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Konflikte im Nahen Osten

Die Gründung Israels am 14. Mai 1948 steht im Zentrum der verschiedenen Konfliktfelder im Nahen Osten. Doch die Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern reichen weit in die Geschichte zurück.

Israelische Armeepanzer am Gazastreifen

Der Nahostkonflikt
Worum geht es und was tut die Europäische Union, um den Friedensprozess zu unterstützen?

Der ungelöste Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern lässt sich bis weit vor die Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 zurück verfolgen. Im Kern geht es um territoriale Ansprüche auf das Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer. Israel erstreckt sich über 78 Prozent dieses Gebietes.

1939 lebten im damaligen Palästina bereits über 400.000 Juden – und etwa 900.000 Araber! Die Tatsache, dass das „Land der Vorväter“ seit 1200 Jahren von einer nichtjüdischen Majorität bewohnt wurde, hatten die politischen Zionisten schlichtweg „übersehen“. Die Araber ihrerseits empfanden die jüdische Kolonisation zunehmend als existentielle Bedrohung, es kam zu Gewalttätigkeiten, die Anfang der zwanziger Jahre erstmals eskalierten und eine jahrzehntelange offenen Konfrontation einleiteten.

In seiner Autobiografie konstatierte Nahum Goldmann, von 1956 bis 1968 Präsident des Jüdischen Weltkongresses, einen

großen historischen Denkfehler des Zionismus, daß er den arabischen Aspekt bei der Gründung des jüdischen Heimlandes in Palästina nicht ernsthaft genug zur Kenntnis genommen hat.“ *

Das Problem wurde solange verdrängt, bis es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Denn die Araber sahen in den zugereisten Juden – immerhin hatten die im Lande ansässigen Juden mit den Arabern jahrhundertelang friedlich zusammengelebt – europäische Landräuber, eine fünfte Kolonne der britischen Mandatsmacht. Unruhen im Mai 1921 folgte schließlich ein erster blutiger Konflikt, 133 Juden und 116 Araber starben dabei.

KarteAls Engländer und Franzosen den Nahen Osten unter sich aufteilten, nahmen sie auf Geschichte und Bevölkerung der Region keinerlei Rücksicht. Lediglich die Westgrenze Ägyptens war historisch verbürgt.

Zum britischen Mandatsgebiet gehörte ursprünglich auch das Land jenseits des Jordans, Transjordanien. Dieses Territorium unterstellte London im März 1921 dem Haschemiten Abdallah als Emirat.

Die Haschemitendynastie beherrschte ursprünglich die heiligen islamischen Stätten Arabiens, war aber von den Wahabiten vertrieben worden.







Nachdem es bereits Ende 1935 erneut zu Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen kam, brach Anfang 1936 eine offene arabische Revolte aus, in deren Verlauf fast 2.900 Araber, etwa 1.200 Juden und 700 Briten umkamen.

Als politische Konsequenz aus diesen Auseinandersetzungen legten die Briten im gleichen Jahr einen Teilungsplan vor: eine nach ihrem Vorsitzenden Lord Robert Peel benannte Kommission schlug vor, Palästina in eine arabische, eine jüdische und eine britisch-internationale Provinz zu untergliedern. Der Vorschlag ging allerdings in den arabisch-jüdischen Unruhen, die bis 1939 anhielten, unter.

Die militärischen Erfolge Hitlerdeutschlands in Nordafrika – Ende 1942 stand das Afrika-Korps nur noch 800 km von Tel Aviv entfernt – brachte für die jüdische Gemeinschaft in Palästina neue Gefahren, zumal sich das geistliche Oberhaupt der palästinensischen Araber, Muhammad Amin al-Husseini, Mufti von Jerusalem, den Deutschen bereits als Bundesgenosse angedient hatte. November 1941 war er in Berlin mit Hitler, später auch mit Himmler und Eichmann zusammengetroffen und hatte diesen gegenüber seine Bereitschaft zur Kollaboration gegen Briten und Juden versichert.

Die Briten nahmen während des II. Weltkrieges eine äußerst zwiespältige Rolle ein. Einerseits verschuldeten sie mit ihrem am 17. Mai 1939 verhängten Einreisestopp für Juden nach Palästina den Tod von Tausenden Flüchtlingen. Halbwracke Schiffe, auf denen diese versuchten, das rettende Exil zu erreichen, wurden gnadenlos abgewiesen. So ertranken beim Untergang der zurück nach Rumänien geschickten „Struma“ im Dezember 1941 767 Juden des Balkanlandes.

Andererseits rekrutierten die Engländer Juden für den Kampf gegen Rommel, Vichy-Einheiten aus dem Libanon und Syrien beziehungsweise arabische Diversanten. Die Kämpfer der Palmach (Plugol Machaz, Stoßtrupp) und S.N.S. (Special Night Squads) waren vornehmlich Angehörige der paramilitärischen jüdischen Selbstverteidigungseinheit Hagana.


Das Stichwort: Hagana, Irgun und Lechi

Seit ihrer Ansiedlung in Palästina waren die jüdischen Einwanderer bemüht, eine staatsähnliche Infrastruktur zu schaffen, eine Parallelgesellschaft zur eher desorganisierten arabischen Einwohnerschaft. Dazu gehörte auch die 1920 gegründete jüdische Untergrundarmee Hagana. Nach der Gründung des Staates Israel bildete diese den Grundstock der israelischen Armee (Zva Hagana Lejisrael – Zahal – , Verteidigungsarmee Israels).

Jüdische Extremisten bildeten 1930 die Haganah B, aus der sieben Jahre später die Irgun (Irgun Zwai Leumi; Etzel oder IZL – Nationale Militärorganisation) hervorging. Ihr geistiger Vater war der Führer der „revisionistischen“ Zionisten, Vladimir (Zeev) Jabotinsky. Im Gegensatz zu den Pragmatikern um Ben Gurion forderten die Revisionisten das gesamte Mandatsgebiet, also auch Transjordanien, als jüdischen Staat. Noch kompromißloser war die 1940 entstandene Lechi (Lochme Cherut Jisrael; Freiheitskämpfer Israels), von den Briten nach ihrem Gründer Abraham Stern despektierlich „Stern Gang“ genannt.

Ab 1944 kämpfte eine Jüdische Brigade innerhalb der britischen Armee. In der englischen Armee sammelten jüdische Kämpfer Erfahrungen, die ihnen bei späteren Kriegen gegen die Araber unschätzbare Vorteile verschafften.

Unmittelbar nach dem II. Weltkrieg verstärkte die jüdische Seite den Druck auf die Briten. In konzertierten Aktionen gingen die paramilitärischen Verbände gegen strategisch wichtige Einrichtungen vor. Ein brutaler Terrorakt allerdings war der Irgun-Anschlag auf das Jerusalemer King David Hotel, Sitz der Mandatsregierung. Dabei kamen am 22. Juli 1946 41 Araber, 28 Briten und 17 Juden um.

Die Briten, im Mutterland mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert, waren immer weniger Herr der Lage, zumal auch der Druck von außen zunahm. Immer noch galten die Bestimmungen des Weißbuches für Palästina, obwohl inzwischen viele Überlebende des Holocaust einwandern wollten. Zionistische Organisationen wie die Jewish Agency förderten diesen Wunsch – ein Katz- und Maus-Spiel war die Folge: Wieder wurden illegale Emigrantenschiffe abgefangen, diesmal allerdings nach Zypern umdirigiert. Hier und in Palästina selbst entstanden Internierungslager für die unerwünschten Juden.

KarteDer UNO-Beschluß von 1947 sah vor, den jüdischen und arabischen Staat dreizuteilen.

Die einzelnen Distrikte sollten durch Korridore miteinander verbunden werden und nicht verteidigungsfähig sein. Damit sollten die palästinensischen Staaten zu einer Konföderation gezwungen werden.















