Die Moschee

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Prinzipiell braucht der Muslim keinen Ort, um Gott besonders nahe zu sein. Das Gebet und auch die anderen religiösen Pflichten, von der Wallfahrt nach Mekka abgesehen, können überall verrichtet werden. Allerdings versteht sich der Islam auch als eine Gemeinschaft von Gläubigen, und eine Gemeinde sucht sich ein Zentrum zur Versammlung und geistige Führung. In der Frühzeit des Islam war dieser Platz das Haus des Propheten in Medina. Dorthin kamen die Muslime, um aus dem Koran zu hören und gemeinsam zu beten. Es gilt deshalb als Ursprung der Moschee, des islamischen Gotteshauses.

Die Moschee ist ein umfriedeter Raum, der in der Regel aus einem Vorhof (Sahn) und einer Gebetshalle (Zuflucht; Haram) besteht. Im Hof befindet sich ein Wasserbecken, an dem die vor dem Gebet obligatorische Waschung von Gesicht und Händen vorgenommen werden kann. Die meist kuppelbedeckte Gebetshalle, ein freier, mit Teppichen ausgelegter Raum, wird grundsätzlich barfuß und mit Kopfbedeckung betreten – Zeichen des Respekts, die so auch aus anderen Religionen und Kulturen bekannt sind.

Die für das Gebet maßgebliche Richtung nach Mekka gibt eine romanisch gewölbte Nische (Mihrab) in der entsprechenden Wand (Kibla). Dies ist kein heiliger, altarähnlicher Ort, obwohl er das spirituelle Zentrum der Moschee bildet und reich verziert ist.

Die klassischen Elemente einer Moschee (vereinfacht)

Rechts vom Mihrab steht die Kanzel (Minbar). Der Minbar geht auf eine Leiter zurück, von der aus Mohammed zur immer größeren Schar der Gläubigen predigen musste. Er hat diese Form noch immer und wird von einer kleinen, überkuppelten Plattform, abgeschlossen. Von der vorletzten Stufe herab predigt an den Freitagen der Imam – die oberste Stelle betritt er nicht, sie bleibt symbolisch dem Propheten Mohammed vorbehalten. Gegenüber dem Mihrab steht mitten in großen Gebetsräumen eine Tribüne (Dikka). Von dieser aus wiederholt der Richter (Kadi) der Moschee die Worte des Imam.

Wenn aus dem Koran vorgelesen wird, so liegt dieser aufgeschlagen auf einem entsprechenden Pult (Kursi). Der Kursi steht in der Regel neben der Dikka. Die klassischen Moscheen hatten einen abgeschlossenen Ort (Maksura) für den Imam, um diesen zu schützen. Da der Gebetsraum nur den männlichen Gemeindemitgliedern vorbehalten ist, gibt es für die Frauen eine Empore oder einen separaten Platz.

Ein charakteristisches Bauelement kam erst später hinzu: Das Minarett. Erstmals 673 beim Neubau einer Moschee in Fustat (heute Kairo) erwähnt, setzte es sich ab dem 14./15. Jahrhundert allgemein durch. Vom Minarett aus ruft der Muezzin die Gläubigen zu den täglichen Gebeten auf (Adhan). Architektonisch geht das Minarett auf Kirch-, Wach- oder Leuchttürme zurück. Je nach Epoche und Kulturkreis ist die Moschee mit einem oder mehreren Minaretten ausgestattet.

Die  Grafik zeigt am Beispiel verschiedene Minarette die unterschiedliche Formen und Ausführungen beim Bau von Moscheen auf (Darstellung nicht maßstabsgerecht)

An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass der Islam keine Geistlichkeit im Sinne des Christentums kennt. Sicherlich, es gibt die Ulema, die durchaus anerkannten und geselllschaftlich einflussreichen religiösen Autoritäten mit den Imamen an der Spitze. Deren Rolle aber ist auf das zeremonielle Beschränkt: Beschneidung, Heirat als ziviler Akt, Bestattungen und eben die Predigten in der Moschee. Zentrale religiöse Hierarchien kennt der sunnitische Islam nicht beziehungsweise nicht mehr, seitdem der Sitz des Kalifen verwaist ist.

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