Leichte Sprache

Zukunft verhandeln

Die Wahl in Bayern war großartig und könnte in einer Hinsicht auch für Brandenburg ein Beispiel sein, meint Danilo Zoschnik: Zeig, dass dir nicht egal ist, ob ohne dich über die Zukunft verhandelt wird.
72,4 %

Alle reden über Bayern. Was passiert mit der Großen Koalition? Erleben wir das Ende der Volksparteien? Eine wichtige Zahl zur viel diskutierten Landtagswahl rückt dabei leider zu sehr in den Hintergrund: 72,4 Prozent - so hoch war die Wahlbeteiligung. Ein Rekordwert in fast 40 Jahren. Zum Vergleich: In Brandenburg beteiligten sich 2014 zuletzt 47,9 Prozent der Wahlberechtigten - so wenige wie seit der Wiedervereinigung nicht.

Am 1. September nächsten Jahres steht die Landtagswahl an, zuvor entscheidet sich im Mai noch, wie das Europäische und unsere kommunalen Parlamente in Zukunft aussehen werden. In der Frage nach dem Gang zur Urne sollten wir uns deshalb ein Beispiel an Bayern nehmen! Denn jede Stimme ist die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen, seine Anliegen nicht untergehen zu lassen und zu zeigen, dass es nicht egal ist, ob es nun die eine oder andere Partei schafft, ein paar Prozente mehr oder weniger zu holen. Die Wähler*innenwanderung in Bayern zeigt: nichts ist in Stein gemeißelt. Und die Rufe nach Mitbestimmung, Veränderung und einer starken Haltung für unsere demokratischen Werte könnten lauter nicht sein.

Danilo Zoschnik

Danilo Zoschnik
ist in Eberswalde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt will er Lehrer werden und studiert Politische Bildung an der Uni Potsdam. Er ist Politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Brandenburg.

Am Wochenende war ich zusammen mit einer Viertelmillion(!) Menschen bei der #unteilbar-Demo in Berlin. Was für ein Gefühl! Immer mehr Menschen, auch aus dem ganz engen Umfeld, fangen an sich zu interessieren und zu engagieren. Sie unterhalten sich auf einmal mit mir über Tagespolitik, fragen mich nach meinem Antrieb, meinen Hoffnungen und Befürchtungen. Einige haben für sich beschlossen: der Punkt ist erreicht, wo Stillsitzen und Stillbleiben keine Optionen mehr sind. In Brandenburg arbeiten so viele Vereine wie nie, es gibt Initiativen und Bündnisse, die zeigen, dass es nicht einfach hingenommen wird, wenn Politik nicht nachvollziehbar erklärt wird. Und die Zahl der aktiven Parteimitglieder nimmt rasant zu.

Mein großer Wunsch ist deshalb: diese Dynamik mitnehmen, für eine Erneuerung der Demokratie und Politik einstehen und die niedrige Wahlbeteiligung von vor vier Jahren vergessen machen. Dieser Appell richtet sich vor allem an jene, die im nächsten Jahr die Chance haben, zum ersten Mal zu wählen. Ega, ob du vorher noch zu jung warst oder bisher einfach keinen Sinn darin gesehen hast, wählen zu gehen. In Brandenburg können wir schon mit 16 mitbestimmen, das müssen wir nutzen.

Gerade die junge Generation, die in politischen Belangen ohnehin stark unterrepräsentiert ist, zählt auf dich. Zeig, dass dir nicht egal ist, ob ohne dich über die Zukunft verhandelt wird. Jede*r einzelne zählt!

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.8 (6 Bewertungen)

Kommentare

Vielleicht klingt das

Vielleicht klingt das resigniert. Aber wo sind wir angelangt, wenn wir die starken Ergebnisse von rechten Parteien damit schönreden, dass die Wahlbeteiligung wenigstens relativ hoch war?
Eigene Bewertung: Keine

"Gerade die junge Generation,

"Gerade die junge Generation, die in politischen Belangen ohnehin stark unterrepräsentiert ist.." - dieser Satz, obwohl er nicht die Quintessenz vom Beitrag ist, sagt leider mehr als 1000 Worte. Und noch viel deprimierender ist, dass auch eine spektakuläre Wahlbeteiligung daran wenig ändern kann. Ich bin für die Jungenquote oder etwas Vegleichbares. Selbst die meisten Ruheständler die ich kenne, können sich nicht erklären, warum das politische Leben in der Regel erst mit 40 beginnt, sich aber gerade bei den 50-65jährigen so konzentriert. Das kann so jedenfalls nicht weiter gehen.
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (1 Bewertung)

Ich kann mir bei allem

Ich kann mir bei allem Optimismus nicht vorstellen, dass Brandenburg auch nur in die Nähe dieser (typisch) bayerischen Wahlbeteiligung kommen wird. Gefühlt ist die Landespolitik in Brandenburg wesentlich unaufgeregter als andernorts, bisweilen gemächlich. Das muss nichts schlechtes sein! Aber es entfaltet eben auch keine Mobilisierungskräfte. Wenn Brandenburg den Schwung der rasanten politischen Zeiten nutzen möchte, und das hieße für mich 60% als Beteiligungsziel, muss noch ein Hammer kommen. Ein spannender Wahlkampf. Aber ob wir den kriegen? Ich bin skeptisch
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (1 Bewertung)

