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Der Staat Israel

Mit der Gründung Israels am 14. Mai 1948 zog die Politik die Lehren aus dem Holocaust. Die Verlierer dieser Entwicklung waren die im Land lebenden Araber. Einen eigenen Staat haben sie bis heute nicht. Einer Zweistaatenlösung scheint die Vergangenheit indessen entgegen zu stehen.
Der Felsendom in Jerusalem

Konsequenz aus der Geschichte: ein jüdischer Staat

Als Juden 1948 wieder souveräne Herrscher über einen Teil des Landes ihrer Vorfahren wurden, erschien das wie ein Wunder. Das Wunder allerdings war irdischen Ursprungs, vorangetrieben und schließlich verwirklicht von sehr pragmatischen Persönlichkeiten. Jene politischen Zionisten der zwanziger und dreißiger Jahre stießen, wie schon zuvor der allerdings noch eher schwärmerisch- romantische Herzl, nach wie vor auf Widerspruch auch in der jüdischen Gemeinschaft.

Das Wappen des Staates IsraelSeit 2.000 Jahren erflehten die Juden die Rückkehr nach Zion. Aber diese Rückkehr auf weltlichem Wege in Gang zu bringen, quasi Gottes Geschäfte zu erledigen, erschien gerade den Strenggläubigen unter ihnen blasphemisch.

Skeptisch bis ablehnend blieben auch viele der Juden, die als Nachkommen der nie ganz erloschenen Gemeinden im Lande Israels lebten. Ihnen erschienen die kurzbehosten Neuankömmlinge [aus aller Welt] nicht zuletzt deshalb suspekt, weil diese mehrheitlich eher weltlich-sozialistisch eingestellt waren. Und weil sie die, inzwischen längst morbide, orientalische Ordnung aushebelten, in der seit jeher auch Juden ihren Platz hatten – wenn auch in der zweiten Reihe.

Allen inneren und äußeren Widerständen zum Trotz, keine 50 Jahre nach Herzls Tod gab es ihn, den jüdischen Staat. Und hätte es ihn nur 10 Jahre früher gegeben, Millionen europäischer Juden wären am Leben geblieben. Nicht zuletzt angesichts dieser Opfer hatte sich die Weltöffentlichkeit wohl genötigt gefühlt, der Bildung dieser Bleibe für die Überlebenden und Davongekommenen zuzustimmen.


KarteDie Mehrzahl der Israelis waren ursprünglich Aschkenasim oder deren Nachkommen. 1965 bildeten die Aschkenasim mit etwa 50 % der Bevölkerung die Majorität, 1990 waren es noch 33 %. Das nunmehr herrschende Übergewicht der sephardischorientalischen Juden (1989: ca. 42 %) wurde allerdings in den vergangenen Jahren durch die verstärkte Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion etwas relativiert.

Obwohl Israel ein Einwanderungsland geblieben ist (nebenstehende Grafik: Zuwanderung 1993), gab und gibt es auch Auswanderer.
Zwischen 1932 und 1989 haben nach offiziellen Angaben 360.000, nach anderen Schätzungen sogar 700.000 Juden das Land verlassen. Die meisten von ihnen gingen in die USA.

 

Kein Land für Palästina

Verlierer dieser Entwicklung wurden die im Lande lebenden Araber. Auch sie konnten auf eine inzwischen 1.200 Jahre alte Tradition zurückblicken, die sie mit „ihrem“ Land Palästina verband. Palästina? Eine Fiktion, ein Begriff aus antiker Zeit! Die Kalifen hatten einen ihrer Militärbezirke Falastin benannt, dessen Umrisse allerdings weder mit den türkischen Verwaltungseinheiten noch mit den willkürlich gezogenen britischen Mandatsgrenzen übereinstimmten.

Israel. Das Buch kann bei uns bestellt werden. Es gab keine palästinensische Geschichte, mithin auch kein palästinensisches Volk. Und während sich die jüdischen Siedler zielstrebig und mit europäischem Know-how auf eine postkoloniale Zukunft vorbereiteten, verharrte die arabische Gesellschaft in Destruktivismus. Kompromißlos forderten ihre Führer alles – und verloren alles. Hunderttausende Araber waren nach der gescheiterten Invasion ihrer „Brüder“ im Jahre 1948 in deren Staaten geflohen.

Die Integration in die Gesellschaften dieser Länder, die sich zudem noch ihren Anteil aus der Konkursmasse des Mandatsgebietes sicherten, wurde ihnen verwehrt. Ein elendes Lagerleben war die Folge. Und dort, wo sich Massen von Palästina-Flüchtlingen niedergelassen hatten, kam es zu Spannungen, schließlich zu Bürgerkriegen. In diesen Konflikten – siehe Jordanien, siehe Libanon, – starben mehr palästinensische Araber als bei direkten Auseinandersetzungen mit Israel.

Was die Form dieser Auseinandersetzungen angeht, so wird oft und gern der moralische Zeigefinger gen Israel erhoben. So verstieg sich der britische Historiker Toynbee angesichts des Massakers von Deir Yassin zu folgender Äußerung:

Die Juden wußten 1948 aus persönlicher Erfahrung, was sie taten, und es war ihre größte Tragödie, daß die Lektion, die sie in ihrer Begegnung mit den nazideutschen Heiden erhalten hatten, sie nicht zur Zurückhaltung anhielt, sondern sie einige der schrecklichen Taten, die die Nazis ihnen gegenüber verübt hatten, nachahmen ließ.“ *

Als Erwiderung darauf möge ein weiteres Zitat dienen, niedergeschrieben anläßlich der Kritik am israelischen Einmarsch in den Libanon 1982:

Und dann die Frage der Fragen aller Zeitgenossen, die auch im Jahre 40 nach Auschwitz die NS-Konzentrationslager für Besserungsanstalten halten, die ihre Absolventen nur deshalb so vielen Prüfungen unterzogen, damit sie anschließend als die besseren Menschen durch den Rest ihres Lebens schreiten konnten: 'Wie ist es möglich, daß die Juden, die so viel Leid erfahren haben, solch einen brutalen Krieg im Libanon führen können?'“ *

Tiefe gesellschaftliche Spuren

Zum Weiterlesen
Nahostkonflikt

Der Staat Israel war von der ersten Stunde an in seiner Existenz bedroht. Seine Geschichte ist eine Geschichte von Isolation, Terror, Kriegen und Konflikten. Diese Tatsachen haben tiefe Spuren in der Gesellschaft des Landes hinterlassen. Ein zwischenzeitlicher Friedensprozeß, der mit vorsichtigem Optimismus als eine Wende zum Besseren hätte gedeutet werden können, ist inzwischen längst wieder zum Erliegen gekommen.

 

Auszüge aus dem Buch "Jüdische Kultur und Geschichte", das Sie bei uns bestellen oder als PDF downloaden können.

 

Zwei-Staaten-Lösung
Zwei Staaten für zwei Völker: Diese Formel galt lange als realistische Möglichkeit, den Friedensprozess zwischen Palästinensern und Israelis voranzubringen. Inzwischen gilt der Plan als gescheitert. Der israelische Wahlkampf zu den Parlamentswahlen 2013 zeigte dies deutlich. Es gibt in Israels Parteienlandschaft keine relevanten Kräfte mehr, die für ein Abkommen mit den Palästinensern eintreten. mehr im ZEIT-Blog.

 

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