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Sonderausstellung
6. November 2016, 16.00 Uhr - 18. Juni 2017, 18.00 Uhr

Die Exekutionen müssen unauffällig im nächstgelegenen Konzentrationslager durchgeführt werden

Fotos der vor 75 Jahren im KZ Sachsenhausen ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen

Erstmals präsentiert die Ausstellung die vollständige Serie von 68 Fotos, die die Opfer der größten Massenmordaktion im KZ Sachsenhausen unmittelbar vor ihrer Ermordung zeigen und die von Häftlingen aus dem KZ geschmuggelt wurden. Die Fotos werden von Darstellungen zu ihrer Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte gerahmt.

Am 22. Juni 1941 überfiel das nationalsozialistische Deutschland die Sowjetunion und entfesselte einen rassistisch und antisemitisch motivierten Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Nach den von der Wehrmacht vorbereiteten Befehlen sollten alle in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen sowjetischen „Kommissare“, dazu zählten insbesondere alle Juden, „Intelligenzler“, Funktionäre der kommunistischen Partei, alle „Aufwiegler“ und „unheilbar Kranken“, sofort hinter der Front ausgesondert und erschossen werden.

Auch die in den Stammlagern der Wehrmacht bereits internierten Kriegsgefangenen wurden nach diesen Kriterien selektiert und in das nächstgelegene KZ überstellt. Nach Oranienburg, wo die „Inspektion der Konzentrationslager“ die gesamte Mordaktion organisierte, transportierte die Wehrmacht in den Monaten September bis November 1941 mehr als 13.000 sowjetische Kriegsgefangene. Innerhalb von nur zehn Wochen wurden im KZ Sachsenhausen mehr als 10.000 von ihnen in einer automatisierten „Genickschussanlage“ im Industriehof ermordet. Rund 3.000 Kriegsgefangene waren bereits bei den Transporten oder vor den von der SS beabsichtigten Exekutionen in den Baracken verstorben.

Die Fotoserie, die im Zentrum der Ausstellung steht und deren Originale sich heute im Staatsarchiv Prag und im Mährischen Museum Brünn befinden, zeigt die entkräfteten und in zerlumpte Uniformen gekleideten sowjetischen Kriegsgefangenen unmittelbar vor ihrer Ermordung. Die Bilder wurden von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken angefertigt. Mit den Fotos „slawischer Untermenschen“ sollte der rassistische Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion gerechtfertigt werden, wie die Ausstellung am Beispiel von Plakaten und Broschüren zeigt, in denen Motive der Bilder verwendet wurden.

Die Häftlinge, die die Bilder beim Erkennungsdienst in der Politischen Abteilung des KZ Sachsenhausen entwickeln mussten, nahmen die Negative an sich. Bei der Räumung des Lagers im April 1945 gelang es ihnen, die Negativrolle mit auf den Todesmarsch zu nehmen und auf diese Weise die einzigartigen Bilddokumente aus dem Lager herauszuschmuggeln. Die vom Berliner Büro „chezweitz“ gestaltete Ausstellung porträtiert auch den tschechischen Häftling und Fotografen Jaroslav Šklíba, der maßgeblich daran beteiligt war, dass die bedeutendsten fotografischen Zeugnisse aus dem KZ Sachsenhausen für die Nachwelt erhalten geblieben sind.

Eröffnung: Sonntag, 6. November 2016, 16 Uhr

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Kommentare

Kurz vor der Erschießung von Nazis porträtiert

Auf dem Foto ist ein Junge zu sehen, vielleicht 16, 17 Jahre alt. Über den Schultern trägt er eine alte Zeltplane gegen Kälte und Regen. „Dieses Bild hat mich am meisten erschüttert“, sagt Sabine Sieg am Freitag. Der Junge sei so voller Leben und sie, die Betrachterin, wisse, dass sein Schicksal längst besiegelt gewesen sei.

Der Junge wurde ermordet, kurz nachdem dieses Foto entstand. Der Name des Jungen ist nicht bekannt. Er ist einer jener 10.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Herbst 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen kamen und dort innerhalb kurzer Zeit auf perfide Art umgebracht wurden.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25036766 ©2016

Auf dem Foto ist ein Junge zu sehen, vielleicht 16, 17 Jahre alt. Über den Schultern trägt er eine alte Zeltplane gegen Kälte und Regen. „Dieses Bild hat mich am meisten erschüttert“, sagt Sabine Sieg am Freitag. Der Junge sei so voller Leben und sie, die Betrachterin, wisse, dass sein Schicksal längst besiegelt gewesen sei.

Der Junge wurde ermordet, kurz nachdem dieses Foto entstand. Der Name des Jungen ist nicht bekannt. Er ist einer jener 10.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Herbst 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen kamen und dort innerhalb kurzer Zeit auf perfide Art umgebracht wurden.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25036766 ©2016

Auf dem Foto ist ein Junge zu sehen, vielleicht 16, 17 Jahre alt. Über den Schultern trägt er eine alte Zeltplane gegen Kälte und Regen. „Dieses Bild hat mich am meisten erschüttert“, sagt Sabine Sieg am Freitag. Der Junge sei so voller Leben und sie, die Betrachterin, wisse, dass sein Schicksal längst besiegelt gewesen sei.

Der Junge wurde ermordet, kurz nachdem dieses Foto entstand. Der Name des Jungen ist nicht bekannt. Er ist einer jener 10.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Herbst 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen kamen und dort innerhalb kurzer Zeit auf perfide Art umgebracht wurden. [...]

Die Fotos sind lebensgroß auf „Voile“ gedruckt, einem gazeartigen Stoff, und von beiden Seiten sichtbar. Sie hängen in Reihen in dem Ausstellungsraum, so dass man den Eindruck bekommt, auf Augenhöhe einer riesigen Menschenmenge zu begegnen, erklärt der Ausstellungsmacher Detlef Weitz. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25036766 ©2016

Die Fotos sind lebensgroß auf „Voile“ gedruckt, einem gazeartigen Stoff, und von beiden Seiten sichtbar. Sie hängen in Reihen in dem Ausstellungsraum, so dass man den Eindruck bekommt, auf Augenhöhe einer riesigen Menschenmenge zu begegnen, erklärt der Ausstellungsmacher Detlef Weitz. [...]
 

Auszug aus dem Kommentar von Katrin Bischoff in der Berliner Zeitung vom 6.11.2016

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