Der Ball ist Schland?

Im Interview mit der Internetredaktion der Tagesschau blickt Klaus Theweleit zurück: „Der DFB war jahrzehntelang ein strukturell komplett konservativer Verband. Die Ansage gegenüber den Migrantenkindern war: ‚Wir wollen euch nicht!‘“ Erst mit dem Amtsantritt von Theo Zwanziger habe ein „radikales Umdenken“ eingesetzt. Mittlerweile setze der DFB „Maßstäbe in Sachen Integration“. Ein Ergebnis der Integrationspolitik sei die heutige „Internationalmannschaft“, die sich durch „undeutsche Tugenden“ wie Spielwitz und Kreativität auszeichne.

Der von Klinsmann und Löw etablierte neue Stil begeistert selbst jene, die früher wenig mit der eigenen Nationalmannschaft anfangen konnten, weil ihnen der deutsche Rumpelfußball zuwider war. Das schwarz-rot-goldene Fahnenmeer bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 wird dabei in der linken Szene durchaus unterschiedlich eingeschätzt. Manches scheint mir hier etwas dick aufgetragen. Gleichwohl ist kaum zu bestreiten, dass der sympathische Party-Patriotismus auch üble Zeitgenossen anzieht und mit allerlei Dämlichkeiten verbunden ist.

Auch Klaus Beier hat eine Deutschlandfahne an seinem Auto. Und einen schwarz-rot-goldenen Aufkleber. Trotzdem blickt er ziemlich miesepetrig drein. Auf die Frage des Panorama-Journalisten, ob er sich denn freue, wenn Mesut Özil ein Tor schieße, antwortet der Pressesprecher der NPD: „Wir haben keine Meinungsfreiheit in Deutschland. Deswegen können wir uns zu dieser Thematik momentan nicht äußern.“ Ach so. [

Links:

Philip Banse: Deutschland während der WM: ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer, DRadio Wissen vom 02.07.2010, ca. 7 Min

Sehr zu empfehlen: die aktuelle Ausgabe der Lotta mit dem Schwerpunktthema „Fußball, Rassismus und extreme Rechte“

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