Schließlich wandten sich die Briten an die UNO. Diese reagierte und setzte 1947 einen Sonderausschuß ein, das United Nations Special Committee on Palestine (UNSCOP). Während sich die zionistische Seite gesprächsbereit zeigte, lehnten die Araber eine Zusammenarbeit mit der UNSCOP ab. Schließlich entstanden Pläne, Palästina, wie ehedem von der Peel-Kommission angeregt, zu teilen. Am 29. November 1947 beschloß die UNO-Vollversammlung mit der Resolution 181 einen Teilungsplan:

Der arabische Staat sollte 11.000 km2 mit 725.000 Arabern und 10.000 jüdischen Einwohnern umfassen; der jüdische Staat hätte ein Größe von 149.000 km2 und 498.000 jüdische sowie 407.000 arabische Einwohner gehabt. Jerusalem und Umgebung, als internationalisiertes Gebiet geplant, wäre von 105.000 Arabern und 100.000 Juden bewohnt gewesen. Obwohl der jüdische Staat 56 % des ehemaligen Mandatsgebietes eingenommen hätte, blieb er in zweifacher Hinsicht benachteiligt. Der größte Teil seines Territoriums bestand aus der Wüste Negev, einer Ödnis, in der kaum Juden siedelten. Außerdem wäre der arabische Bevölkerungsanteil fast so hoch gewesen wie der jüdische.

Dennoch akzeptierten die Zionisten in ihrer Mehrheit den UNO-Beschluß, die arabische Seite blieb bei einem kompromißlosen „Alles oder nichts“. Bereits am 12. April 1948 beschloß die Arabische Liga in Kairo, in Palästina nach dem Abzug der Briten militärisch zu intervenieren.

Etwa einen Monat vor dem Ende der Mandatszeit kam es in einem arabischen Dorf westlich von Jerusalem zu einem furchtbaren Massaker: in Deir Yassin ermordeten Kämpfer von Irgun und Lechi 245 Araber, darunter 145 Frauen. Bei Arabern und Juden löste die Untat gleichermaßen Entsetzen aus. Der Oberrabbiner von Jerusalem bannte die Täter, Ben Gurion und die Jewish Agency distanzierten sich mit Nachdruck von diesem Verbrechen. Für Tausende Araber war Deir Yassin ein blutiges Fanal. Aus Furcht vor ähnlichen Taten flüchteten sie aus dem Mandatsgebiet.

In der Nacht vom 14. zum 15. Mai 1948, genau um 24 Uhr, holten die Briten in Palästina den Union Jack ein. Gleichzeitig proklamierte Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel – und im Morgengrauen rückten Armeen aus fünf arabischen Staaten in das neue Land ein.

Die Invasoren aus Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und Irak konnten nominell 100.000 Soldaten aufbieten. Auf jüdischer Seite standen lediglich 11.000 reguläre Kämpfer und eine gleiche Anzahl Reservisten. Als letztes Aufgebot standen noch die Angehörigen der überwiegend aus Jugendlichen bestehenden Territorialarmee (Chel Hamishmar; 32.000 Mitglieder) zur Verfügung.

Obwohl die arabische Seite hinsichtlich ihrer Mannschaftsstärke und Ausrüstung überlegen schien und zunächst gewaltige Geländegewinne erzielte, konnte lediglich die britisch kommandierte Arabische Legion aus Transjordanien eine wirklich schlagkräftige Einheit aufbieten. Den hochmotivierten jüdischen Soldaten gelang es deshalb nach anfänglichen Niederlagen, bis zu einem ersten Waffenstillstand am 11. Juni die Initiative zu ergreifen. Nach dem zweiten Waffenstillstand am 18. Juli konnten die Israelis, die bereits den Feind aus den zentralen Landesteilen zurückgedrängt hatten, fast das gesamte ehemalige Mandatsgebiet unter ihre Kontrolle bringen. Am 7. Januar 1949 kam es schließlich zur Feuereinstellung. Bis zum Juli 1949 konnte Israel mit allen Nachbarn Waffenstillstandsabkommen abschließen.

Die aus Deutschland nach Palästina emigrierte kommunistische Künstlerin Lea Grundig, gewiß keine Zionistin, erlebte die auf der Allenby Road in Tel Aviv abgehaltene Siegesparade mit:

Klirrend und krachend holperten Raupen über den Asphalt. Es waren Kampfwagen, Panzer ägyptischer Herkunft. Auf ihnen saßen die Söhne derer, die seit 2000 Jahren immer geschlagen wurden. Diesmal hatten sie die Schläge abgewehrt und zurückgegeben... Wagen, Panzer, Geschütze rollten vorbei, alles eroberte Waffen. Die Menschen am Straßenrand staunten, und ein Lächeln erschien auf ihren Gesichtern.

Der alte Komplex der Angst und der Flucht, des Verfolgt- und Ausgeliefertseins, von jeder Generation neu erworben und der folgenden vermacht – hier hatte er ein Veto gefunden. Die Eroberer der Geschütze hatten uns beschützt. Sie zog vorbei, die Parade der Verteidiger, der Söhne von Eltern aus vielen Ländern, die hierher gekommen waren, um zu einer neuen Nation zu verschmelzen.“ *

Große Teile des von der UNO geplanten arabischen Staates in Palästina blieben unter der Kontrolle Ägyptens (Gaza-Streifen) und (Trans-)Jordaniens (Westjordanland und Ost-Jerusalem). Beide Staaten verweigerten allerdings den etwa 800.000 geflüchteten arabischen „Brüdern“ die Souveränität und beanspruchten diese Territorien als eigenes Staatsgebiet. Die Flüchtlinge hausten weiterhin in Lagern und wurden nicht integriert, sondern als Haßpotential gegen den israelischen Staat mißbraucht.

KarteNach dem I. Nahostkrieg eignete sich Transjordanien große Teile des laut UNO-Beschluß für einen arabischen Palästinenserstaat vorgesehenen Gebietes an.

Dazu gehörte auch der Ostteil Jerusalems mit seinen bedeutenden heiligen Stätten.

Israel konnte sein Staatsgebiet zwar abrunden, problematisch für seine Verteidigungsfähigkeit blieben aber die wie arabische Brückenköpfe ins Land ragende Westbank und der Gaza- Streifen.










Zu den wenigen Ländern, die den Kampf der Israelis mehr oder weniger offen unterstützten, gehörte auch die Sowjetunion. Immerhin duldete Moskau massive Waffenlieferungen aus seinem Herrschaftsbereich an den neuen Staat. Schließlich deutete manches darauf hin, daß Israel einen eher sozialistischen Kurs einschlagen könnte, Indiz dafür waren die sozialdemokratische Regierung und das fast kommunistisch anmutende Kibbuz-System.


Das Stichwort: Kibbuzim und Moschawim

Das ursprüngliche zionistische Leitbild war der Pionier, welcher das karge Land kraft seiner Arbeit kultiviert (Chaluziut; von Chaluz, Pionier). Zu den ersten neujüdischen Einrichtungen in Palästina gehörten Kommunen, in denen das Vermögen und die Produktionsmittel der Mitglieder allen daran Beteiligten gleichermaßen gehörten.

In diesen Kibbuzim, in denen heute nur noch 3 % der israelischen Bevölkerung lebt, gibt es gemeinsam nutzbare Einrichtungen wie Küche, Speisesaal und Wäscherei und keine individuelle Lohnzahlung. Die materiellen Bedürfnisse der Kibbuzniks werden aus einem gemeinsamen Budget bestritten. Ähnlich funktionieren die Moschawim. Hier allerdings haben die Mitglieder eigene Höfe und landwirtschaftliche Gerätschaften. Alle Dienstleistungen und der Warenabsatz aber werden gemeinschaftlich geregelt.

Obwohl die latenten Spannungen mit den arabischen Nachbarstaaten anhielten, konsolidierte sich der israelische Staat allmählich. Bereits am 5. Juli 1949 verabschiedete die Knesset das sogenannte Rückkehrgesetz. Es billigt jüdischen Einwanderern aus aller Welt (Olim) automatisch die israelische Staatsbürgerschaft zu. Von der Staatsgründung bis 1961 kamen weitere 687.000 Neubürger in das Land, die jüdische Einwohnerschaft (Jischuv) verdoppelte sich damit.

