Leichte Sprache

Das Scheitern der Geschichte in der Gegenwart

oder Rückblick aus gegebenem Anlass: 1948 - 1848

Zwei Deutsche auf der Suche nach der Welt von morgen.

Walter Dirks:

Zum zweiten Mal ist den Deutschen eine Revolution geschenkt worden. Wenn man eine Revolution plant, vorbereitet, durchleidet, durchkämpft und endlich siegt, so pflegt man zu wissen, was man will. Wir wissen es in diesen Jahren ebenso wenig, wie wir es 1919 gewußt haben. Der Sieger hat die vormals herrschende Macht zerschlagen, nicht wir. Deshalb ist heute wie damals der neue Staatsinhalt, den eine echte Revolution in sich ausgebildet hätte, nicht da - er muß erst errungen werden.“ (Dirks 1947 *)

Bertolt Brecht:

26.12.47. lese LUKACS’ 'briefwechsel zwischen schiller und goethe’. er analysiert, wie die deutschen klassiker die französische revolution verarbeiten. noch einmal keine eigene habend, werden nun wir die russische zu 'verarbeiten’ haben, denke ich schaudernd.
6.1.48. wieder erschwindelt sich diese nation eine revolution durch angleichung.“ (Brecht 1977, S. 436; 439 *)

Gute Einstimmung auf das Jahrhundertgedenken der deutschen Revolution von 1848, die im Gedächtnis der Nation (fast) keine Rolle spielt. Bis auf Blumen, die immer wieder auf dem Friedhof der Märzgefallenen in Berlin liegen. Vergessen, welche herausragende Rolle sie in nahezu allen Publikationen zum deutschen Schicksal im Exil und nach 1945 spielte. Unbekannt auch der Rang, den die amerikanische Revolution im Deutschland des Vormärz und der Revolution einnahm.

Der Einfluß der amerikanischen Verfassung vom 17. September 1787 auf die Männer der Paulskirche im Frühjahr 1848 war erheblich gewesen. (...) Alexis de Tocquevilles Werk über die Demokratie in Amerika (1835) hatte den Boden in Deutschland bereitet, und 1848/49 waren nicht nur mindestens zehn deutsche Ausgaben der amerikanischen Verfassung verbreitet, sie wurde auch von prominenten Abgeordneten in der Paulskirche auch immer wieder zitiert.“ (Benz 1991, S. 18 *)

Hundert Jahre später erinnerte der Remigrant Fritz von Unruh an diesen Aufbruch der Deutschen, der ihre besten Söhne in die Paulskirche entsandte,

um in einem einigen Impuls – nach dem Vorbild der großen amerikanischen Republik – eine deutsche Republik zu schaffen, wo die Gesamtheit das Leben des Einzelnen garantiert.“ ( in: Benz 1991, S. 16f *)

Musste das wiederholte Versagen in historischen Entscheidungssituationen als ein deutsches Fatum hingenommen werden oder gab es Wege aus der deutschen Misere?

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