Alles ist erreichbar?

Mit Bus oder Bahn mal schnell in die Prignitz oder aus der Uckermark nach Potsdam? Da kommst du nicht hin oder erst später. Warum werden kreative Alternativen nicht angepackt?, fragt sich Danilo Zoschnik.

"Alles ist erreichbar." - mit diesem Motto wirbt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg für sich. Ich selbst habe kein Auto und würde die Reichweite von Bus und Bahn in Brandenburg aus eigener Erfahrung mit einem schlichten „Da kommst du nicht hin“ beschreiben.

Ich bin nur mit Fahrrad, Tram und Zug unterwegs und möchte auch in Zukunft keinen Führerschein machen. Deshalb ärgert es mich auch besonders, dass der VBB-Spruch so weit von der Realität entfernt ist.

Ein paar Minuten in der Verkehrs-App und ich finde Orte in Brandenburg mit Regionalbahnhöfen, wo auch mal 4 Stunden kein Zug fährt oder man 3 Stunden mit 3 Umstiegen braucht, um zur 60 Kilometer entfernten Kleinstadt zu kommen. Selbst Kreisstädte wie Neuruppin sind manchmal so angebunden, dass man für eine Fahrt nach Potsdam mehrmals am Tag beim Umsteigen 50 Minuten am Gleis stehen muss. Alles erreichbar?

Öffis nutzen, bedeutet zu oft Frust. Dabei sind sie viel umweltfreundlicher, sicherer, machen weniger Lärm und sparen superviel Platz, der für die Gemeinschaft zur Verfügung stehen würde.

Frust - und was passiert jetzt?

Immer wieder sagen mir Gleichaltrige, dass sie gern ohne Auto mobil wären, ihr Alltag dann aber entweder mit vielen Einschränkungen oder zu viel Stress verbunden wäre. Gerade Leute aus der Uckermark oder Prignitz, mit denen ich spreche, haben sehr begrenzte Verkehrsmöglichkeiten. Sie können nicht mal eben in die S-Bahn hüpfen, es fährt keine Straßenbahn und nachts noch nach Hause zu kommen, ist Wunschdenken. Es sei denn, man fährt mit dem Auto.

Ja, die Bahn baut an Strecken und neue Züge sollen auch angeschafft werden, aber mir geht es um die Zeit dazwischen. Was passiert, bis das alles da ist? Es gibt kreative Alternativideen, aber sie werden nicht angepackt. Warum nicht?: Digitalisierung des Takts, Reaktivierung vorhandener Gleisstrecken, neue Regionalbahnanschlüsse, neue Zugklassen, kreisübergreifende Buslinien, ein Radweg-Ring um Berlin und mehr.

Ich glaube daran, dass das alles erreichbar ist. Um aber junge Leute in ihrer Region zu halten, ihnen mehr Eigenständigkeit zu ermöglichen und gleichzeitig neue Verkehrskonzepte wirklich umzusetzen, um das Klima zu schützen, braucht es schnelle Maßnahmen. Jetzt.

 

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Danilo Zoschnik

Danilo Zoschnik ist in Eberswalde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt will er Lehrer werden und studiert Politische Bildung an der Uni Potsdam. Er ist Politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Brandenburg.

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Seit Anfang 2019 lebe und arbeite ich in der Schweiz.

Was für ein Unterschied im öffentlichen Personennahverkehr zu Deutschland! Flächendeckende Versorgung (auch in die entlegensten Tälern und Regionen), durchgehende Fahrkarten und vernetzter (!) sowie dichter Taktfahrplan.
 
Dienstlich war ich schon häufiger in Japan: Ein Musterbeispiel für den öffentlichen Schienenverkehr: Sauber, pünktlich und schnell. Sehr schnell. Mit funktionierenden Klimaanlagen in den Zügen. Ja, auch in Vorortzügen. Mit 10 Minuten Takt auf Fernstrecken. Verspätungen? Nicht ohne Entschuldigung der Verantwortlichen. Und, die U-Bahn ist gar nicht so voll.
 
Mein Appel an die Politiker: Geld ist genug vorhanden, die Steuereinnahmen sprudeln, bitte investieren. Gerne auch schnell investieren und im ausreichenden Umfang. Und bitte, bitte ohne die Einführung neuer Steuern und ohne neue Schulden. Geht doch in anderen Ländern auch. 

