Klasse, statt Masse(ntierhaltung)

Bislang hängt Brandenburgs Öko-Image hauptsächlich an Windanlagen und dem vielen Grün. Im Bereich Landwirtschaft sieht es hingegen düster aus. Es ist Zeit für eine echte Trendwende, findet Danilo Zoschnik.

Immer mehr Jugendliche, auch ich, ernähren sich vegetarisch oder vegan. Bei mir hat das viel mit innerer Überzeugung zu tun, denn Tierwohl und Artenschutz sind zwei Anliegen, die mich persönlich sehr bewegen und praktisch jeden Tag beschäftigen: Was esse ich, was bedeutet es für unsere Umwelt? Bleiben uns alle zwitschernden Vögel erhalten, die uns auf dem Weg zu Schule oder Uni begegnen? 

Umweltverbände in Brandenburg wollen jetzt nach dem erfolgreichen Vorbild aus Bayern ein Volksbegehren zum Insektenschutz starten. Das finde ich super, denn es ist höchste Zeit für eine echte Trendwende!! 2016 war bereits ein Begehren gegen Massentierhaltung erfolgreich gewesen.

Bislang hängt Brandenburgs Öko-Image hauptsächlich an Windanlagen und dem vielen Grün. Im Bereich Landwirtschaft sieht es hingegen düster aus. Zum Beispiel die Höfelandschaft: Ich habe viele Freund*innen und Bekannte, die ihre Kindheit in Brandenburg mit grasenden Kühen und gackernden Hühnern verbinden.

Brandenburgs Tierschutzplan macht mich wütend

Danilo Zoschnik

Danilo Zoschnik
ist in Eberswalde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt will er Lehrer werden und studiert Politische Bildung an der Uni Potsdam. Er ist Politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Brandenburg.

Aber immer mehr lokale Bäuer*innen geben auf. Gigantische Tierfabriken schlachten teilweise illegal. In jedem Fall ziehen sie den kleineren Landwirt*innen mit Billigfleisch aber den Boden unter den Füßen weg. Ich kenne persönlich ein paar junge Bäuer*innen, die sich im Stich gelassen fühlen.

Brandenburgs Tierschutzplan macht mich wütend, denn er ist gleichzeitig eine Beleidigung für seinen Namen: immer wieder sterben tausende Tiere bei vermeidbaren Bränden, Ferkelschwänze werden gekappt und neue riesige Mastanlagen erhalten immer noch Genehmigungen.

Staatliche Hilfe und Förderung für die ökologische Neuausrichtung von Höfen, die sogenannte Umstellungsprämie, ist hierzulande nirgendwo niedriger als in Brandenburg. Das muss sich ändern! Und ist besonders ärgerlich, weil der Bedarf an nachhaltigen Lebensmitteln ohne Massentierhaltung oder Ackergift im Produktionsprozess schon heute hoch ist. So hoch, dass ein Modellversuch für Bio-Schulessen in Berlin scheiterte, weil der Bedarf nicht aus dem Umland gedeckt werden konnte.

 

So kann's auch gehn

Dabei geht es anders! Im letzten Sommer war ich für ein Wochenende auf einem lauschigen Bio-Hof im Spreewald, der sich freiwillig zu extra strengen Auflagen in Sachen Tier- und Umweltschutz verpflichtet. So werden beispielsweise Kühen nicht schmerzhaft ihre Hörner ausgebrannt, das Futter aller Tiere ist von besonders hoher Qualität und die Böden werden schonenender bewirtschaftet.

 

Für mich ist klar: davon braucht es unbedingt viel mehr! 

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Kommentare

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Tierschlachtung ist schlichtweg ekelhaft und krank. Tiere sind wirklich cool. Ich hab' z.B auch eine Schnappschildkröte, dessen Panzer würde sich zwar perfekt als Suppenschüssel eignen, aber ich würde meinem Paul doch nie was antun? Diese ganzen fleischessenden Tölpel sollten wirklich mal mehr auf sich und ihre Umwelt achten, ansonsten zerstören sie ihren eigenen Lebensraum, außerdem NOCH schlimmer: meinen auch. :(

So ethisch sensible Themen wie Tierhaltung lassen sich heute noch schwerer in die Öffentlichkeit tragen als früher. Die Online-Medienwelt wirkt erstmal so, als sei sie in der Lage Hunderttausende Unterschriften gegen Tierquälerei zu sein, mächtig zu sein. Aber in der Realität sind die Trends so wie vor 10 Jahren, Sachen die geposted werden, geraten schnell in Vergessneheit

Gewohnt kritisch, gut so. Manchmal brauchen die Leute Momente wo sie einfach mal wachtgerüttelt werden. Passiert aber zu selten. Wie viele sagen dir, dass auch tatsächlich kein Problem mit dem Tod der Tiere für die Fleischproduktion haben würden dann aber so eine Schlachtung nie selbst begleiten. Denkt mal drüber nach

Es ist dieselbe Krux wie auf Bundesebene. Das Landwirtschaftsministerium hat kein Interesse an einer zukunftsfesten und gesunden Landwirtschaftspolitik. Die Folge ist die gefühlte Totenstarre ("Verwalten, statt Gestalten") und der Wunsch, dass endlich mal richtig was angepackt wird. Genau deshalb gab es das Volksbegehren gegen Massentierhaltung damals ja. Der Tierschutzplan wurde aus meiner Sicht noch nicht annähernd ausreichend in Gesetze gegossen.

Wieder mal ein toller Text. Er macht mir auch Hoffnung, dass auch viele andere eher junge Menschen einen Beitrag leisten wollen, um die Landwirtschaft zu verändern. Für viele im Alltag nicht präsent aber letztlich mit unserem Essen und den anderen Umweltauswirkungen eine absolut zentrale Frage für alle miteinander!

Regelt der Markt? Die Politik? Oder liegt letztlich doch alles in den Händen der Verbraucher*innen?

Du hast so Recht, die Landes- und Bundesregierung tut zu wenig. Wir Verbraucher*innen sind oftmals zu gemütlich uns auch nur gedanklich mit Massentierleid und den Erhalt von kleinen nachhaltigen landwirschaftlichen Betrieben zu beschäftigen. Doch wir alle sind dafür verantwortlich, aktiv zu zeigen, dass die Zukunft der Landwirtschaft anders aussehen muss! Wir zeigen es dem Markt! Wir zeigen es der Politik! Wir zeigen es ihn allen!

Nicht mit dieser Landesregierung. Zumindest da kann man sich mal sicher sein

Toll, dass dem Thema Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch in Brandenburg wird viel zu viel abgepacktes Discounter-Fleisch gekauft. Das muss nicht sein und ist ungesund, sehr schlecht für die Umwelt und damit auch schlecht für alle. Das Volksbegehren zum Artenschutz unterstütze ich sehr gern. Aktuell gibt es auch eine Europäische Bürgerinitiative, die sich konkret die Käfighaltung von Tieren verbannen soll:

https://ciwf-int.endthecageage.eu/de-DE/live

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