Nehmt uns endlich ernst!

Die Jungen werden in der Politik immer unsichtbarer. Ständig wird so getan, als würden Jugendliche um sich selbst kreisen und keine ernstzunehmende Haltung haben. Von Herablassung, Ablehnung und belangloser Nettigkeit hat Danilo Zoschnik die Nase voll.

47 Jahre - so alt sind die Brandenburger*innen im Schnitt, und damit nochmal ein Stück älter als die Menschen in den alten Bundesländern oder Berlin. Wir Jungen haben das Gefühl, dass wir immer unsichtbarer werden - und damit auch unsere Anliegen und ihr Gewicht für die Parteien. Daran ändert leider auch nichts, dass ich schon bei der Landtagswahl 2014, als ich gerade 16 geworden war, meine Stimme abgeben durfte und Viele dieses Jahr zum ersten Mal dazu aufgerufen sind.

Dabei haben gerade junge Themen und junger Protest in Brandenburg und bundesweit eine Größe und Öffentlichkeit wie vielleicht nie zuvor. Egal ob Klimaschutz, Urheberrecht oder Polizeigesetz: Momentan sind es vorwiegend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die bei FFF - Fridays For Future -, "Artikel 13"-Protest, Demos oder in sozialen Netzwerken ihre Stimme erheben.

Unter aller Sau

Durch die vielen Demos und das vorhergehende Organisieren in letzter Zeit bin ich mit vielen neuen Leuten in Kontakt gekommen, die gerade anfangen, sich für Politik zu interessieren und miteinander zu vernetzen. Für mich als angehenden Politiklehrer ein tolles Erlebnis. Immer noch bin ich überrascht, wie einig wir über die verschiedenen Reaktionen aus allen Ecken des politischen Spektrums sind: Die sind bestenfalls gut gemeint und im schlimmsten unter aller Sau. Insgesamt werden wir einfach nicht ernst genommen.

Danilo Zoschnik

Danilo Zoschnik
ist in Eberswalde aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt will er Lehrer werden und studiert Politische Bildung an der Uni Potsdam. Er ist Politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Brandenburg.

Entweder man begegnet uns mit Arroganz, es hagelt Hass oder wir werden verniedlicht, indem man sich nett gemeint zwar über unser Engagement freut, uns aber keine Lösungen präsentiert. Oder sogar das Gegenteil vorantreibt. Diese volle Bandbreite konnte ich letzte Woche bei FFF in Potsdam selbst erleben. Abgeordnete verschiedener Parteien kamen zur Demo, sprachen davon, wie toll unser Einsatz sei und es gab sogar eine unterstützende Botschaft am Landtagsgebäude. Aber warum steht denn noch nicht fest, ob weiter Dörfer für Braunkohle abgebaggert werden? Warum wird im Landtag das von vielen jungen Aktivist*innen kritisierte Polizeigesetz beschlossen, statt echter Maßnahmen für besseren Umweltschutz?

Nichts wird uns ruhig stellen

Am Tag nach der Demo wurden im Netz diffamierende Fake-Bilder unserer Plakate verbreitet. Und warum wird behauptet, Google habe Demonstrant*innen desinformiert und gekauft? Das ist nicht fair, nicht demokratisch. Nichts von alledem wird uns ruhig stellen. Denn wir wollen, dass die Politik endlich ihren Job macht!

Für mich war es damals ein Schock zu erleben, wie ich selbst nach meinem Parteieintritt und der Übernahme von Verantwortung bei ihrer Jugendorganisation selten für voll genommen wurde. Wie ich zum Beispiel auf Podien auch jetzt noch von Älteren öfter unterbrochen werde. Wie ständig so getan wird, als würden Jugendliche um sich selbst kreisen und keine ernstzunehmende Haltung haben. Weil sie noch so jung sind.   

Wir sind die Profis, die ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen, wenn die Älteren nicht erkennen wollen, dass wir mit Gerede nicht mehr abzuspeisen sind. Nehmt uns also endlich ernst!