So holte die Luftwaffe 1950/51 per Luftbrücke über 100.000 Juden aus dem Irak ins Land („Operation Esra und Nehemia“), durch eine ähnliche Aktion kamen in etwa dem gleichen Zeitraum fast 50.000 jemenitische Juden nach Israel („Operation Zauberteppich“). Der Zustrom jener stark arabisierten orientalischen Juden brachte Probleme für die Neu-Israelis und die bislang überwiegend aschkenasisch-westlich geprägte Gesellschaft des Landes mit sich. Lange Zeit blieben die orientalischen Juden in Politik und Gesellschaft unterrepräsentiert, eine, wenn auch zahlenmäßig starke Randgruppe.

Die Eingliederung so vieler Zuwanderer in so kurzer Zeit belastete auch die Ökonomie des Landes enorm. Abhilfe brachten hier unter anderem die nicht unerheblichen Wiedergutmachungsleistungen der jungen Bundesrepublik an Israel. In einem 1952 in Luxemburg unterzeichneten Abkommen verpflichtete sich Bonn zu Warenlieferungen im Werte von drei Milliarden Mark. Insgesamt zahlte der westdeutsche Staat bis Mitte der siebziger Jahre über sechzig Milliarden Mark an Israel und jüdische Organisationen.

Anfang der fünfziger Jahre, konkret am 23. August 1952, entstand in Nahost eine neue politische Situation. Ein Militärputsch der „Freien Offiziere“ hatte in Ägypten den probritischen König Faruk gestürzt. Das sich sozialistisch gebende Regime Nasser wurde der neue Favorit der Sowjets in der Region – und der Schrecken der alten Kolonialmacht England. Ihr blieb zunächst noch die Herrschaft über den Suez-Kanal, bis ägyptische Einheiten auch diesen letzten Posten des Empires im Juli 1956 übernahmen.

In einer konzertierten Aktion, Codename „Musketeer/Mousquetaire“, an der auch Israel wesentlichen Anteil haben sollte, wollten Briten und Franzosen die Initiative am Suezkanal zurückgewinnen. Wesentliche Vereinbarungen beschlossen Vertreter der drei Staaten am 24. Oktober 1956 in Sèvres bei Paris. Drei Tage später begannen israelische Elitesoldaten mit der Besetzung der Sinai-Halbinsel. Fallschirmjäger unter dem Kommando Ariel Scharons besetzten die Pässe östlich des Suez-Kanals und drangen nach Westen und Süden vor. Anfang November hatten die Israelis die gesamte Halbinsel unter Kontrolle.

Briten und Franzosen starteten ihre Aktion am 31. Oktober mit Luftangriffen gegen ägyptische Städte, am 5. November landeten Bodentruppen bei Port Said. Allerdings mußten sich alle Beteiligten schon am 6. November auf Druck der UNO zur Feuereinstellung verpflichten. London und Paris holte bis zum 22. Dezember seine Truppen zurück, und bis Mitte März 1957 räumte auch Israel das besetzte ägyptische Gebiet. Das Unternehmen war gescheitert.

Gemäß Resolution 1001 beschloß die UNO die Installierung einer Streitmacht (United Nations Emergency Force; UNEF) im Gaza-Streifen und auf der Sinai-Halbinsel, um die mutmaßlichen Hauptkontrahenten auseinanderzuhalten.

KarteDer Sechs-Tage-Krieg brachte die Sinai- Halbinsel ein weiteres Mal in den Besitz der Israelis.

Strategisch wichtig war auch die nunmehrige Kontrolle über die Westbank und die Golan-Höhen.

Das seit 1948 durch eine Mauer und Stacheldraht geteilte Jerusalem konnte wiedervereinigt werden.

















Ende der fünfziger Jahre formierte sich der Widerstand der arabischen Palästinenser gegen Israel. Im Oktober 1959 gründeten Exilanten in Kuwait die Fatah (arab.: Öffnung, Befreiung) mit Jasir Arafat an der Spitze. Die Fatah trat 1968 der PLO (Palestine Liberation Organization, gegründet 1964) bei und wurde deren militärischer Arm. Eine andere militante Palästinenser-Organisation war die 1967/68 gebildete PFLP 8 (Popular Front for the Liberation of Palestine) unter Führung von George Habash.

In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre spitzte sich auch die Lage an den israelischen Grenzen wieder zu. An der syrischen und jordanischen Demarkationslinie kam es zu Auseinandersetzungen mit palästinensischen Kommandos. Am 4. November 1966 schlossen Ägypten und Syrien einen offen gegen Israel gerichteten Beistandspakt, gleichzeitig rückten ägyptische Einheiten in das gemeinsame Grenzgebiet vor.

Die dort stationierten UNEF-Truppen forderte Kairo ultimativ zum Rückzug auf. Im Mai bezogen die Ägypter die geräumten Stellungen und blockierten gleichzeitig den Schiffahrtsweg zum Hafen Eilat. Mit Jordanien (30. Mai) und dem Irak (4. Juni) schloß das Nasser- Regime ebenfalls Verteidigungsabkommen. Vollmundig erklärte der ägyptische Staatschef am 28. Mai 1967, die arabischen Staaten seien für eine Konfrontation mit Israel gerüstet. Zu dieser kam es allerdings schneller, als es den Koalitionären recht war.

Am Morgen des 5. Juni 1967 zerstörten israelische Bomber in zwei gewaltigen Angriffswellen 300 ägyptische Kampfflugzeuge am Boden, gegen Mittag erfolgten weitere Einsätze gegen Syrien und Jordanien. Dabei wurden 50 beziehungsweise 28 feindliche Flieger vernichtet – 75 % der ägyptischen, 50 % der syrischen und 100 % der jordanischen Luftwaffe waren damit außer Gefecht gesetzt. Gleichzeitig rückten israelische Bodentruppen in den Gaza- Streifen ein, bereits am dritten Kriegstag war der Suez-Kanal erreicht und nach fünf Tagen die Sinai-Halbinsel besetzt. Im gleichen Zeitraum hatten die Israelis Ostjerusalem, die Westbank und die Golan-Höhen unter ihre Kontrolle gebracht.

Auf UNO-Vermittlung kam es am 10. Juni zum Waffenstillstand. Der Sechs-Tage-Krieg war vorbei, aber Israel zog sich nicht wieder hinter seine alten Grenzen zurück. An Opfern hatte die israelische Seite 679 Gefallene und 2.563 Verwundete zu beklagen. Ägypten verlor 11.500 Soldaten, Jordanien 6.094 und Syrien 170.


Das Stichwort: Israelische Luftwaffe

Das Wappen der israelischen LuftwaffeEin Garant des Erfolges im Sechs-Tage-Krieg war der effiziente Einsatz der israelischen Fliegerkräfte unter ihrem General Weizmann, dem späteren Staatspräsidenten des Landes.

Bereits 1946 überführten die in Palästina lebenden Juden 58 Spitfire-Jäger aus der Tschechoslowakei per Direktflug nach Ekron („Operation Velvetta“).

Während des Unabhängigkeitskrieges 1948/49 erwarb der junge Staat weitere 84 Jagdflugzeuge aus der Tschechoslowakei, die diesmal in zerlegtem Zustand ihren Bestimmungsort Ramad David erreichten („Operation Balak“). In den fünfziger und sechziger Jahren erwarb Israel vornehmlich französische Kriegsmaschinen vom Typ Dassault Mystère II C und Dassault Mirage III.

Das Lieferembargo der Franzosen ab 1967 veranlaßte Israel zur Eigenproduktion. Auf der Basis von durch Spionage erworbenen Plänen der Mirage III entstand der Typ Nesher der Israel Aircraft Industries (IAI). In den sechziger und siebziger Jahren kaufte Israel verstärkt US-Rüstungsgüter, ab 1968 die McDonnell Douglas F-4 Phantom II.

