Die Hälfte der Macht den Frauen

Frauen haben nicht weniger Bock zu gestalten als Männer, meint unser Blogger Danilo Zoschnik. Die Ursachen für den Mangel an Frauen in politischen Ämtern sieht er woanders.

Aktuell liegt der Anteil der weiblichen Landtagsabgeordneten in Brandenburg bei nur 38,6 Prozent und ist damit sogar niedriger als in den beiden vorherigen Wahlperioden. Das ist kein Schönheitsmakel, sondern stellt die Demokratie vor echte Legitimationsprobleme. Nicht zuletzt weil in Brandenburg mehr Frauen als Männer leben.

Auf kommunaler Ebene, in den Städten und Gemeinden, steht es oft noch schlimmer um die Repräsentanz von Frauen. Im Potsdamer Oberbürgermeister*innen-Wahlkampf, den ich intensiv miterlebt habe, gab es erneut weniger als ein Drittel kandidierender Frauen. Was tief blicken lässt: Einige politisch aktive Freundinnen meinten damals zu mir, sie würden sich ein Amt oder Mandat auf lokaler Ebene wohl eher nicht antun. Der Grund - überwiegend alte Männer in den Gremien, die dann noch ein dominantes Redeverhalten an den Tag legen und auch mal ganz unverschämt anzweifeln, ob eine Frau sich denn überhaupt kompetent zu beispielsweise verkehrspolitischen Fragen äußern könne. Selbst auf Podien und bei Diskussionsrunden mit und von Jugendlichen sind diese Muster oft sichtbar.

Wie sollen junge Frauen Lust bekommen, sich einzubringen, wenn es in manchen Wahlkämpfen ausschließlich Männer sind, die auf Plakaten um Stimmen werben? Wie wollen wir Missstände wie die anhaltende Lohnungerechtigkeit oder sich hartnäckig haltende sexistische Klischees angehen, wenn es im Landtag oder den Gemeindevertretungen kaum Stimmen oder Vorbilder gibt, die wissen, wovon sie reden?

Danilo Zoschnik

Danilo Zoschnik
ist in Eberswalde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt will er Lehrer werden und studiert Politische Bildung an der Uni Potsdam. Er ist Politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Brandenburg.

Und so verhält es sich auch mit Parteien im Allgemeinen. Ich glaube nicht, dass gerade junge Frauen, die ich bei verschiedensten Demos und ehrenamtlichen Aktionen oft auch mal häufiger sehe als ihre männlichen Kollegen, einfach weniger Bock haben zu gestalten. Hier muss über strukturelle Ursachen gesprochen werden, die Frauen dabei behindern.

Parteien und Organisation, die gezielt ihre (geschlechtliche) Diversität fördern, z. B. durch quotierte Redelisten oder Mentor*innen-Programme, sind für Frauen attraktiv und haben auch viel mehr von ihnen in ihren Reihen. Das hat nichts mit vermeintlicher Bevorzugung, sondern mit der Schaffung gleicher Möglichkeiten und Ermutigung zu tun.

Eine Bundeskanzlerin zu haben, ist eine bequeme Ausrede, um zu sagen: "Frauen können alles erreichen, wir haben hier nichts mehr zu tun." Aber wer so denkt, verliert nicht nur viele Perspektiven und helfende Hände, sondern hat Demokratie, die nicht nur formal allen eine faire Chance zur Beteiligung gibt, nicht verstanden.
 

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Ach, tut es gut so etwas zu lesen, wo sich unser Recht zu wählen gerade zum 100. Mal jährt. Toller Einsatz. Wenn es doch nur so selbstverständlich wäre. Aber manchmal sind es wohl auch die Trippelschritte beim Zeitgeist.

Ich bin nicht überzeugt. Förderungen gibt es doch schon allerhand. Und 38% sind doch auch überhaupt nicht wenig! Siehe USA. Die feiern gerade ihren historisch weiblichsten Kongress - mit knapp einem Fünftel Frauen. Und es ist nunmal so, dass Frauen häufiger eingebunden sind im Alltag. Sie kümmern sich viel häufiger um die Kinder, werden schwanger usw.