 

Lieber Danilo,
ich bin am überlegen, ob ich im September, das erste Mal überhaupt, grün wählen soll. In einigen Punkten kann ich mich mit dem Wahlprogramm nicht anfreuden, aber Du hast Recht, wenn du auf die Plakate in Bernau schreibst: Hallo Neustart.
Das brennenste Thema überhaupt, welches sich anscheinend alle Parteien auf die Fahne geschrieben haben (warum eigentlich SPD und Linke? Sind die nicht an der Regierung?), ist der 10 Minuten Takt der S-Bahn. Alleine wenn man sich den Verkehrsplan Brandenburg ansieht, steht bis ins Jahr 2030 nichts geschrieben, dass überhaupt eine Taktveränderung in Aussicht gestellt wird. Wie willst du das ändern? Der Schienenersatzverkehr funktioniert nicht, die Züge fallen aus oder sind anstatt wie versprochen 5 Wagen nur 3 oder oder oder. Also lieber Danilo wie willst du es schaffen den 10 Minuten Takt vor dem Jahr 2030 hinzubekommen?
Viele Grüsse
René

Interesssante Punkte, die hier aufgemacht werden! Bin ganz gespannt wie das dann nach der Landtagswahl aussehen wird. Allerdings bin ich in Bezug darauf echt nicht sicher, ob man sich freuen soll oder Angst haben muss.
LG aus Potsdam - mag den Stil

Die Probleme sind gut erkannt. Aber sie treffen in der Tat genau in der Form auch die älteren Semester. Ich habe zwei Töchter und fahre täglich Auto: Hort, Arbeit, Einkauf, Ergo- und Logotherapie, Tanzen, Turnen, Schwimmen. Das ginge vielleicht auch ohne Auto. Aber es wäre nicht praktikabel. So schade das ist. Ich hoffe, dass Tickets erschwinglich werden und die Zuverlässigkeit sich verbessert! Immer auch gut den Spiegel vorgehalten zu bekommen.

Finde die aufgezählten Ideen voll gut. Alle reden immer nur über Pünktlichkeit, manchmal noch überfüllte Züge. Aber der ländliche Raum braucht schnell bessere Möglichkeiten. Ein paar der Genannten sind wirklich interessant
Grüße

Bus und Bahn sind ja sehr wichtig. Gerade für die, die aus welchem Grund auch immer kein Auto fahren (können). Aber ich muss zugeben das ich noch oft das Auto nutze. Im Sommer und Winter ist mir das lieber. Aber vielleicht wird das ja auch attraktiver

Einfach nur gut! Macht Spaß beim Lesen :)

Danke! Ich bin Auzubi und würde mich mega freuen, wenn so die Verkehrszukunft aussieht. Jetzt gibt es ja schon ein günstiges Ticket. Aber diese Rabatte haben noch nicht alle, die es brauchen. Da muss noch was geschehen. Und natürlich muss wirklich die Anbindung verbessert werden. Immer nach Berlin und wieder raus, kann so nerven

Alles ist erreichbar??? Mein Dorf leider nur 2 mal täglich, nicht nach 15 Uhr. An Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien gar nicht.
Selbst wenn es einen Bus gibt, ist es ärgerlich allein in einem Dieselbus zu sitzen. Mindestens 2 Punkte müssen sich an diesen Verhältnissen ändern. 1.: anstatt neue Dieselbusse anzuschaffen, auf C02-neutrale Alternativen setzten. 2. Busse (&Bahn etc) attraktiver machen, indem beispielsweise WLAN eingerichtet wird. Oder ÖPNV im Verkehr bevorzugt behandelt wird und sich die Ampelschaltung nach Bussen und Trams richtet. Und weil es eben noch dauert bis wir wirklich jedes Dorf mit ÖPNV erreichen, sollte man Fahrräder mit in Busse nehmen dürfen! Ich spinne mal weiter: eine Fahrradtransportbox hinter jedem Bus :D das wäre ein Traum!

Es gibt im Land Brandenburg noch zu viele Unterschiede bei der Entwicklung des ÖPNV. Schon im Landtag fängt es an: Die Abgeordneten betonen gebetsmühlenartig, dass sie für eine Verbesserung des ÖPNV stehen - im ÖPNV-Gesetz des Landes steht dieser aber als "Freiwillige Selbstverwaltungsaufgabe der Landkreise und Kommunen". Eine Veränderung dieser Passage im Gesetz wurde durch die Abgeordneten abgelehnt. In den Landkreisen gibt es auch große Unterschiede - das fängt schon in denen an, die an Berlin grenzen und auch "fernere" Regionen zu versorgen haben. Ich kann dazu nur empfehlen, sich an den Landkreis zu wenden und sich für eine Mitarbeit im Nahverkehrsbeirat zu interessieren. In manchen Landkreisen ist dann festzustellen, dass es diesen (der im Übrigen lt. Brandenburger ÖPNV-Gesetz auch freiwillig ist) überhaupt nicht gibt. Aus meiner Sicht ist er jedoch unverzichtbar!

Schade, dass das nicht schon alles früher angefangen hat. Die Ideen hier klingen ja gut. Aber es wird alles sehr lange dauern, bis es wirklich besser wird. Mit Baustellen, die dann alle viele Nerven kosten und so weiter. Das hätte man vor 10 oder 20 Jahren kommen sehen müssen, dass der Speckgürtel wächst und Anbindung für die Prignitz und Co nicht vom Himmel fallen

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