Mitte der siebziger Jahre entwickelte die IAI ein weiteres Jagdflugzeug auf Mirage- Basis (Kfir C 1). Die Produktion der letzten IAI-Maschine, Lavi, wurde 1988 aus Kostengründen eingestellt. Das Rückgrat der israelischen Luftwaffe bilden heute US-Maschinen der Typen McDonnell Douglas F-15 Eagle und GD F-16 Fighting Falcon.

Flugzeuge dieser Typen führten auch einen der spektakulärsten Einsätze der Luftwaffe in Friedenszeiten durch: am 7. Juni 1981 zerstörten sie den über 1.000 km entfernten irakischen Kernreaktor in Tuwaitha bei Bagdad. Nach drei Stunden kehrten alle zwei Dutzend Maschinen zum Luftwaffenstützpunkt Beer Sheva zurück. Einer der teilnehmenden Piloten, Jiftach Spektor, sollte 20 Jahre später nochmals Schlagzeilen ganz anderer Art machen.

Die israelische Luftwaffe ist ein Mythos und der Stolz der Nation – dass ausgerechnet aus ihren Reihen im Oktober 2003 Kritik am Vorgehen der Streitkräfte gegen mutmaßliche palästinensische Terroristen kam, löste heftige und kontroverse Diskussionen in Israel aus.

Immerhin 27 Kampfpiloten, darunter auch der Kriegsheld Spektor, inzwischen Brigadegeneral, weigerten sich, in Zukunft an solchen Einsätzen teilzunehmen. Schließlich kamen bei solchen Aktionen in allein den vergangenen drei Jahren 65 Zivilisten zu Tode.

Die israelische Regierung musste sich in diesem Zusammenhang unbequeme Fragen nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel im Kampf gegen den Extremismus gefallen lassen.

Der nach dem Sechs-Tage-Krieg erzielte Friede blieb trügerisch. So versenkte zum Beispiel die ägyptische Marine im Oktober 1967 den israelischen Kreuzer „Eilat“ im Mittelmeer. Die Scharmützel an den Grenzen hielten an.

1970 verstarb der ägyptische Präsident Nasser. Sein Nachfolger, der vormalige Kriegsminister Anwar al-Sadat, setzte zunächst die Politik seines Vorgängers fort. Einfluß auf Israel sollten auch die Ereignisse 1970/71 im Nachbarland Jordanien haben. Dort bildeten palästinensische Flüchtlinge inzwischen etwa 60 % der Bevölkerung. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der um ihren Einfluß fürchtenden Staatsmacht. Schließlich gingen Truppen König Husseins gegen die militanten Palästinenser vor.

Die offenen Kämpfe erreichten im September 1970 ihren Höhepunkt und hielten bis Juli 1971 an. Dabei starben etwa 20.000 Palästinenser. Nach den Ereignissen in Jordanien benannte sich eine extremistische arabische Terrororganisation „Schwarzer September“. Auf das Konto dieser Gewalttäter ging auch das Attentat auf die israelische Olympia-Mannschaft in München 1972 – elf Sportler, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen kamen bei der Geiselnahme und dem mißglückten Befreiungsversuch ums Leben.

Einen weiteren Krieg im Nahen Osten brachte das Jahr 1973. Noch im März hatte der Nahost-Experte Bassam Tibi in einer Publikation festgestellt:

Die ägyptische Armee kann keinen Frieden wollen; ihr liegt daran, den Kriegszustand aufrechtzuerhalten, sosehr sich das ägyptische Offizierscorps sich auch darüber im klaren ist, daß ein erneuter Krieg gegen Israel eine weitere Niederlage und eine umfassende Katastrophe bedeutet. Aber ohne die Betonung eines bevorstehenden Krieges kann die ägyptische Armee ihre Existenz und ihre mannigfachen Privilegien, kann sie ihr Militärregime nicht rechtfertigen.“ *

Bei einer Bevölkerung von seinerzeit 33,9 Millionen hatte Ägypten schätzungsweise 275.000 Mann unter Waffen. Israel konnte eine Armee in ähnlicher Größenordnung aufbieten – bei etwa 2,8 Millionen Einwohnern ein enormer Militarisierungsgrad der Gesellschaft.

Im 4. Nahostkrieg ergriffen die Araber zur völligen Überraschung der Israelis die Initiative. Am 6. Oktober, Jom Kippur jenes Jahres, drangen zwei ägyptische Armeen mit 1.000 Panzern über den Suez-Kanal vor und berannten im Norden die am Ostufer errichtete Bar-Lev-Linie. Diese nach dem israelischen Generalstabschef benannte Befestigung hielt dem feindlichen Druck an mehreren Stellen nicht stand.

Gleichzeitig versuchten syrische Truppen, die Golan- Höhen einzunehmen. Trotz des Schocks, den die Invasion in Israel zunächst auslöste, kam der Vormarsch beider Interventionsarmeen nach kurzer Zeit zum Stehen. Israels Armeen übernahmen die Initiative, und am 15. Oktober gelang es diesen sogar, über den Suez-Kanal vorzudringen und die bei Suez stationierte 3. Ägyptische Armee einzuschließen. Am 25. Oktober kam es zur Feuereinstellung.

Traurige Bilanz des Jom-Kippur-Krieges: 2.500 israelische Gefallene und 7.000 bis 8.000 Tote auf arabischer Seite. In der größten Panzerschlacht nach dem II. Weltkrieg blieben 1.000 israelische und 1.500 arabische, überwiegend ägyptische Tanks.

Obwohl Israel auch diese arabische Aggression abwehren konnte, folgte dem Jom-Kippur-Krieg Ernüchterung. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit der israelischen Armee war zerstört, die nunmehr entstandene Patt-Situation zeigte, daß der Nahost-Konflikt offensichtlich nicht mit Waffengewalt zu lösen war. Auch hatten die Volkswirtschaften aller an den Kriegen beteiligten Länder unter den ausufernden Rüstungsanstrengungen zu leiden. Im Jahre 1970 hatte Israel 20 % seines Bruttosozialproduktes (= 40 % des Jahreshaushaltes) für Militärausgaben aufgebracht, Ägypten wandte 1968 12,5 % auf. Noch bedrückender war für Israel der vergleichsweise hohe Verlust von Menschenleben.

Am 18. Januar 1974 unterzeichneten die Generalstabschefs Israels und Ägyptens das sogenannte 1. Disengagement-Abkommen, das ein Auseinanderrücken der Truppen beider Länder an der Waffenstillstandslinie vorsah. Am Ostufer des Suez-Kanals entstand eine UNO-Kontrollzone. Mit Syrien kam am 31. Mai 1974 ebenfalls ein Truppenentflechtungsabkommen zustande. Israel räumte daraufhin 633 km2 Land und die Stadt Kuneitra. Eine Wende im Verhältnis Israel-Ägypten deutete sich an, nachdem Sadat im März 1976 den Freundschaftsvertrag seines Landes mit der Sowjetunion aufkündigte und sich schrittweise den USA annäherte.

Innenpolitisch brachte das Jahr 1977 für Israel einen Wechsel in der Regierung. Nachdem seit 1948 ununterbrochen sozialistische Parteien und Koalitionen das Land regiert hatten, brachte die Knesset-Wahl mit dem Likud-Block erstmals ein konservatives Parteienbündnis an die Macht. Der neue Premier, Likud-Chef Menachem Begin, ehedem Mitglied der Untergrundbewegung Etzel und politisch ein „Falke“, war hauptsächlich mit den Stimmen der sephardischen Bevölkerungsgruppe gewählt worden.

KarteTrotz des überraschenden Vorstoßes der arabischen Armeen zu Beginn des Jom- Kippur-Krieges konnte die israelische Armee die eingedrungenen ägyptischen und syrischen Einheiten relativ rasch zurückdrängen.

Die nebenstehende Karte zeigt den Frontverlauf bei Abschluß der Waffenstillstandsabkommen.

Die diplomatische Annäherung zwischen Ägypten und Israel führte Anfang der achtziger Jahre zur schrittweisen Räumung der Sinai-Halbinsel.

