Einfach ist es nicht

Jung und politisch in Brandenburg

Es hat schon seine Eigenheiten, in Brandenburg jung und gleichzeitig politisch aktiv zu sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit bist du die jüngste Person im Raum unter vorwiegend älteren Männern. Beides wird krasser, je weiter weg du von Potsdam bist.

Kurz nachdem ich im Juli vor zwei Jahren 18 geworden war, wollte ich mich endlich politisch einbringen. Dabei habe ich gemerkt: Obwohl sich die meisten aus der Generation meiner Eltern immer wünschen, dass junge Menschen sich engagieren, wusste ich erst einmal gar nicht, wo ich suchen sollte. Denn ich war ja nicht in Berlin oder Hamburg, sondern in Eberswalde. Keine riesige Stadt, aber eine der größten in Brandenburg.

Ich bin dann bei einer Partei und ihrer Jugendorganisation gelandet und damit im Nachhinein auch sehr zufrieden. Trotzdem finde ich es schade, dass unzählige coole Projekte, die ich erst viel später durch mein Engagement kennenlernen sollte, gerade für junge Menschen, so schlecht sichtbar sind. Und überhaupt musste ich feststellen, dass es schon seine Eigenheiten hat, in Brandenburg jung und gleichzeitig politisch aktiv zu sein. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit bist du, fast egal wo du dich engagierst, die jüngste Person im Raum und sitzt oft in Runden, die überwiegend aus Männern bestehen. Beides wird krasser, je weiter weg du von Potsdam bist.

Diese Potsdam-Zentriertheit nervt viele

Sich in der Mark zu engagieren, bedeutet oft anderthalb, zwei oder sogar noch mehr Stunden mit der Bahn zu fahren, um überhaupt erst zu einer Veranstaltung zu kommen, die man interessant findet oder zu der man im Rahmen seines Engagements erwartet wird. Sei es ein Vorstandstreffen des Landesschüler*innenrates oder ein entscheidender Termin für die kleine Initiative, die man mit Herzblut unterstützt. Besonders betroffen sind davon jene Aktiven, die nicht in Potsdam oder im Berliner Umland leben.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich – damals noch in Eberswalde wohnhaft – viele Male bis nach 21 Uhr an irgendeiner Sitzung, Filmvorführung usw. teilgenommen habe und dann gegen Mitternacht todmüde in mein Bett gefallen bin. Meine Performance am nächsten Schultag war dann nicht immer die allerbeste. Mein Umzug war in dieser Hinsicht eine große Erleichterung. Natürlich fahre ich immer noch viel und auch gerne Bahn – nach Cottbus, Neuruppin oder Frankfurt (Oder), aber diese Potsdam-Zentriertheit des politischen Lebens in Brandenburg nervt viele, und schließt noch mehr von vornherein aus. 

Für weitere Vergünstigungen und Angebote für ehrenamtlich Aktive sperren sich die meisten Parteien. Es sei schließlich ein Ehrenamt, das solle auch so bleiben. Aber es geht überhaupt nicht darum, irgendwen zu bevorteilen, weil er oder sie Zeit und Lust für politisches Engagement findet. Es kann doch einfach nicht sein, dass junge, politisch interessierte Leute, die in ihrer Altersgruppe damit für die meisten eh schon exotisch anmuten, ihrem Interesse nicht nachgehen können, weil sie beispielsweise noch zur Schule gehen und mehrere Fahrten im Monat durchs Bundesland für sie nur mit ihrem Taschengeld schlicht nicht drin sind.

Dranbleiben

Ich finde es nicht immer leicht, in meinem Engagement motiviert zu bleiben. Ganz im Gegenteil. Und leider ist das Bundesland, in dem ich lebe, zu einem Teil mit Schuld daran. Und vielen, die ich kenne, geht es ähnlich. Aber gerade weil es fordert und erforderlich ist, dass Menschen in meinem Alter sich einbringen, möchte ich auch unbedingt dran bleiben und auch andere dazu animieren. Wir können uns viele Dinge nicht aussuchen, deshalb ist es umso wichtiger, dass wir aktiv werden, wo wir können.
 

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Danilo Zoschnik

Danilo Zoschnik ist in Eberswalde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt will er Lehrer werden und studiert Politische Bildung an der Uni Potsdam. Er ist Politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Brandenburg.

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Kommentare

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Spitzenmäßig! Die Abwechslung - mal ganz konkret ein politisches Vorhaben kommentiert, mal ein thematisches Vonderseeleschreiben mit Brandenburgbezug - die gefällt mir richtig gut! Weiter so

Grüße aus KW, Ruwen

Spiegelt meine Erfahrungen sehr gut, auch wenn ich jetzt schon länger ein Stück älter bin als du. In Sachen Wertschätzung von Ehrenamt ist ja in den letzen 10 Jahren auch einiges auf den Weg gebracht worden. Aber keine Frage - das reicht noch nicht!

 Was im Text nicht thematisiert wird, für mich aber leider auch einen großen Teil meines Engagements ausmacht: bist du in Brandenburg unterwegs, kommst du nicht selten in Runden, wo rechte Stammtischparolen eine Meinung sind. Warum das hochgefährlich ist, habe ich in meinem Blog im September umfassend beschrieben. Und natürlich ist das auch kein Problem, das nur Brandenburg hat, es ist aber leider eine dieser Dinge, bei denen die neuen Bundesländer an der traurigen Spitze stehen. Ich wurde schon oft angegangen und beleidigt, online erreicht das ganze sowieso eine ganz andere Dimension. Es kann nicht sein, dass Ehrenamtliche irgendwo angefeindet werden, auch wenn es gerade in Brandneburg sicher viele Enttäuschte gibt. Lasst euch nicht von Trollen und Hetztenden runterziehen, steht fest zu euren Überzeugungen und zeigt klare Kante. Das ist aktuell einfach wichtig. 

Finde gut, wenn auch Probleme angesprochen werden. Leider lässt sich das Standort-Problem nicht so wirklich lösen. Potsdam wird die am besten zu erreichende Stadt in Brandenburg bleiben, und politische Veranstaltungen anderswo sind ja auch eher nicht besonders gut besucht. Ausbau des ÖPNV wäre da vielleicht eine Stellschraube

Schön und interessant mal solche Eindrücke zu lesen. Ich bin selbst nicht politisch aktiv, sehr wohl aber ein politischer Mensch. Ich hoffe du und deine Altersgenossen lässt euch nicht entmutigen!

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