Zwei sehr unterschiedliche Kommentare zum „Ermyas-Prozess“

Aus der Vielzahl der in den vergangenen Tagen publizierten Meinungen zu den Freisprüchen im „Ermyas-Prozess“ möchte ich nur zwei Kommentare herausgreifen. Diese könnten allerdings kaum unterschiedlicher sein.

„Die Bilanz des Potsdamer Prozesses ist deprimierend“, meint Konrad Adam in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 18. Juni. Der Text ist bei der "FAZ" online nicht (oder wenigstens nicht kostenlos) zu lesen, wurde aber von einem Blogger hier veröffentlicht. Adam holt in seinem Kommentar zu einem Rundumschlag gegen Polizei, Justiz, Politik, Wissenschaft und Medien aus. Von einer „öffentlich dirigierte(n) und orchestrierte(n) Meinung“ ist die Rede. Das rechtsstaatliche Gebot der Unschuldsvermutung sei mißachtet worden. „Am Ende war alles zusammen, um die Justiz so stark unter Druck zu setzen, dass sie in ihren Entscheidungen kaum noch frei war.“ Das ist nun allerdings eine sehr weitreichende Aussage. Und war die „Beweislage“ tatsächlich „von Anfang an dürftig“, wie Adam meint?

Bettina Gaus, die politische Korrespondentin der „tageszeitung“, sieht es anders. In ihrem Kommentar vom 16. Juni heißt es:

„In Potsdam ist ein ganz normaler Strafprozess zu Ende gegangen. Der Verdacht gegen zwei Angeklagte, aus rassistischen Motiven einen schwarzen Deutschen lebensgefährlich verletzt zu haben, ließ sich nicht erhärten. Deshalb wurden sie freigesprochen. Das muss in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein, unabhängig davon, wie groß das Aufsehen war, das eine Tat erregte. Ebenso, wie es selbstverständlich sein muss, dass gegen Verdächtige ermittelt wird. Es lohnte kaum, über all das ein Wort zu verlieren - wenn denn nicht der fatale Eindruck entstünde, dass Teile der veröffentlichten Meinung all das überhaupt nicht selbstverständlich finden.“

Eine ausführliche Pressedokumentation zum "Ermyas-Prozess" gibt es bei "Inforiot".

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