Die Formel „Land gegen Frieden“ war, wie auch die Aufgabe israelischer Siedlungen, innenpolitisch nicht unumstritten.

Dass ausgerechnet der Hardliner Begin in den Dialog mit dem Erzfeind Ägypten eintrat, überraschte seinerzeit selbst ausgewiesene Nahost-Experten. Als Vermittler trat der amtierende US-Präsident Jimmy Carter auf. Am 11. November 1977 trat Ägyptens Präsident seine historische Reise nach Jerusalem an und sprach vor der Knesset.

Es dauerte allerdings noch ein Jahr, bis Israel und Ägypten am 17. September 1978 in der Nähe von Washington den sogenannten Rahmenvertrag von Camp David unterzeichneten. Am 26. März 1978 schlossen beide Staaten auch einen Friedensvertrag ab. Im Ergebnis beider Vereinbarungen zog sich Israel schrittweise von der Sinai-Halbinsel zurück.

Die Übereinkunft mit Ägypten war zwar ein entscheidender Schritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden in der Region – immerhin war damit das arabische Land ausgeschert, das bislang den Hauptanteil am Kampf gegen Israel getragen hatte. Aber gerade dieser Umstand verbitterte die übrige islamische Welt. Ägypten wurde isoliert, der „Separatfrieden“ mit dem „zionistischen Gebilde“ Israel verurteilt. Sadat schließlich fiel 1981 während einer Truppenparade einem Attentat islamistischer Militärs zum Opfer.

Im Jahr 1982 ließ sich Israel in den im Libanon tobenden Bürgerkrieg hineinziehen. Die ehemals blühende „Schweiz des Nahen Ostens“ wurde seit 1975 von schweren Kämpfen zwischen moslemischen und christlichen Kämpfern in ihren Grundfesten erschüttert. Der seit 1943 zwischen den beiden Volksgruppen bestehende Nationalpakt war durch den Zustrom der Palästina- Flüchtlinge nach dem „Schwarzen September“ zerbrochen, das annähernde demografische Gleichgewicht zerstört.

Anfang der achtziger Jahre hatte bereits Syrien, das Libanon ohnehin als Einflußbereich beanspruchte, auf moslemischer Seite in den Krieg eingegriffen. Auslösender Faktor für Israel, im Libanon zu intervenieren war die Tatsache, daß PLO-Einheiten vom Süden des Landes immer wieder das nördliche Israel attackierten.

Unter der Losung „Frieden für Galiläa“ drangen deshalb schließlich ab 6. Juni 1982 10.000 israelische Soldaten mit 1.000 Panzern in den Südlibanon vor. Drei Tage später standen die Einheiten vor Beirut. Die israelische Luftwaffe geriet in den östlichen Landesteilen wiederholt in Kämpfe mit den syrischen Luftstreitkräften. Dabei wurden ohne eigene Verluste 86 gegnerische Maschinen vernichtet. Am 11. Juni schlossen Israel und Syrien ein Waffenstillstandsabkommen.

In der Folgezeit verstärkte die israelische Armee im Verbund mit den libanesischen Falangisten den Druck auf das von moslemischen Gruppierungen und der PLO gehaltene West-Beirut. Ein elfstündiges Dauerbombardement am 12. August wurde erst nach telefonischer Intervention des US-Präsidenten Reagan eingestellt.

Das Engagement der israelischen Truppen im Libanon blieb auch im Inland umstritten. Hunderttausende Israelis gingen auf die Straße, um gegen den Krieg zu demonstrieren. Am 21. August schließlich begannen die PLO-Einheiten mit dem Abzug aus Beirut; Arafat selbst verließ die libanesische Hauptstadt am 30. August auf dem Seeweg. Bis zum Juni 1985 zog auch Israel, das sein Kriegsziel – das Ende der Präsenz der PLO im nördlichen Nachbarland – erreicht hatte, seine Soldaten zurück. Unter indirekter Kontrolle verblieb allerdings eine sogenannte Sicherheitszone im Südlibanon, die von christlichen Milizen beherrscht wird. Bis zur Gegenwart sickern allerdings immer wieder proiranische Hisb'ollah- und Dschihad (arab.: Heiliger Krieg)- Terroristen nach Israel ein und verüben Anschläge.

Ein Verkehrsunfall, bei dem ein israelischer LKW-Fahrer im Gaza-Streifen vier Araber tötete, löste im Dezember 1987 die sogenannte Intifada (arab. soviel wie „abschütteln“ – der israelischen Herrschaft) aus. Dieser „Krieg der Steine“ wurde zu einer jahrelangen permanenten Revolte zumeist jugendlicher Palästinenser, die in den besetzten Gebieten israelische Soldaten und Siedler attackierten. Zu einer Hauptstütze der Intifada entwickelte sich die Hamas-Bewegung. Hamas (arab.: „Begeisterung“ – für den Islam) ist eine bereits 1967 von Scheich Ahmed Jasin gegründete islamistische Bewegung.

Um den palästinensischen Widerstand zu spalten und die Dominanz der PLO zu brechen, billigte und duldete Israel zunächst Jasins Organisation. Diese errichtete dank großzügiger Spenden aus den Golfstaaten im Gaza-Streifen und der West-Bank eigene Schulen, Krankenhäuser und Moscheen. Hamas gewann damit zunehmenden Einfluß besonders unter jungen Arabern und forcierte die Renaissance eines betont nationalistischen und judenfeidlichen Islams unter den Palästinensern. Damit geriet auch die traditionell westlich orientierten christliche Minderheit in der arabischen Bevölkerung unter Druck. Gleichzeitig ging Hamas massiv gegen palästinensische „Kollaborateure“ vor.

KarteGegenwärtig hält Israel noch die Westbank (5.860 km2; 2,2 Mio. Araber, 187.000 jüdische Siedler), den Gaza- Streifen (360 km2; 1,2 Mio. Araber, 5.000 jüdische Siedler) und die Golan-Höhen (1.295 km2; 14.500 Araber, 20.000 jüdische Siedler) besetzt.

In Ost- Jerusalem leben 200.000 Araber und 177.000 Juden.

Die bis zu 15 km tiefe „Sicherheitszone“ im Südlibanon wurde im Juni 1985 von den israelischen Streitkräften geräumt.

Unversöhnlichkeit gab und gibt es aber auch auf jüdischer Seite. Den harten Kern bilden dabei besonders national-religiöse Gruppen unter den Siedlern in den besetzten Gebieten. Besonders die Likud-Regierungen förderten die Ansiedlung gerade von Neubürgern auf dem Golan, in der Westbank und im Gaza-Streifen. Einer jener Einwanderer war der in den siebziger Jahren aus den USA zugezogene Rabbi Meir Kahane; die Siedlung Kiryat Arba bei Hebron wurde Zentrum seiner ultranationalistischen Bewegung Kach.

Kahane fiel 1990 in New York einem Mordanschlag zum Opfer. Sein Sohn Benjamin führte Kach zunächst unter dem Namen „Kahane lebt“ weiter, bis die israelische Regierung am 13. März 1994 die Organisation verbot. Der Zusammenbruch des Ostblocks 1989/90 veränderte allmählich auch die Situation im Nahen Osten. In kleinen Schritten bewegten sich Israel, die noch feindlich gesinnten arabischen Nachbarn und die PLO aufeinander zu.

Am 30. Oktober 1991 kam es in Madrid erstmals zu offiziellen Gesprächen zwischen den Kontrahenten auf hoher Ebene. Israels Ministerpräsident Jizhak Shamir auf der einen und die Außenminister Syriens, Libanons und Jordaniens sowie PLO-Vertreter auf der anderen Seite verhandelten zunächst ohne greifbare Ergebnisse. Aber der historische Dialog war immerhin eröffnet.

