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Land und Leute

Flächenmäßig groß, aber dünn besiedelt. Seine Bewohner gelten als wortkarg, packen jedoch an, wenn es drauf ankommt. Das Land gehört zu den "neuen" Ländern, hat aber eine alte Geschichte. Brandenburg ist ein Land mit vielen Gesichtern, die es zu entdecken gilt.
© Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

Das Land Brandenburg ist das flächenmäßig größte Land der neuen Bundesländer. Rund 2,46 Millionen Menschen leben in Brandenburg. Sitz der Landesregierung ist Potsdam. Insgesamt unterteilt sich Brandenburg seit der Neubildung der Landkreise 1993 in 14 Landkreise und vier kreisfreie Städte.

Wie lange diese Einteilung noch gilt, wird sich zeigen. Momentan gehört die Reform dieser Gliederung zu den am heftigsten umstrittenen Vorhaben der Landesregierung. Wegen der sinkenden Bevölkerungszahlen will sie die Anzahl der Kreise reduzieren und die Kreisfreiheit der Städte Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) abschaffen. Nur die Landeshauptstadt Potsdam soll ihren selbständigen Status behalten. Ziel ist eine effizientere Verwaltungsstruktur.

Das heutige Brandenburg beruft sich auf eine lange Tradition. Seine Geschichte beginnt mit der Gründung der Mark Brandenburg im Jahr 1157. Zu den ursprünglich hier lebenden Slawen und Germanen kamen in den folgenden Jahrzehnten vor allem Flamen und Holländer als Neusiedler ins Land. Die meisten Städte Brandenburgs entstanden in dieser Zeit, im 12./13. Jahrhundert. Neu errichtete Kirchen und Klöster verbreiteten den christlichen Glauben im Land. Während manche Traditionen bis heute tief verwurzelt sind, trifft dies nicht auf die Religiösität der Brandenburger zu. Brandenburg zählt heute zu den am wenigsten religiösen Regionen in der Welt.


Preußische Identitäten

Sehr wichtig für die Identität der Brandenburger ist bis heute die Herrschaft der Hohenzollern, die von 1415 bis 1918 an der Macht blieben. Unter ihnen entstand das Königreich Preußen, dessen Kernland Brandenburg war.

Mit Preußen werden ganz unterschiedliche Traditionen verbunden. Auf der einen Seite steht der „preußische Militarismus“ mit seinem Machtanspruch und einer Gesellschaft, die sehr stark vom Militär geprägt war. Auf der anderen Seite werden die so genannten preußischen Tugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit und Toleranz betont. Die Könige Preußens waren von 1871 an zugleich auch Kaiser des Deutschen Reiches.

In der Zeit der Hohenzollern kamen viele Neusiedler aus ganz Europa nach Preußen. Die wohl bekanntesten sind die Hugenotten, die vor religiöser Verfolgung aus Frankreich nach Brandenburg flohen. Die neuen Bewohner brachten ihr Handwerk, Wissen, Kunst, Geschick, ihre Traditionen und kulturellen Besonderheiten mit und veränderten das Land nachhaltig. Auch neue Kulturpflanzen, wie Spargel, Blumenkohl, Tabak und Kartoffeln kamen so nach Brandenburg.


Kriegserfahrungen

Die beiden Weltkriege bildeten einen tiefen Einschnitt in der preußisch-brandenburgischen Geschichte.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Monarchie in Deutschland abgeschafft und damit auch die Herrschaft der Hohenzollern beendet. Preußen wurde zum Freistaat, der in der Weimarer Republik als Pfeiler der Demokratie galt, aber schon 1932 der deutschen Zentralregierung unterstellt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Staat Preußen aufgelöst. Das Land Brandenburg, das 1947 entstand, wurde nach nur fünf Jahren aber wieder aufgelöst und ging in der DDR in den Bezirken Potsdam, Frankfurt/ Oder und Cottbus auf.

Als Folge des Krieges verlor Brandenburg ein Drittel seines Gebietes an Polen. Die dort noch lebende deutsche Bevölkerung musste die Gebiete verlassen. Auch aus anderen Teilen Europas wurden Menschen nach dem 2. Weltkrieg vertrieben. Mehr als 750.000 Menschen suchten in Brandenburg einen Neuanfang. Fast jede Familie machte Erfahrungen mit Flucht und Vertreibung.


Brandenburg auf dem Weg

Am 3. Oktober 1990 erfolgte die Neugründung des Landes Brandenburg im Zuge der deutschen Wiedervereinigung. Die rasanten gesellschaftlichen Umbrüche, die es seitdem gab, sind wohl kaum mit einem andere Zeitraum in der Geschichte Brandenburgs zu vergleichen.

Das politische System, die Rechts- und Sozialordnung veränderten sich grundlegend. Zugleich gehörte Brandenburg als Teil des vereinigten Deutschlands der Europäischen Union an. Mit der Umstellung von der Plan- auf Marktwirtschaft, vom zentralistischen Herrschaftssystem auf rechtsstaatliche und demokratische Strukturen, von einer nicht-öffentlichen Gesellschaft zu einer offenen Zivilgesellschaft eröffneten sich vielfältige Perspektiven, aber auch viele Probleme.

Der sogenannte Brandenburger Weg, ein Handlungskonzept, das versuchte, alle politischen Kräfte nach der Wiedervereinigung für den Neuanfang des Landes zu bündeln, prägte Brandenburg in dieser Zeit nachhaltig.
 

