Raum für alle

Wenn wir eins haben in Brandenburg, dann ist es viel Fläche und öffentlicher Raum. Aber wem gehört dieser eigentlich, wer kann dort grillen, baden, picknicken?

Brandenburg ist ein Flächenland. Viel Platz und so. In unserem Fall sogar besonders viel, denn nur Mecklenburg-Vorpommern hat eine geringere Bevölkerungsdichte. Aber wem gehört der entsprechend große öffentliche Raum eigentlich, wer kann ihn tatsächlich nutzen? Alle Brandenburgerinnen und Brandenburger? Ich habe da so meine Zweifel.

„Endlich Sommer“ - das denken sich wohl gerade viele, die bald in die Ferien starten. Habe ich mit einem Freund und einer Freundin vor ein paar Tagen auch getan. Wir sind zu einem See geradelt, der quasi in der Potsdamer Innenstadt liegt. Kaum dort, wurde wir vom Parkwächter ermahnt: „Hier keine Liegewiese. Baden nur dort drüben erlaubt.“ Dabei deutete er auf einen kleinen überfüllten Abschnitt auf der anderen Seite. Und baden ist dort auch nur geduldet, nicht erlaubt. Weil der Park samt See einer Stiftung gehört. Planschen bitte nur mit Privatvilla am Ufer also? Klingt verrückt? Wiesen betreten – fürs Picknick, zum Sonnen oder für ein Ballspiel – ist in den Parks der Landeshauptstadt nur auf ausgewiesenen Flächen möglich. Grillen nur in einem einzigen. Die Kreisstadt Neuruppin oder auch Brandenburg an der Havel haben überhaupt keine öffentlich nutzbaren Flächen zum Grillen. Viele kleinere Kommunen erst recht nicht.

Danilo Zoschnik
Danilo Zoschnik ist in Eberswalde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt will er Lehrer werden und studiert Politische Bildung an der Uni Potsdam. Er ist Politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Brandenburg.

Mich macht das ziemlich wütend! Und die Leute aus meinem Umfeld können darüber auch nur den Kopf schütteln. Eine Freundin brachte mich überhaupt erst auf die Idee für das Thema, ärgerte sich darüber, dass ihr die Stadt wie ein Museum vorkomme: die Natur als Ausstellung. Und ja nichts kaputt machen! Aber gehört die Stadt nicht allen? Und wo soll man denn hin? Wie selten und wenig flächendeckend Angebote für junge Menschen im Land sind, hatte ich ja schon in meinem vorletzten Beitrag beschrieben. Und wer sich trotzdem reinhängt und schon mal versucht hat für eine Bandprobe, ein Treffen des Vereins oder ein Projekt außerhalb der Schule unkompliziert einen Raum zu finden, weiß: es ist nicht nur sehr mühselig, es geht auch fast nie, ohne Geld auszugeben – für die Miete, oder die Getränke im Café.

Ein Riesenproblem ist auch der Straßenraum. In den letzten beiden Jahren hatte ich einen „Parking Day“ mit organisiert. Da breitet man sich, zum Beispiel mit Couch, Gitarre und einem Getränkekasten, mit ein paar Leuten auf der Fläche aus, die zwei normalgroße Autos zum Parken benötigen würden und zeigt, was so alles möglich wäre, wenn die Hälfte der Städte nicht wie durch ein Naturgesetz von fahrenden Blechkästen belegt wäre. In Frage gestellt wird das leider kaum irgendwo, obwohl Wohn- und Gestaltungsraum fehlen.

Ich bin jeden Tag froh darüber, einen der begehrten Plätze in meinem Studierenden-Wohnheim gekriegt zu haben, nicht auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen zu sein. Die meisten Brandenburger Kommunen haben zwar noch günstige Mieten, viele mussten aber in der Vergangenheit Grundstücke in Toplage verkaufen und leiden jetzt darunter. Vielerorts fehlt nun die Möglichkeit, selbst für gut gelegene Spielplätze, Grünflächen, gefördertes Wohnen und Bildungseinrichtungen zu sorgen.

Wiederbekommen ist schwer. Der öffentliche Raum heißt nicht ohne Grund so und muss in Brandenburg wieder gestärkt werden – vom Dorf bis zur Großstadt! 

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Kommentare

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Gute Grundaussagen, aber da ändert sich so schnell nichts. Ist doch nichts anderes als eine Frage der Prioritäten. Solcher, die miteinander verworren sind. Ein Beispiel sind die Verkehrszonen. Allein die Umschichtung von Geldern im Infrastrukturbereich hätte ja massives Potenzial für die Schaffung oder langfristige Versiegelung von öffentlichem Raum. Aktuell wird das Auto klar bevorzugt gegenüber dem Fahrrad. Und jedes einzelne Auto braucht viel mehr Platz, das bringt die Relation noch mehr durcheinander. Und das ist ein kleiner Punkt. Leider ein politisches Problem, bei dem keine politische Verordnung oder Einzelmaßnahmen große Veränderungen bewirken kann. Dafür müssten ganz andere Prioritäten an verschiedenen Stellen gelten.

Was mich beim Thema Raumnutzung richtig aufregt ist mit welcher Selbstverständlichkeit riesige Flächen der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Dieser Privatisierungsfetisch der letzen Jahrzehnte überall in Deutschland wird mit seinen Folgen immer hässlicher zutage treten. Jede Wette! Und dabei müsate man ja gar keine revolutionären Schritte tun. Einfach wieder ein bisschen mehr ans Gemeinwohl denken, wenn mal wieder gebaut und geplant wird. Das kann doch so nicht weitergehen

Guter Post! Wird schließlich nicht besser. Jeden Tag werden in Brandenburg mehrere Hektar Fläche versiegelt, wurde im Landtag gesagt. Und DAS wird bestimmt kein Raum für alle

Für meinen Geschmack dieses Mal zu potsdamzentriert, der Beitrag. Aber letzlich ja doch ein Rundumschlag mit vielen guten Punkten, auch für andere Regionen und kleinere Strukturen. In Berlin, Potsdam oder Cottbus wird die Sache mit den Straßen wohl der eklatanteste Punkt sein. In den Gemeinden ist es ja auch oft eine Geldfrage, ob es neue Bauten, Parkbänke oder Grünanlagen geben kann. Aber das funktioniert natürlich umso schlechter je teurer der (Rück?)Erwerb der Flächen dafür ist und wie sinnvoll und lohnenswert es noch ist, wenn die Kronjuwelen vielleicht unwiderbringlich weg sind und sich Projekte nur noch am Rand der Zentren realisieren lassen. Wie immer danke!

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