Bei den Wahlen zur Knesset 1992 errang die oppositionelle Arbeitspartei den Sieg. In einer Rede am 3. September erteilte der neue Premier Jizhak Rabin der Idee eines Groß-Israel eine Absage und zeigte sich kompromißbereit, um den Friedensprozeß in der Region zu forcieren. Ein Jahr später marschierten israelische Einheiten allerdings nochmals in den Libanon ein. Die vom 25. bis 31. Juli 1993 andauernde „Operation Abrechnung“ sollte die fortgesetzten Angriffe der proiranischen Schiitenmilizen gegen Nordisrael unterbinden. Der Erfolg blieb allerdings aus. Auch weiterhin gelang es der Hisb'ollah immer wieder, Terrorakte und Überfälle in Israel zu verüben.

Obwohl allein im ersten Vierteljahr bei palästinensischen Anschlägen 13 Israelis und bei israelischen Gegenaktionen 60 Araber umgekommen waren, gelang 1993 der Durchbruch bei den israelisch-palästinensischen Gesprächen. Nach Geheimgesprächen in Norwegen unterzeichneten beide Seiten, vertreten durch Premier Rabin und PLO-Chef Arafat, am 13. September in Washington den Grundlagenvertrag zum Gaza-Jericho-Abkommen.

Israel billigte darin unter anderem eine palästinensische Selbstverwaltung im Gaza-Streifen und in der Stadt Jericho. Der Grundlagenvertrag trat am 13. Oktober des Jahres in Kraft. Einige Fragen blieben allerdings zunächst ungelöst, so die Größe des Bereiches Jericho und die Kontrolle der Außengrenzen des Autonomiegebietes. Israel ließ deshalb die für den 13. Dezember festgelegte Frist eines Truppenabzuges aus dem Gaza-Streifen verstreichen.

In Gefahr geriet der Friedensprozeß auch, als am 25. Februar 1994 ein israelischer Siedler in einer Hebroner Moschee 29 Araber ermordete und 270 weitere verletzte. Vierzig Tage darauf töteten Hamas-Aktivisten im nordisraelischen Afula acht Israelis. Auch in der Folgezeit fielen – und fallen – immer wieder Israelis mörderischen Anschlägen zum Opfer.

Dennoch unterzeichneten Rabin und Arafat am 4. Mai 1994 in Kairo das Gaza- Jericho-Abkommen. Auch mit Jordanien nahm Israel durch ein Treffen zwischen Rabin und König Hussein normale Beziehungen auf: beide Repräsentanten kamen am 26. Oktober 1994 in Arava zusammen. Dabei wurde unter anderem die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Rückgabe von 380 km2 Land durch Israel an Jordanien vereinbart.

Die Fortschritte des Friedensprozesses begleiteten allerdings weiterhin zahlreiche Anschläge palästinensischer Extremisten. Die – unvollständige – Chronik des Schreckens: 6. April 1994 - sieben Tote, 52 Verletzte in Afula, 19. Oktober 1994 - 23 Tote, 40 Verletzte in Tel Aviv, 22. Januar 1995-18 tote israelische Soldaten, 50 Verletzte bei zwei Selbstmord-Attentaten in Netanya, 9. April 1995 - zehn Tote und 45 Verletzte bei zwei Anschlägen im Gaza-Streifen, 21. August 1995 - fünf Tote, 101 Verletzte in Tel Aviv, 25. Februar 1996 - 27 Tote und 80 Verletzte in Jerusalem und Askalon, 3. März 1996 - 19 Tote und 80 Verletzte in Jerusalem, 4. März 1996 - 20 Tote, 90 Verletzte in Tel Aviv...

Obwohl diese Terrorserie in weiten Teilen der israelischen Öffentlichkeit Zweifel am Versöhnungskurs der Regierung Rabin verstärkten, unterzeichneten am 28. September 1995 Israelis und Palästinenser in Washington das sogenannte Oslo-B-Abkommen. Das Kernstück der Vereinbarung bildet der schrittweise Abzug der israelischen Armee aus den größeren Städten des Westjordanlandes. Konkret bezog sich diese Regelung auf Jenin, Nablus, Tulkarem, Kalkilja, Ramallah, Bethlehem und den überwiegenden Teil Hebrons.

Auch 450 kleinere Ortschaften und Siedlungen sollten nach und nach einer palästinensischen Zivilverwaltung abgegeben werden. Die Likud-Opposition, national-religiös eingestellte Israelis und besonders der Siedlerrat für Judäa, Samaria und Gaza (Jescha) lehnten diese Erweiterung des Autonomiegebietes als „Verrat“ ab. Premier Rabin, ehedem gefeierter Kriegsheld von 1948 bis 1967, erschien ihnen zunehmend als „Ausverkäufer“ jüdischer Interessen, die Polemik gegen ihn nahm zu und gipfelte in Darstellungen, die den Ministerpräsidenten in Nazi-Uniform zeigten.

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Zahlreiche offene oder schwelende Konflikte im Nahen Osten und den angrenzenden Regionen lassen diesen Teil der Welt auch in der Gegenwart nicht zur Ruhe kommen.


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„Absurdistan“: Die Abkommen von Oslo und Wye Plantation mündeten 2003 in eine sogenannte „Road Map“, die bis 2005 zur Bildung eines palästinensischen Staates führen soll. Aktuell ist dieses „Staatsgebiet“ allerdings ein lebensunfähiger Flickenteppich. Kontraproduktiv für den Staatsbildungsprozeß ist auch die anhaltend offensive israelische Siedlungstätigkeit und der Bau eines sogenannten Sicherheitszaunes.

Auf einer Kundgebung in Tel Aviv am 4. November 1995 – 100.000 Menschen bekundeten ihren Willen zum Frieden, – schoß ein jüdischer Extremist Jizhak Rabin nieder. Der Premier erlag wenige Stunden später seinen schweren Verletzungen. Die Bluttat schockte zum Ausgleich gewillte Juden und Araber gleichermaßen. Zunächst übernahm Außenminister Shimon Perez die Regierungsgeschäfte.

Die Knesset bestätigte am 22. November 1995 den Interims-Premier, der die Politik seines Vorgängers fortsetzte. Nach Angriffen von Hisb'ollah-Milizen auf Galiläa startete Israel am 11. April 1996 eine Offensive gegen mutmaßliche Stellungen der Gruppierung im Süd- und Zentral-Libanon (Operation „Früchte des Zorns“). Bei den Kampfhandlungen starben auch rund 160 Libanesen.

Als am 18. April auch das UNIFIL-Lager Kana bei Tyrus von israelischen Granaten getroffen wurde, kamen dabei 102 Zivilisten und einige UN-Soldaten ums Leben. Nach einem Waffenstillstandsabkommen mit Libanon und Syrien zogen sich die Israelis am 26. April 1996 wieder zurück. Mit seinem harten Kurs im Libanon wollte Perez nach Ansicht vieler Beobachter auch gegenüber der nicht verstummenden Kritik an der israelisch-palästinensischen Annäherung
Entschlossenheit demonstrieren.

Dennoch unterlag der Premier bei der ersten Direktwahl eines Ministerpräsidenten in der israelischen Geschichte am 29. Mai 1996: Shimon Perez erhielt 49,51 % der abgegebenen Stimmen, sein Herausforderer Benjamin Netanjahu 50,49 %. Damit übernahm auch der bislang oppositionelle Likud-Block die politische Führung im Lande. Netanjahu, ein erklärter Gegner des Abkommens mit den Palästinensern, fror zunächst alle Kontakte mit diesen ein. Die Autonomiegespräche gerieten ins Stocken, erst am 4. September traf der neue Premier mit Arafat am Checkpoint Erez zu einem Gespräch zusammen. Greifbare Ergebnisse jedoch blieben aus. Wichtige Fragen wie zum Beispiel der israelische Teilabzug aus Hebron, der bereits seit dem 28. März überfällig war, harrte weiter einer Klärung.

Trotz des deutlich verschlechterten Klimas in den israelisch-palästinensischen Beziehungen einigten sich Netanjahu und Arafat am 15. Januar 1997 schließlich doch noch auf eine Kompromißformel im Streit um Hebron. Viele Probleme sind dennoch ungelöst und bergen für die Zukunft erhebliches Konfliktpotential. Dazu gehört neben dem Streitfall Hebron der Status von Ost- Jerusalem.

