Leichte Sprache

Demokratie und Erziehung

Wenn Spielregeln gelernt werden, können auch die Spielregeln der Demokratie gelernt werden? Oder einfach gefragt: Kann Demokratie gelernt werden? Nicht: als Staatsaufbau, Gesetzesprozedur, Organigramm der Durchsetzung des Machtmonopols, sondern: als Demokratie?

Die Einstellungen jedoch, aus denen die Demokratie ebenso lebt wie aus ihren Einrichtungen, können, ja müssen die Bürger, vor allem die jungen, im täglichen Leben lernen: die Achtung vor der Überzeugung anderer, die Bereitschaft, sich in den Beschluß der Mehrheit zu fügen, die komplementäre Pflicht, seine eigene Meinung vorzubringen und für sie zu kämpfen. Diese Einstellungen muß die Gesellschaft vorleben und honorieren. (...) Demokratie als Staatsform und Demokratie als Lebensform sind kein Gegensatz, sie bedingen einander vielmehr.“ (v. Hentig 1999, S. 125 *)

Demokratie kann gelernt werden.

Die Lernfähigkeit der demokratischen Gesellschaft wird dadurch gewährleistet, dass die Institutionen, in denen kognitives und normatives Wissen über Gesellschaft erzeugt wird, so konstruiert werden, dass sie mit der ungewissen Bedeutung des in ihnen erzeugten Wissens umgehen können, sich also zu sich selbst als Unwissende verhalten. Die Schule – die Institution, in der die zukünftigen Bürger des Gemeinwesens intellektuell und moralisch geformt werden – ist dann nicht länger Ort der Tradierung überkommenen Wissens, sondern Stätte der Einübung in die Fähigkeit zum Verstehen und zum Ertragen der Vielfalt von Wissen und Werten.“
(Preuss, in: Offe 2003, S. 275f *)

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