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Von Re-education zu Re-orientation

Die Re-education erwies sich als Flop. Das mit moralischem Rigorismus verfolgte Demokratisierungskonzept stieß auf den Unwillen der Betroffenen. Es wurde von der Bevölkerung nicht angenommen und bedurfte einer Revision.

Zur gleichen Zeit änderten sich die Prioritäten der amerikanischen Politik.

USA und Großbritannien wollten und konnten die Kosten der Besatzungs- und Entwicklungspolitik innenpolitisch nicht mehr durchsetzen und mussten die Deutschen daran beteiligen. Das hatte deutsche Wirtschaftsentwicklung zur Voraussetzung und die Beteiligung (West-)Deutschlands an der europäischen Marshallplan-Hilfe zur Folge. Das wiederum bedingte politische Selbstverantwortung über den Rahmen der Länder hinaus, zunächst im Wirtschaftsrat, dann im Parlamentarischen Rat, und gipfelte in der Erarbeitung der verfassungsmäßigen Grundlagen und der Gründung eines föderativen deutschen Staates.

Antikapitalistische Ambitionen der Arbeiterschaft nach Sozialisierung und Gemeinwirtschaft trafen auf eine US-Politik freier Konkurrenzwirtschaft und sozial-ökonomischer Restauration vormaliger Besitz- und Herrschaftsverhältnisse. Ludwig Erhards soziale Marktwirtschaft wurde zum Geburtshelfer der Bundesrepublik Deutschland. Die Westmächte zählten nicht mehr auf eine Einigung mit der Sowjetunion über eine gemeinsame Deutschlandpolitik (unter Zugrundelegung ihrer Prioritäten); äußeres Zeichen war das Scheitern der Londoner Konferenz (Dezember 1947). Zugleich änderte sich die politische Großwetterlage: Der Kalte Krieg zwischen den Großmächten in West und Ost hatte begonnen und zog die jeweils assoziierten Länder hinein.

Die (West-)Deutschen wurden als (kontrollierter) Partner in dieser Auseinandersetzung gebraucht. Dafür galt es, Bewusstsein und Motivation zu schärfen. Das ging nur durch die Ersetzung des Straf- und Schuldaspekts durch den der Partnerschaft, den Aufbau einer Wertegemeinschaft und die Einbeziehung (West-)Deutschland in das darauf beruhende (Militär-)Paktsystem. Informationspolitik wurde zum „Cultural Marshall Plan“. Der Name dafür war Re-orientation.

Der Abbau einer tendenziell antifaschistischen Demokratisierungspolitik ging einher mit dem Übergang von der Kooperation mit der Sowjetunion zur Konfrontation. Die Wende zum Antikommunismus nahm latente nazistische Bewusstseinsstrukturen in Kauf, wenn sie nicht gar darauf setzte.

Als sich die Re-education direkt für amerikanische Interessen einsetzen ließ, wurde ihr von Clay (i.e. OMGUS) die Unterstützung zuteil, die die Offiziere der Informationskontrolle schon lange vorher für eine erfolgreiche Demokratisierung (...) gefordert hatten. (...) Die zusätzlichen Finanzen für das Reorientationsprogramm gingen in die Millionen.“ (Mettler 1975, S. 62; 65f *)

Die Re-orientation brachte nicht nur den american way of life nach Deutschland, sondern auch die Vorzüge und Spielregeln der Demokratie unter die Leute.

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