Das Stichwort: Stolpersteine: Hebron und Jerusalem

Die Stadt Hebron ist für Juden und Moslems gleichermaßen von hohem symbolischen Wert. Hier befinden sich der biblischen Überlieferung zufolge die Grabstätten von Abraham, Isaak und Jakob und von Sara, Rebekka und Lea. An ihrer Stelle erhebt sich seit Jahrhunderten eine Moschee, die allen drei Religionen heilig ist, Anfang 1994 allerdings Ort eines blutigen Anschlags wurde.

Hebron zählt heute etwa 180.000 arabische Einwohner, inzwischen leben auch wieder ungefähr 500 Juden in der Stadt. Zum Schutz dieser betont provokativ und militant auftretenden Siedler waren bislang bis zu 2.000 israelische Soldaten in Hebron stationiert. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich mehrere israelische Siedlungen. Die größte von ihnen, Kirjat Arba, zählt 6.500 Einwohner und ist ein Zentrum radikal-nationalistischer Juden. Hebron ist nicht nur der Patriarchen wegen vielen Israelis ein nationales Heiligtum. Hier residierte König David, bevor er Jerusalem eroberte. Und hier kamen 1929 bei einem arabischen Aufruhr 67 Juden ums Leben.

Die Araber wiederum verehren den ersten Sohn Abrahams, Ismael, als ihren Stammvater (vgl. 1. Mose 16 und 25, 12-16). Entsprechend groß ist die Ehrfurcht der Muslime vor dem Grab der Patriarchen. Die Regelung vom Januar 1997 sieht vor, daß etwa 80 % Hebrons unter palästinensische Verwaltung gestellt werden (H1). Die übrigen 20 % der Stadt (H2) umfassen allerdings das historische Zentrum, den Markt und die Patriarchen- Grabstätte. Hier lebende Araber bleiben weiterhin erheblichen Restriktionen unterworfen, die dem Sicherheitsbedürfnis der jüdischen Siedler geschuldet sind. Diesen wiederum geht der erzielte Kompromiß zu weit.

Durch die weit verbreitete Frustration und Aggressivität auf beiden Seiten sind, so scheint es, zukünftige Konflikte vorprogrammiert. Ebenso kompliziert ist die Situation in Jerusalem. Für die Israelis gibt es bezüglich des politischen Status der Stadt nichts zu verhandeln. Sie betrachten die seit 1967 wiedervereinigte Stadt als unteilbare Kapitale des Landes. Die Palästinenser freilich erheben politischen Anspruch auf die islamischen Stätten in der historischen Altstadt. Jahrhundertelang hatten hier Juden, Christen und Moslems auf engsten Raum zusammengelebt.

Zu den ersten Versuchen, sich außerhalb der Mauern anzusiedeln, gehörten die 1860 beziehungsweise 1874 gegründeten jüdischen Quartiere Yemin Moshe und Mea Shearim. Auch arabische Viertel wie Talbieh und Katamon entstanden in der Westjerusalemer Neustadt. Der erste israelisch-arabische Krieg von 1949 hinterließ ein geteiltes Jerusalem. Die in der nunmehr jordanisch verwalteten Altstadt lebenden Juden mußten ihr Wohngebiet verlassen, der berühmte jüdische Friedhof am Fuße des Ölbergs wurde geschändet. Aus Westjerusalem waren die Araber bereits gegen Ende der britischen Mandatszeit verdrängt worden.

Im Sechstagekrieg verlor Jordanien mit dem Westjordanland auch Ost- Jerusalem an Israel. Per Gesetz erklarte die Knesset 1981 Jerusalem als Ganzes zur Hauptstadt lsraels – „auf ewig“. In der Stadt leben heute etwa 657.500 Einwohner, davon sind nur noch 170.000 Palästinenser. Als 1996 das jüdische Jerusalem seine offizielle 3000-Jahr-Feier zelebrierte, spielten denn auch die Araber und ihr über1.300jähriger Anteil an der Stadtgeschichte keine Rolle. Den palästinensischen Bemühungen, wenigstens über einen Bruchteil Jerusalems Souveränität zu erlangen, hat Israel bislang stets eine strikte Absage erteilt. Im Gegenteil, seit einiger Zeit nehmen jüdische Siedlungstätigkeiten südöstlich von Jerusalem wieder zu.

Das Stichwort: Der Felsendom

Symbol moslemisch-arabischer Ansprüche auf Jerusalem ist die Omar-Moschee, umgangssprachlich auch „Felsendom“ genannt. Der Bau geht auf den Kalifen Omar zurück, der die Heilige Stadt 638 eroberte. Die Moschee erhebt sich auf dem Berg Moria, das einst die jüdischen Tempel trug.

Sie überspannt einen Felsen, der höchste religiöse Verehrung geniesst: Hier soll der Überlieferung nach der Patriarch Abraham bereit gewesen sein, seinen Sohn für Gott zu opfern (1. Mose, 22). Und nach islamischer Tradition ist dies der Ort, zu dem der Prophet Mohammed seine „Nachtreise“ (arab.: isra) antrat, um gen Himmel zu fahren (arab.: miradsch; vgl. 17. Sure, 1).

Gottesdienste finden in der Omar- Moschee nicht statt. Dazu dient die südlich davon gelegene Al-Aksa-Moschee. Den ursprünglich schlichten Holzbau des „Felsendoms“ lies der von Damaskus aus regierende Kalif Abd al-Malik 691 durch das noch heute bestehende Oktogon mit prächtiger Goldkuppel ersetzen. Da er sich mit einem in Mekka residierenden Gegenkalifen auseinandersetzen mußte, stärkte al-Malik die Rolle Jerusalems als wichtige islamische Pilgerstätte. Die Kreuzfahrer hielten die Omar-Moschee irrtümlich für den Tempel Salomons, der Templerorden nahm das Bild des Bauwerks deshalb in sein Siegel auf.

Nachdem Jordanien 1948 Ost-Jerusalem besetzte, hoffte der amtierende König Abdallah als neuer Schutzherr der islamischen Stätten wie ehedem al- Malik auf Prestigegewinn in der arabischen Welt. Seine Rolle wurde ihm zum Verhängnis: ein palastinensischer Attentäter erschoß den Großvater König Husseins 1951 auf dem Tempelberg.

Extremistischen jüdischen Gruppierungen war die so exponiert gelegene Moschee schon lange ein Dorn im Auge – es sollte Platz geschaffen werden für den III. Tempel. Anfang der 80er Jahre gab es Vorbereitungen für einen Sprengstoffanschlag, den israelische Ermittlungsbehörden allerdings vereitelten.

Wie sensibel die arabische Seite auf vermeintliche israelische Versuche reagiert, den Frieden des religiösen islamischen Bezirks zu stören, zeigen die schweren Ausschreitungen vom 24. September 1996. Zu blutigen Unruhen kam es, als die israelischen Behörden einen antiken Tunnel im Bereich der östlichen Altstadt der Offentlichkeit zugänglich machten. Die Palästinenser sahen darin eine Gefährdung der islamischen Stätten, 84 Menschen starben bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften in Ost- Jerusalem und im Autonomiegebiet.

Der Felsendom auf einer Briefmarke aus der britischen Mandatszeit (Originalreproduktion, vergrößert)Als im September 2000 der damalige Oppositionsführer Ariel Sharon medienwirksam den Tempelberg „besuchte“, empfanden dies die Palästinenser als bewußte und geplante Provokation: die „Al-Aksa-Intifada“ brach los, der Beginn einer erneuten permanenten Revolte gegen die israelische Besatzungsmacht.

Dennoch, auch unter der konservativen Regierung Netanjahu riß der israelisch- palästinensische Gesprächsfaden nie ganz ab, und hinter den Kulissen wirkte die Geheimdiplomatie weiter. lm Ergebnis dieser Bemühungen wurde am 23. Oktober 1998 in Wye Plantation bei Washington D.C. ein Memorandum zur weiteren Umsetzung des Gaza-Jericho-Abkommens geschlossen.

