Leichte Sprache
Podiumsdiskussion
27. April 2016, 18.00 Uhr

Frauenrechte sind Menschenrechte

Die Situation geflüchteter Frauen in Brandenburg
Frauen bei einer Demonstration

Weltweit sind über 80 Prozent der Flüchtenden Frauen. Die meisten fliehen innerhalb ihres Landes oder in Nachbarstaaten. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Geflüchteten weiblich. Viele der Frauen, die in Deutschland ankommen, sind traumatisiert. Oft haben sie sexuelle Übergriffe und Gewalt erlebt und tragen während ihrer Flucht die Verantwortung für ihre Kinder.

Wie sind die Bedürfnisse geflüchteter Frauen? Welche durch internationale Standards garantierten Rechte haben sie und wie spiegelt sich dies in Unterbringung, Versorgung, Beratungsangeboten und dem gesamten Asylverfahren wider?

Brandenburg steht, wie alle Bundesländer bei der Bewältigung der Fragen von Willkommen, Unterbringung, fairen Asylverfahren und Integration vor großen Herausforderungen. Wie ist die Lage vor Ort, was hat die Politik bisher regeln können und was ist noch zu tun? Wie kann sich jede einzelne Bürgerin und jeder Bürger einbringen, damit ein gutes Miteinander gelingt?

Gäste:

Moderation:

  • Sabine Tischendorf, Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und in der Flüchtlingsarbeit engagiert

 



Nachgefragt

Die Landeszentrale hat nach der Veranstaltung mit Sabine Tischendorf und Geraldine Mua Ikia gesprochen. Beide machen sich für die Rechte von Frauen stark.


Sie beide engagieren sich besonders für die Rechte von Frauen. Warum?

Weil es notwendig ist. Leider, so muss man sagen, weil die Rechte von Frauen eben noch nicht überall zum Standard des menschlichen Miteinanders gehören. Frauenrechte sind zwar allgemeine Menschenrechte, aber die Realität sieht sehr oft anders aus. Gewalt gegen Frauen ist weltweit eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen. Nehmen Sie die aktuelle Situation geflüchteter Frauen. 50 Prozent aller Flüchtlinge weltweit sind Frauen und Mädchen. Sie sind viel häufiger Gewaltsituationen ausgesetzt als Männer, auch hier in Deutschland. Deshalb ist es notwendig, auf die Rechte der Frauen besonders hinzuweisen und darüber zu sprechen. Und das trifft nicht nur auf geflüchtete Frauen zu.

Wie sieht die Situation in Brandenburg aus?

Genaue Zahlen für Übergriffe auf Frauen in deutschen Flüchtlingsunterkunften gibt es nicht. In Brandenburg gab es aber 2014 eine Untersuchung in den 28 Gemeinschaftsunterkünften des Landes. Sozialarbeiter und geflüchtete Frauen, die dort untergebracht waren, wurden nach Gewalterfahrungen in den Heimen befragt. Während die Sozialarbeiter*innen bestätigt haben, dass es Gewalt von Männern gegen Frauen gab, haben die Frauen selbst gar nichts dazu gesagt. Viele Frauen wissen schlichtweg auch gar nicht, an wen sie sich wenden könnten.

Sie kennen die Situation geflüchteter Frauen aus Ihrer Arbeit gut. Was wünschen sich Frauen, die hier in Brandenburg ankommen? Welche Vorstellungen haben sie?

Das sind ganz grundlegende, menschliche Dinge. In erster Linie geht es um Sicherheit. Die geflüchteten Frauen wünschen sich einen sicheren Lebensraum, in vielen Fällen aber auch eigenständige Verdienstmöglichkeiten und Ansprechpartnerinnen für ihre Lebensfragen. Die Möglichkeit, sich an eine muttersprachliche Therapeutin zu wenden, ist ebenso wichtig.

Muss man eine Ausbildung haben, wenn man sich für geflüchtete Frauen engagieren will? Wo kann man sich informieren, wenn man in seinem Heimatort aktiv werden will?

Warum macht Ihr eine Ausstellung und jetzt noch eine eigene Veranstaltung zu Frauenrechten?"
(Frage eines Besuchers der Landeszentrale)

Nein, es ist keine Ausbildung notwendig, wenn man sich engagieren will. Hilfreich sind die vielen Informationsangebote vom Land, den Kommunen und vielen Organisationen. Wissen und manchmal auch nur das Gespür für Unterschiede zwischen den Kulturen sind gute Voraussetzungen. Kenntnisse zum aktuellen Asylrecht helfen im Umgang mit den geflüchteten Menschen. Die Kommunen haben einen Überblick über aktive Organisationen. Somit findet dort jede und jeder Möglichkeiten, sich in der eigenen Nachbarschaft einzubringen.

Wo sehen Sie momentan den größten Handlungsbedarf im Umgang mit geflüchteten Frauen in Brandenburg?

Hier vor Ort wünschen wir uns für allein reisende Frauen und Kinder separate Unterkünfte. Der größte Handlungsbedarf besteht aber unserer Meinung nach in der Absicherung der Fluchtwege. Das heißt, bereits auf der Flucht müsste dafür gesorgt werden, dass Frauen gar nicht erst Gewalterfahrungen machen.
 

Landeszentrale, April 2016
 

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Kommentare

Warum macht Ihr was zu Frauen?

Warum macht Ihr eine Ausstellung und jetzt noch eine eigene Veranstaltung zu Frauenrechten?"

Dies hatte uns ein Besucher gefragt, als er die Landeszentrale besuchte. Wir haben bei Sabine Tischendorf und Geraldine Mua-Ikia nachgefragt. Sie waren Gäste auf der Veranstaltung der Landeszentrale und setzen sich insbesondere für die Rechte geflüchteter Frauen ein.

 

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