"Die übergroße Mehrheit der Brandenburger (86 %) findet die Idee der Demokratie im Vergleich zu anderen Staatsideen gut. (...) Während die Mehrheit der Brandenburger mit dem Funktionieren des politischen Systems in der Bundesrepublik insgesamt nicht zufrieden ist, ist die Mehrheit mit dem politischen System im Land Brandenburg, so wie es tatsächlich funktioniert zufrieden (61 %)."

Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag der Enquete-Kommission des Landtags Brandenburg
"Das DDR-Bild der Bevölkerung des Landes Brandenburg", 24. November 2011, S. 32.


Die politischen Veränderungen betrafen alle Bereiche der Gemeinschaft. Sie griffen zugleich tief in das Privatleben fast jedes Brandenburgers ein. Einerseits stand nun jedem die seit dem Mauerbau 1961 versperrte Welt offen. Andererseits mussten sich viele teils unter komplizierten Bedingungen beruflich neu orientieren; ganze Indiustriebetriebe wurden praktisch über Nacht geschlossen. Vor allem junge Menschen verließen in dieser Zeit Brandenburg, um in den alten Bundesländern eine neue Lebensperspektive zu finden. Erst in den letzten Jahren ist eine leichte Rückkehrbewegung zu beobachten.

Manche Problemlage erweist sich bis heute als nicht so leicht zu bewältigen, wie es in der Euphorie der Anfangsjahre schien. Dies betrifft zum Beispiel den Wirtschaftsstandort Brandenburg. Es fehlen große und internationale Unternehmen.

Doch die Brandenburger sind stolz auf das, was sie in den letzten Jahrzehnten erreicht haben. Wohl nicht zuletzt auch deshalb haben sie bislang alle Vereinigungspläne mit Berlin abgelehnt.

Brandenburger gelten als wortkarg. Sie reden nicht viel, packen aber an, wenn es drauf ankommt. Weiß man dies und hat die wunderbare Landschaft einmal für sich entdeckt, dann erschließt sich ein äußerst vielfältiges Land, das ständig in Bewegung ist, um sich selbst zu verbessern.


Landeszentrale, Juni 2016

 

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Kommentare

Brandenburg - fleißiger und innovativer Partner im Bund

Unser Land Brandenburg hat kein schlechtes Image, es hätte aber ein noch viel besseres verdient. In Kombination mit der Metropole Berlin mimt das Flächenland Brandenburg oftmals den ländlichen Gegensatz, oft genug aber auch den stadtnahen Wirtschaftsstandort. Wie viele Unternehmen sind in Brandenburg neu gegründet worden oder aus Berlin ins Umland gezogen? Wie viele Familien sind aus der Großstadt in den "Speckgürtel" gezogen? Die Lebensqualität im Lande Brandenburg hat sich durch den Einsatz und Durchhaltewillen der alteingesessenen Brandenburger – und auch der zugezogenen Neu-Brandenburger – rapide verbessert. Brandenburg ist nicht mehr "JWD", sondern ein innovatives und fleißiges Land, etabliert sich als Dienstleistungs-, Produktions- und sogar Medienstandort. Babelsberg mit seinen Studios, Potsdam und viele Randberliner Gemeinden mit eigenen Werbe- und Webdesign-Agenturen, Ingenieurs- und Maschinenbaubetrieben sowie zahlreichen Hochschulen. Ich glaube, das Erfolgsrezept für Brandenburg ist die enge Partnerschaft mit Berlin. Man braucht einander und ist gemeinsam stark. Leider wird immer wieder aus lokalpolitischem Kalkül Politik GEGENeinander anstatt MITeinander gemacht. Aber ich glaube, sogar das wird in letzter Zeit besser.
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An den Baum gegurkt

In Brandenburg, in Brandenburg ist wieder jemand an den Baum gegurkt. So wird das Land von außen wahrgenommen. Viel Wald, auch Wölfe, und Menschen, die vor lauter Arbeitslosigkeit und Naziblödheit nicht wissen, was sie sonst machen sollen, außer Auto fahren, schnell, und dabei an den Baum zu gurken. Wenn was besser wird, dann jedenfalls nicht auf dem Land, in der Uckermark, an der Grenze zu Polen und und und. Brandenburg - fleißiger und innovativer Partner im Bund. Was ist das? Warm up für die Wahlen?
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Imagefrage

ich denke die Fremdwahrnehmung ist längst nicht mehr so schlecht, wie hire geschildert. Es überwiegen Tourismusangebote, die Nähe zur Berlin, der erwähnte Speckgürtel und damit auch die Alternative für Unternehmen sich eben in diesem Speckgürtel anzusiedeln. Dadurch entstehen die dringend benötigten Arbeitsplätze im Mittelstand die Grundvoraussetzung für die Attraktivität eines Standortes in Augen möglicher Bürger sind. Hinzu kommt wie aktuell erst wieder bestätigt, das die Kaufkraft in diesen Regionen gestärkt wird durch niedrige Lebenskosten, was ebenfalls für eine gesteigerte Attraktivität sorgen kann.
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I also think the foreign

I also think the foreign perception is not as bad as the one depicted. There are tourism offers and the proximity to Berlin as well. As a result, the urgently needed jobs in the middle class are the basic prerequisites for the attractiveness of a location in the eyes of potential citizens. On top of that, there is also the fact that the purchasing power in these regions is being strengthened by low life costs, which can also increase the attractiveness. [gelöscht von admin. Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln, hier insbesondere Punkt 2. Please respect our netiquette (No. 2)]

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