Begeistern

Und wie werden Menschen zum Wählen bewegt? Sie müssen das Gefühl haben es geht um etwas. Denn klar ist: dem ist auch so. Viele unterschätzen vermutlich was so eine Oberbürgermeisterin auf den Weg bringen kann, über was für ein Budget so ein Kreistag berät, was die Gesetzesinitiativen eines direkt gewählten Mitglied des Landtages für weitreichende Folgen im Alltag der Menschen haben kann: in beiderlei Sinne. Deshalb müssen klare Zukunftspläne entworfen werden, um die Menschen zu begeistern. Ich bin noch etwas verhalten was den Optimismus in dieser Frage hier in Brandenburg anbelangt. Aber wer weiß, es ist ja noch eine Weile hin bis alle Weichen für's brandenburgische "Superwahljahr" gestellt sind
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

Wie viel kann so ein Aufruf

Wie viel kann so ein Aufruf denn bewirken? So lang vor der Wahl und hier gepostet? Das bezeichnende ist doch, dass die , die nicht wählen wenn sie das 1. Mal die Chance dazu haben häufig Nichtwähler bleiben. Das ist ein ernstes Problem. Und da sind meiner Meinung nach alle Akteure im Land gefragt. Vor allem die Schulen. Aber auch die Eltern und die Parteien. Abseits der Kämpfe muss es auch mal heißen: jede abgegebene Stimme ist ist einer Demokratie begrüßenswert. Dieser Tenor kommt im Text auch gut durch. Aber wenn die Wahl näherrückt muss es sowas auch auf der Straße geben oder überall wo potenzielle Wähler eben sind
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (1 Bewertung)

Ein hohes Gut

Die Kolumnen vom Herrn Zoschnik lese ich immer sehr gern. Ein tolles Angebot, jedes Mal ein neues Thema über das sich ein paar Zeilen lohnen. Die Wahlbeteiligung zum Landtag zählt ja leider beileibe nicht zu den Stärken unseres schönen Bundeslandes. Aber liegt das nur an den Jungen? Ganz sicher nicht nur. Viele in meiner Altersgruppe sind beim letzten Mal auch zu Hause geblieben. Das ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar. Nach den Erfahrungen in der DDR möchte ich mein echtes Recht mitzubestimmen auf keinen Fall missen. Und wer so seine Zweifel hat und den Sonntag gern mit der Familie verbringt, der kann sie ja entweder mitnehmen oder die Möglichkeit der Briefwahl in Anspruch nehmen. Dennoch bin ich optimistisch was den September angeht. Die Töne in der Politik und das gesellschaftliche Klima werden rauer, aber viele nehmen das auch mit Sorge zur Kenntnis und wollen dagegenhalten. Bitter fände ich eine Beteiligung bei der Europawahl auf dem gewohnten Level. Ich glaube sie könnte so entscheidend werden wie keine zuvor. Also bitte auch da zur Urne stapfen! Und wenn nur mit den schönen Fahrradwegen allerorts im Kopf.
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

Finde ich gut, wenn wir auch

Finde ich gut, wenn wir auch mal so direkt aufgerufen werden was zu tun! Alle sagen immer die jungen Leute machen nix, aber eigentlich wissen die allermeisten auch gar nicht was sie denn machen sollen. Oder besser gesagt können. Als ob in der 10. Klasse alle total Bock haben in einer Partei Mitglied zu werden. Aber über Wahlen sprechen oder Veranstaltungen organisieren, wo man dann mitmachen kann, das wäre richtig gut und schon eine ganze Menge
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

Fehler im System

Die Zukunft wird wohl ohnehin ohne die angesprochene junge Generation verhandelt, das liegt in der faktische Ausgestaltung unserer parteiengestützten Repräsentationademokratie begründet. Da werden jungen Menschen nun einmal stark die Partizipationschancen eingeschränkt. Und selbstverständlich ganz wenige, die es dann eventuell schaffen mit 25 im Bundestag zu sitzen, sind allerdings richtige "Überflieger", absolutes Bildungsbürgertum, häufig schon mit 14 in den Parteijugendorganisationen aktiv und dann sicher auch entfremdet von der tatsächlichen Lebensrealität ihrer Altersgenossen. Die kümmern Dinge wie die Bafög-Höhe dann mich mehr. Ist es mal Wert drüber nachzudenken
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (3 Bewertungen)

Wenn es denn nicht bei dem

Wenn es denn nicht bei dem #unteilbar-Besuch bleibt! Auf Demos gehen, ja das können die jungen Leute von heute
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.3 (3 Bewertungen)

Toll

Ermutigend! Alle die da Vorbild sein wollen, können eine Menge bewirken. Und es ist gar nicht so schwer :)
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Druckversion