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Das Wahlrecht

Es gibt zwei Wahlsysteme, die in Deutschland bei Wahlen eine Rolle spielen: die Mehrheitswahl – oder auch Personenwahl – und die Verhältniswahl. Diese beiden Systeme werden häufig auch kombiniert. Personalisierte Verhältniswahl wird das dann genannt.
Paragraphen

Es kann nur einen geben: Die Mehrheitswahl

Das Prinzip der Mehrheitswahl: Das Wahlgebiet wird in so viele Wahlkreise aufgeteilt, wie Mandate zu vergeben sind. Die Kandidatin oder der Kandidat, die oder der die meisten Stimmen der Wähler im jeweiligen Wahlkreis bekommt, gewinnt ein Direktmandat. Es gibt also nur eine „Siegerin“ oder einen „Sieger“. Die anderen Kandidaten gehen leer aus, und die für sie abgegebenen Stimmen fallen unter den Tisch. In Ländern, die strikt nach dem Mehrheitswahlrecht wählen, bildet sich häufig ein Zweiparteiensystem heraus.

Eine Mehrheitswahl wird auch für die Direktwahl von Bürgermeistern und Landräten angewendet, bei der man sich dann mit einer Stimme für eine Person entscheidet, wobei für einen Wahlsieg in der Regel eine absolute Mehrheit, also mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen benötigt wird.

Jeder kriegt seinen Anteil: Die Verhältniswahl

Grundlage für die Verhältniswahl sind die Wahllisten von Parteien, politischen Vereinigungen und Listenvereinigungen, die vor der Wahl festgelegt werden. Darauf stehen die Kandidaten, die für die Partei ins Parlament einziehen wollen. Die Wähler geben ihre Stimme der Liste einer Partei.

Bei der Auszählung bekommen die Parteien so viele Sitze im Parlament, wie ihr nach dem prozentualen Anteil ihrer Wählerstimmen zustehen. Also: Wer 35 Prozent der Stimmen errungen hat, bekommt 35 Prozent der Sitze. Diese werden an die Kandidaten auf den Listen verteilt. Vorteil dieses Wahlsystems ist, dass das politische Meinungsspektrum der Wähler relativ unverzerrt im Parlament abgebildet wird – durch diese genaue Verhältnisrechnung haben mehr Parteien gute Chancen, ihre Wähler im Parlament vertreten zu können, und es gehen weniger Stimmen verloren. Ein Beispiel für eine reine Verhältniswahl sind die Europawahlen.

Nachteil ist: Wenn zu viele Parteien ins Parlament einziehen, erschwert das die Regierungsbildung. Denn es müssen sich Koalitionen aus vielen Parteien bilden, damit eine Gruppe im Parlament mehrheitsfähig ist. Dadurch kann das Parlament instabil werden – man spricht auch von zersplittert –, was die parlamentarische Arbeit erschwert. Um dies zu verhindern, wird häufig ein Mindeststimmanteil verlangt (z.B. die Fünf-Prozent-Hürde bei Bundestags- und Landtagswahlen), den eine Partei erzielt haben muss, um auch mit Abgeordneten im Parlament berücksichtigt zu werden.

Die Mischung macht’s: Personalisierte Verhältniswahl

Die personalisierte Verhältniswahl wird zum Beispiel bei der Bundestagswahl und der Landtagswahl in Brandenburg angewendet. Mit der Erststimme wird nach dem Prinzip der Mehrheitswahl gewählt, und die Kandidatin oder der Kandidat mit den meisten Stimmen im Wahlkreis gewinnt. Bei der Abgabe der Zweitstimme gilt, dass alle Sitze auf die Parteien im Verhältnis zu ihren Stimmen aufgeteilt werden.

Dadurch werden die Vorteile der beiden Systeme verknüpft: Es ist gewährleistet, dass die Wähler einen regionalen Vertreter ins Parlament schicken können und somit einen Ansprechpartner haben. Zudem wird der Wille der Wähler im Parlament ziemlich genau abgebildet.

 

Quelle: Wissen kompakt: Wahlen, Landtag Brandenburg, Juni 2013

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