Lieber Danilo, danke für dein leidenschaftliches Plädoyer für gleiche Chancen. Ich finde es total Schade, dass nicht mehr junge Männer sich hier klar positionieren, sondern in ihren Männergruppen Sexismus, Gleichstellung und Co oft keine Rolle spielen und bestenfalls für einen Witz herhalten müssen. Dabei muss es doch schon früh beginnen sich eine differenzierte Sichtweise zu Gender-Themen anzueignen. Mit dem Aufstieg der AfD sehe ich da aber mit einiger Angst in die Zukunft.

Gewohnt knackig und leicht verständlich. Ich drücke allen, die seit Jahren dafür kämpfen, die Daumen, dass das Parité-Gesetz in den Ausschüssen nicht komplett von der SPD zerschliffen wird, und dass sich die Landesregierung traut noch vor der kommenden Landtagswahl die Änderung auf den Weg zu bringen

Gewohnt knackig und leicht verständlich. Ich drücke allen, die seit Jahren dafür kämpfen, die Daumen, dass das Parité-Gesetz in den Ausschüssen nicht komplett von der SPD zerschliffen wird, und dass sich die Landesregierung traut noch vor der kommenden Landtagswahl die Änderung auf den Weg zu bringen

Es muss endlich mal eine öffentliche Selbstverständlichkeit der Geschlechtergerechtigkeit geben, statt ein aufgesetztes "Bemühtsein". Berlin wird jetzt den Frauen(kampf)tag zum gesetzlichen Feiertag machen, und damit ein Zeichen setzen. Nicht ein Zeichen der vermeintlichen weiblichen Überlegenheit oder Bevorzugung, sondern eine Würdigung der Frauenbewegung. Einer Bewegung, die schon feministisch war, bevor sie sich so genannt hätte. Eine Bewegung vor alle, die unheimlich starken Anteil am Wirken so vieler anderer progressiver und demokratischer Ideen hatte: Umweltbewegung, Friedensbewegung, Vereintes Europa. Auch im 21. Jahrhundert, werden Frauen gesellschaftlich erst dann nicht mehr marginalisiert werden, wenn es Anerkennung und Reflexion gibt, die heute leider noch in Weiter Ferne liegen. Und Brandenburg kann hier auch als Bundesland tätig werden, da erwarte ich mehr Christa B

Schon zu Beginn macht die erschreckend niedrige Zahl weiblicher Parlaments-Mitglieder klar, warum wir mehr über die Benachteiligungen reden müssen. Aber was noch schlimmer ist: im Bundestag sind es noch einige Prozentpunkte weniger, so viel wie im Sudan. Ist das ein Anspruch? Ein Zustand, den wir wirklich hinnehmen wollen? Ich finde das nicht. Aber dafür müssen Frauen Banden bilden. Sich nicht vom Männerklüngel unterkriegen lassen und innere Solidarität üben, solange die Gleichheit der Chance nur eine luftige Fantasie ist

Das Ärgerliche beim Paritätsgesetz ist doch, dass LINKE und SPD gleichermaßen nicht daran interessiert sein können einen radikalen Entwurf, wie den von Frau Nonnemacher eingebrachten, zu verabschieden. Denn wenn sie jetzt so argumentieren, als würde die Landesverfassung es gebieten oder ihre Grundsätze schon immer daraufhinwirken sollten, machen sie ja ihr Handeln in den vergangenen Jahrzehnten auf einen Schlag unglaubwürdig

Also von Quoten halte ich nichts! Nicht in Vorständen, nicht bei Parkplätzen und auch nicht im Landtag. Frauen müssen das aus eigenem Antrieb schaffen! Und wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen, dann können sie ja den Staat verklagen. Ich kann auch nicht verstehen, warum Berlin den Frauentag zum Feiertag macht. Alles ganz schön einseitig!

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