Entscheidende Impulse für die Fortführung des stockenden Normalisierungsprozesses versprach aber erst die Wahl zur 15. Knesset am 17. Mai 1999. Ehud Barak, der Kandidat des sozialdemokratisch dominierten Wählerbündnisses „Ein Israel“, setzte sich mit 56 % Stimmenanteil gegen Benjamin Netanjahu (43,9 %) durch. Barak, ehemaliger Innenminister im Kabineft Rabin, war mit dem Versprechen angetreten, die Politik der Ausgleichs mit den Palästinensern sowie den arabischen Anrainern wieder aktiver fortzuführen.

Selbst die Gespräche mit den nach wie vor feindlich eingesteliten Syrern gingen diskret in eine neue Runde. Damaskus allerdings macht Fortschritte von einer bedingungslosen Rückgabe des gesamten Golans, verbunden mit einem sofortigen kompletten Rückzug der israelischen Einheiten, abhängig. Optionen, die zeitweilig für das auf seine äußere Sicherheit bedachte Israel nicht mehr völlig ausgeschlossen scheinen.

Die im Gaza-Jericho-Abkommen und den Folgeverträgen vereinbarte schrittweise Ausdehnung des palästinensischen Autonomiegebietes auf weitere Teile der Westbank kommt allerdings nach wie vor nicht voran. Im Gegenteil: seit der „Al-Aksa-Intifada“ hat Israel fast alle Ansätze einer palästinensischen Autonomie und Infrastruktur zerstört. Der 2003 geplante „Sicherheitszaun“ im Westjordanland fragmentiert die Selbstverwaltungsgebiete weiter, so das ein selbständiger und lebensfähiger Palästinenser-Staat illusorisch bleibt.

Anderseits hat sich die Autonomiebehörde mit Präsident Arafat an der Spitze bislang als unfähig erwiesen, eine effektive Verwaltung aufzubauen und denTerror militanter Gruppen gegen Israel einzudämmen. Internationale Hilfsgelder versickerten im Gestrüpp einer undurchdringlichen Bürokratie, deren zweifelhafte Segnungen besonders Arafat-nahen Exilgruppen zugute kamen.

Die hohe Arbeitslosigkeit und das Fehlen jeglicher Zukunftsperspektive verfestigt die ablehnende Haltung der meisten Palästinenser gegenüber dem Staat Israel und sorgt dafür, das militante Islamisten ständigen Zulauf erhalten – oft genug eben von enttäuschten jungen Leuten, die auch vor Selbstmord- Attentaten nicht zurückschrecken.

Unter den gegenwärtigen Umständen jedenfalls ist eine weitere Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern, Juden und Arabern in fast unerreichbare Ferne gerückt. Nichts, so scheint es, vermag im Augenblick die Kette von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen.

Symbolpolitik: Palästina wird Mitglied der UNO

138 der 193 Uno-Mitglieder stimmten am 29.11.2012 für eine Anerkennung Palästinas als "Staat mit Beobachterstatus" bei der UNO.  Neun stimmten dagegen. 41 enthielten sich, darunter Deutschland. Das Ergebnis gilt als internationaler Erfolg für die Palästinenser, weil eine einfache Mehrheit von 97 Staaten genügt hätte. Inwiefern der Schritt den Friedensprozess im Nahen Osten beeinflusst, bleibt abzuwarten.

 

Auszüge aus dem Buch "Jüdische Kultur und Geschichte" von Peter Ortag, das Sie bei uns bestellen oder als PDF downloaden können.

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Kommentare

Das ganze Palästina soll es sein

So detailliert der kenntnisreiche Bericht auch ist hat er doch ein wesentliches Manko, das in einer unscheinbaren Formulierung verborgen ist: "Dennoch akzeptierten die Zionisten in ihrer Mehrheit den UNO-Beschluß [von 1947], die arabische Seite blieb bei einem kompromißlosen „Alles oder nichts“. Dieses weit verbreitete Bild hat sich (leider) bis heute gehalten. Formal stimmt die erste Hälfte des Satzes, dass die Zionisten den Plan hingenommen haben." Aber: Nur der Form halber, nie dem eigentlichen Sinn nach. Staatsgründer Ben-Gurion schrieb schon 1937: "Ich bin mir sicher wir werden auch in allen anderen Teilen des Landes siedeln [...]. Wir errichten jetzt erst einmal einen jüdischen Staat, auch wenn er sich nicht über das ganze Land erstreckt. Der Rest wird mit dem Lauf der Zeit kommen. Es muss kommen." (Zitat) Im selben Jahr vor dem Zionistischen Kongress: "In many parts of the country new Jewish settlements will not be possible unless there is a transfer of the Arab peasantry." (Zitat) Im April 48, also noch vor Beginn des offiziellen Krieges, schrieb BG an seinen künftigen Aussenminister Scharett: "Von Tag zu Tag weiten wir unsere Besatzung aus. Wir erobern weitere Dörfer, und wir haben gerade erst begonnen." So klingt keiner, der sich vor einem arabischen Angriff fürchtet. Nein, der Plan war von Beginn an die Eroberung Palästinas. In den Worten des späteren Premiers Eshkol: "Ziege um Ziege, Hektar um Hektar".
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israel

Als aussenstehender Beobachter stelle ich beim lesen fest, dass grundsätzlich wieder einmal die Engländer, Franzosen und die UNO versagt haben. Was als moralisch nach den 2. Weltkrieg erschien ist aus heutiger Sicht einfach falsch gewesen. Was mich aber am meisten ärgert ist die Tatsache, das jegliche kritik an israel als antisemitisch oder ähnlich eingestuft wird. Das ist bequem und einfach. Hilft aber nicht.
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Re: israel. Wann ist Israel-Kritik antisemitisch?

Sehr geehrter Gast,

mit Ihrem "Ärger" beschäftigt sich seit einigen Jahren die Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel an der Technischen Universität Berlin. Sie schaut sich an, wo und wie sich in unserer Sprache  Antisemitismus ausdrückt.

In Ihrem Kommentar schreiben Sie, dass Sie sich darüber ärgern, dass "jegliche Kritik an Israel als antisemitisch oder ähnlich eingestuft wird." Genau das ist jedoch nicht der Fall, denn es gibt inzwischen sehr genaue Instrumente, um zu erkennen, wann eine Kritik an Israel antisemitisch ist und wann nicht. Schwarz-Friesel hat das schon 2012 in einem Interview zum Israel-Gedicht von Günter Grass betont. Auf die Frage des Moderators: Wann wird denn eine Kritik an Israel antisemitisch?, antwortete sie:

Genau in dem Moment – und hier möchte ich kurz noch vorher darauf hinweisen, dass diese Feststellung, die seit vielen Jahren durch die Medien geistert, man könne diese beiden Phänomene nicht klar voneinander abgrenzen, die stimmt einfach nicht. Aus strikt wissenschaftlicher, textanalytischer Sicht können wir diese beiden Texttypen sehr klar voneinander abgrenzen. Ich habe bislang noch nie einen Text von einem souveränen Journalisten oder Politiker gesehen, der tatsächlich ernsthafte Israelkritik übt, so scharf sie auch sein mag, dem man dann Antisemitismus vorwirft. Aber jemand, der nur so tut, als ob er Israel kritisiert, tatsächlich aber alte Klischees und Ressentiments bedient, benutzt, und jetzt kommt die Sprache ins Spiel, automatisch auch eine sehr verräterische Sprache. Er dämonisiert, er delegitimiert, er stellt Realitäten falsch dar."

Bequem und einfach haben es sich die Forscher nicht gemacht. Schwarz-Friesel und ihr Team haben rund 14.000 Briefe, Postkarten und E-Mails gelesen, die zwischen 2002 bis Anfang 2012 aus der deutschen Bevölkerung an den Zentralrat der Juden in Deutschland und an die israelische Botschaft in Berlin geschrieben wurden. Eine Rezension des daraus entstandenen Buches finden Sie hier. Die Ergebnisse sind ganz schön hilfreich.

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