Leichte Sprache

Erfahrungen eines Ortsvorstehers

Interview mit Bernd Binder, Ortsvorsteher von Döllingen (Gemeinde Plessa, Landkreis Elbe-Elster), und stellvertretender Bürgermeister von Plessa.

Apfeltag 2006

Herr Binder, wie sind Sie Ortsvorsteher von Döllingen geworden und gleichzeitig stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Plessa?

Döllingen wurde im Jahre 2002 nach einem Bürgerentscheid als ein Ortsteil in die Gemeinde eingegliedert. Wir haben ja in Döllingen nur 448 Einwohner, da konnten wir keine selbständige Gemeinde mehr bleiben. Dann kam die Kommunalwahl 2003. Ich habe mit anderen zusammen eine Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) gegründet. Denn ich kannte viele, die keine Partei wählen wollten, weil sie den Eindruck hatten, dass sich Parteimitglieder manchmal mehr ihrer Parteidisziplin unterwerfen als wirklich für die Interessenvertretung der Bürger da zu sein. Als Unabhängige Wählergemeinschaft hatten wir deshalb viele Stimmen bei der Wahl. Durch die Kommunalwahl kam ich in den Ortsbeirat Döllingen und auch in die Gemeindevertretung von Plessa. Im Ortsbeirat wurde ich als Ortsbürgermeister (künftige Bezeichnung: Ortsvorsteher) gewählt und in der Gemeindevertretung von Plessa als stellvertretender Bürgermeister – ehrenamtlich.

Was können Sie denn als Ortsvorsteher von Döllingen entscheiden?

In erster Linie verstehe ich mich als Bindeglied zwischen den Bürgern von Döllingen und der Amtsverwaltung und der Gemeindevertretung von Plessa. Ich kann hier meine Meinung einbringen und finde Gehör. Zum Beispiel geht es in der Gemeindevertretung Plessa um den Gemeindehaushalt. Wir haben hier festgeschrieben, dass in Döllingen ein neuer Feuerlöschteich gebaut wird und die Finanzen dafür zur Verfügung gestellt werden. Auch für den Pomologischen Schau- und Lehrgarten garten – hier stehen auf 3 Hektar Land 143 verschiedene Obstsorten – und für das Blütenfest und die Apfeltage haben wir uns engagiert und Finanzen bereit gestellt. Döllingen ist dafür ja in ganz Brandenburg und weit darüber hinaus bekannt. Finanzen für den Friedhof, für das Kriegerdenkmal haben wir auch sicher gestellt. Oder das Kulturkraftwerk Plessa: Früher war ich ja nicht so dafür, aber inzwischen hat sich im Kulturkraftwerk sehr viel getan und wir wollen schließlich noch viel mehr daraus machen.

Wie viel Zeit brauchen Sie denn für diese Tätigkeit?

In der Woche so 2-3 Stunden. Aber oft auch mehr. Das ist ganz klar: Wenn wir Blütenfest, Apfeltage oder Schützenfest haben, geht sehr viel Zeit drauf. Aber das sind natürlich auch große Höhepunkte, zu denen auch sehr viele Menschen von außerhalb kommen.

Wie sieht es denn bei Ihnen mit der Einbeziehung junger Leute aus?

Da liegt mir sehr viel dran. Wir haben ja für Jugendliche viel Geld zur Verfügung gestellt, zum Beispiel für den Jugendklub Döllingen und den Jugendklub Plessa-Süd. Die Jugend hat letztlich etwas von den Beschlüssen, die wir gefasst haben. Und es wäre wirklich sehr schön, wenn wir mehr jüngere Leute in die Gemeindevertretung bekommen könnten. Eigentlich sind wir schon ganz gut durchmischt, was das Alter in der Gemeindevertretung betrifft. Aber Jugendliche sind immer willkommen – sie können auf unsere Wahl-Liste, sie können sich aber auch einzeln zur Wahl stellen oder eine neue Wählerinitiative gründen. Dazu gehört dann aber doch schon eine Menge Einsatz, einfacher ist es, auf die Liste einer schon bestehenden Organisation zu kommen.

 

Landeszentrale, Februar 2008

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