Leichte Sprache

Das Medium Film

Filmmuseum Potsdam

Der Slogan „Ernstfall Demokratie“ bezieht sich auf die Zeitgeschichte zwischen 1945 und den Anfang der fünfziger Jahre und versteht sich programmatisch aufs Heute. „Fundstücke“ will verlorene, vergessene, des Platzes verwiesene Filme ins Bewusstsein zurückholen und bekannte Filme neu sehen lassen. Wofür soll das gut sein? Zuallererst für eine neue, zeitgemäße Vorstellung von Film in Deutschland und deutscher Filmgeschichte, welche die gesamte Landschaft wahrnimmt und als eine uns insgesamt zustehende Geschichte annimmt und nicht weiter separiert nach überkommenen Ortstarifen. Ziel des Programms ist nicht der Vergleich, sondern der Befund. Es geht nicht um Ost oder West, sondern um Damals und Heute. Und es geht darum, sich seiner Biografie zu versichern und die Deutungshoheit darüber zu erlangen.

Die Idee ist weniger originell, als vielmehr logisch. Wo, wenn nicht am „Drehort Potsdam“ und in seinem Filmmuseum, ist der Ort für dieses Ansinnen und solche Ansicht? Was Film wichtig macht unter den Künsten: Er trifft auf Gewohnheiten, Geschmack, Geist und bildet Gewohnheiten, Geschmack, Geist aus. Er tut das massenhaft und individuell, intuitiv und absichtsvoll, zwischen Zerstreuung und Sammlung. Und er lädt ein, die Träume der ersten Stunde auf ihre Weise noch einmal zu träumen.

Eine Art archäologischer Zeitgeschichtsschreibung ist notwendig, um das Verschüttete wieder sichtbar zu machen, um verschollene Ansätze, Zwischenstellungen und Gegenpositionen, die unterdrückt wurden, überhaupt wieder in den Blick zu bekommen.“
(Schwiedrzik 1991 , 182f *)

Die Filme sind keine Illustration zu Thesen. Sie erzählen Geschichten, die symptomatisch sind in ihrem Blick auf Zeit und Menschen. Die Auswahl ermöglicht durch den thematischen Zusammenhang eine neue Perspektive auf Filme, Geschichte, Gesellschaft. Die Herausforderung der Zeit wurde von den Filmemachern, also Autoren, Regisseuren, Produzenten, unterschiedlich gesehen und angenommen. Filmgeschichte und Gesellschaftsgeschichte laufen nicht synchron. Paradoxa machen die Sache spannend.

Die Inhaltsangaben der Filme sind am Zeitbezug orientiert und damit aufschlussreich auch bei Unkenntnis der Filme. Filmhistorische und filmästhetische Fragen werden in den Filmeinführungen behandelt, die in Auszügen beigestellt werden.

Der für das Verhältnis von Mensch und Gesellschaft und also für das Demokratieverständnis wichtige Paradigmenwechsel Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre in allen Ländern zeitigte gleichfalls Filme und wurde seinerseits durch Filme voran getrieben. Das ins Bild zu bringen, insonderheit der Umbruch zu Beginn der sechziger Jahre nach dem „Oberhausener Manifest“ (1962) und mit der neuen Generation im DEFA-Spiel- und Dokumentarfilm, erfordert ein anderes, eigenständiges Programm und bleibt außer Betracht.

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