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Kommentare

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Ich finde der Autor beschreibt es sehr gut: Nur weil wir jung sind, heißt das nicht das wir keine Ahnung haben. Natürlich wissen wir nicht alles, aber dies tut mensch auch nicht mit 50! Dafür Hören wir mehr auf unser Herz, denn bei uns sind noch nicht alle Emotionen abgestumpft. Vielleicht mögen Utopien hinterher jagen, aber noch haben wir Hoffnung! Und solange wir diese haben, werden wir weiter auf die Straße gehen, egal wie viele Hürden uns in den Weg gestellt werden!

Ein super Artikel der vieles auf den Punkt trifft!!!!

Ich finde es sehr gut, das es jetzt mit Potsdam For Future auch erstmals ein Bündnis in Brandenburg gibt, das über Schüler hinausgeht. Wenn wir wirklich Veränderungen wollen, dann muss der Protest so breit wie möglich sein. Weiterkämpfen!

10/10 IGN #relatable
Der Typ spricht das aus, was Andere nicht sagen wollen und das dazu auch noch eloquent. Ehrenmann!

Bringt mir den Vibe. ICH würde ihn wählen :)

Danke für deinen leider sehr wahren und notwendigen Kommentar, Danilo. Wir lassen uns von den älteren Generationen weder kleinmachen, noch geben wir ihnen allein die Schuld. Das haben wir heute mit "Potsdamforfuture" gezeigt! 3000 Menschen aus allen Altersgruppen haben sich gegen die Stillstandspolitik auf die Straße begeben. Die Landesregierung darf das einfach nicht ignorieren!

https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/03/brandenburg-potsdam-for-fu…

Ein guter Beitrag. Aber ob der mehr gehört wird als die Demos, als die vielen Appelle der jungen Leute im Internet? Ich bin total enttäuscht von den Zeitungen, dass sie nur vereinzelte Gastbeträge von Schülern veröffentlichen, und das dann fast nur online. Nur ein oder zwei Male habe ich Kommentare von Redakteuren finden können, die bei den Anliegen der Jugend das schwarz-weiß-Schema aufbrechen und nicht nur von jugendlicher Politikverdrossenheit berichten. Heute habe ich diesen hervorragenden Kommentar gefunden, der auch gut zum Blog past. Klare Leseempfehlung:
https://www.sueddeutsche.de/politik/urheberrecht-klimaschutz-protest-1…

Wenn unsere Interessen mit Füßen getreten werden. Wenn nicht zugehört wird und die Gesellschaft überaltert und die Rentner noch mehr Macht kriegen. Wofür lohnt sich dann kämpfen oder aufstehen noch? Ist mir dann insgesamt ein zu blöder Tausch meine Freizeit und der ganze Frust bei Online-Diskussionen, nur um eine ganz kleine Chance zu haben das doch mal wer zuhört

Und der heutige Beschluss des europäischen Parlaments unterstreicht den Text nochmal ganz dick. Fast nur junge Menschen, 200.000 auf den Demos in ganz Europa - keine Reaktion. Ich fürchte das Ausmaß, der Verdruss der dabei entsteht, ist manchen gar nicht bewusst. Auch ich musste heute schlucken wie seit der Wahl von Donald Trump nicht mehr und frage mich schon, wie ich dieses Ohnmachtsgefühl abschütteln soll

Haltung ist das Eine, Lösungen das Andere. Durch die vielen Proteste ist jede Menge in Gang gekommen, es wird ganz anders diskutiert, als noch vor ein paar Jahren. Selbst Minister Vogelsänger veranstaltet (rechtzeitig vor der Wahl?) einen Insektengipfel - Wer hätte das gedacht! Die Jugend sollte sich jetzt weiter ernsthaft mit Lösungsvorschlägen beteiligen. Nicht nur auf Demos, sondern überall im Land z.B. in der Kommunalpolitik. Dann werden sie auch ernst genommen. Jetzt "regieren" dort zumeist die Alten, weil die Jungen keine Zeit für's Ehrenamt haben. Manchmal muss man auch erst so richtig wütend werden, um selbst mitmischen zu wollen. Ich denke, du bist auf dem richtigen Weg.

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