugehörigkeit zur "Herrenrasse", zu der die NS-Ideologie die Mehrheit der Deutschen erklärt hatte.

Die NSDAP hatte rund 8,5 Millionen Mitglieder als sie nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs im Mai 1945 vom Alliierten Kontrollrat mit seinem zweiten Gesetz vom 10.10.1945 aufgelöst und verboten wurde. Dieses Verbot ist unumstößlicher Grundbestandteil der politischen Verfassung der Bundesrepublik.

Konsequent hat der Nationalsozialismus sich vorpolitischer, meist aggressiver Neigungen bedient und bewusst alles, das Zivilisation auszeichnet, über Bord geworfen: insofern als er tatsächlich die Ersetzung der Politik, ja der Realität durch terroristische Gewaltherrschaft unter konsequenter Ausnutzung barbarischer Regungen betrieben hat, war und ist er kein bloß politischer Gegner - und schon gar keine vertretbare "Meinung" -, sondern eine durchaus psychopathologische Erscheinung, der mit entsprechenden, auch repressiven Maßnahmen begegnet werden muss.