Odin statt Jesus

Ein Gemisch aus völkischen und heidnischen Traditionen gehört - verbunden mit einem Germanen-Kult - zum selbsterklärten Erbe und zum Selbstbild heutiger Rechtsextremer. Sie greifen dazu auf entsprechende Vorstellungen der Nationalsozialisten zurück.

 

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Der Slogan „Odin statt Jesus“ kommt nicht nur wörtlich, sondern auch in symbolischen Darstellungen vor. Sie zeigen, wie Tiere aus der nordischen Mythologie – Raben, Wolf oder Adler – das christliche Fisch-Symbol ergreifen. Die Grundaussage ist simpel: Der christlichen Religion wird ein quasi-religiöser völkischer Germanen-Kult entgegengesetzt.

Mit dem konkreten Bezug auf Jesus kommt zudem die Feindschaft gegen die Juden zum Ausdruck.

In drei Worten manifestiert sich das Bekenntnis zu einem Aspekt rechtsextremen Denkens und die Ablehnung der jüdischen / christlichen Religionen – nicht unbedingt ihrer heutigen Bedeutungen, sondern als Fremdherrschaft über „die Germanen“ und als eine Grundlage der modernen Gesellschaft.

Heiden, Götter, Runenzeichen

Wer sich heute mit den germanischen Stämmen beschäftigt, die bis zum Mittelalter in Mitteleuropa und Skandinavien siedelten, kann das beispielsweise aufgrund religiöser Motive oder eines Interesses an Geschichte tun.

Die „Germanen“ der Rechtsextremen allerdings sind eine Erfindung des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Zusammenhang mit völkischen Ideen wurde aus historischen Versatzstücken, Legenden und Mythen eine deutsche Vorgeschichte geschaffen. Damit einher ging ein heidnischer Germanen-Kult, der sich mit eigenen Symbolen, Göttern und Riten besonders vom universellen Christentum abgrenzte. Diese Art der „Germanisierung“ griffen auch die Nationalsozialisten auf und entsprechend gehört sie als „Erbe“ zum Selbstbild heutiger Rechtsextremer.

Die symbolischen Bezüge sind vielfältig: Man trägt Tattoos der Götter Odin und Thor mit wallendem Bart und Wikingerhelm; der Thorshammer (Mjölnir) ist beliebt als Schmuckstück oder Aufnäher; man trifft sich zu Sonnenwendfeiern am Lagerfeuer. Einzelne Rechtsextreme versuchen, in kleinen Gemeinschaften ein Leben nach neuheidnischen Vorstellungen zu führen.


Auszüge aus: Daniel Krüger, Brauner Spuk? – Rechtsextreme in Südbrandenburg und was wir tun können. Eine Informationsbroschüre über Rechtsextremismus in der Region. Hg. Demos – Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung/ Mobiles Beratungsteam Cottbus (Dezember 2012)

Linktipps

  • Odin statt Jesus?

    Zur Bedeutung von Religion für die rechtsextremistische Ideologie (Dr. Stefan von Huene, 2007)

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Kommentare

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Es geht um die existentialistische Frage, ob ein Mensch, der in diese moderne Welt hineingeboren wurde und diese als krankhaft erkennt, seine eigene Lebenswelt nicht durch irgendwelche alternativen Utopien (Teufel mit Beelzebub austreiben) erneuert wissen will, versucht auszusteigen, doch selbst wenn ihm das trotz fehlenden Grundbesitzes, trotz vorenthaltener Überlebenstechniken in do-it-yourself-hafter Weise gelingen sollte, dann bleibt immer noch die Frage, ob es in Nachbarschaft zum modernen Moloch überhaupt möglich ist, eine so grundsätzlich andere Lebensweise zu führen...

Anm. der Red.: Der Rest des Beitrags wurde von der Redaktion gelöscht, da er unseren Kommentarregeln, insbesondere Punkt 1, widersprach.

Danke für den Artikel. Ich hätte bei dem Slogan jetzt gar nicht unbedingt an Rechtsextremismus gedacht, sondern eher an eine Art Heldenromantik wie sie seit einigen Jarzehnten in den Fantasy-Romanen zutage tritt. Gleichzeitig muss ich beim Gedanken daran, mich vor einem Pantheon an nordischen Göttern zu verneigen, in mich hinein lachen ;-) Das wäre als sollte ich die Figuren aus Grimms Märchen anbeten.

Aber was ist es denn anderes, wenn man "Gott" anbetet ? Eine Figur, deren "Gesetze" und "Geschichten" erst mündlich weitererzählt und später in Schriftform festgehalten wurden.

Streng genommen ist alles was in der Bibel steht so ernst zu nehmen, wie die Geschichte von Hänsel und Gretel. Sind beides Märchen.

Die monotheistischen Religionen haben viel Leid in die Welt gebracht. Die "Heidnische" Kultur fast völlig ausgelöscht. Kultureller Genoziet?

Ah, da zieht man mal eben eine Achse des Bösen. Da bin ich jetzt vermutlich ein Rechtsradikaler, weil ich mich, soweit das aufgrund der Zerstörung überhaupt noch möglich ist, mit den Wurzeln meines kulturellen Hintergrundes beschäftige? Obwohl die Nazikeule nicht mehr ganz so hipp ist. Odin war doch sicher einer der ersten Terroristen, vor welchem wir uns mit aller Gewalt und allen Mitteln schützen müssen.

Da kann ich nur beipflichten. Wer sich heutzutage mit nordischer Mythologie und dem Leben der Wikinger und Germanen beschäftigt bzw. dafür interresiert ist gleich Neo-Nazi, Rassist und Antisemit in einem. Beim Thema Wikinger, Germanen und Heidentum wird gleich abgestempelt.
Ich trage selbst einen Thorshammer und muß mich ständig rechtfertigen weil ein kleine Gruppe fehlgesteuerter Hirnies unser vorchristliches Kulturgut in den Dreck ziehen und mißbrauchen.
"Odin statt Jesus" steht für mich für die Ablehnung des Christentums und die jahrhunderte lange "Bekehrung" anders Denkender/ Gläubiger mit Gewalt, Mord und Vertreibung und das ist heute noch immer so und zwar bei jeder Religion, außer vielleicht beim Buddhismus.

Wohl war, bloß nicht die offizielle Religions- und Geschichtsschreibung hinterfragen. Weil dann ist man rechts und schlimmer. Die Nazikeule funktioniert aber nicht mehr so gut, von daher denke ich wird in den nächsten Jahren ein Umdenken stattfinden.

Einfach mal den Text richtig lesen, bevor man sich wieder mal als Opfer geriert. Da steht:
"Wer sich heute mit den germanischen Stämmen beschäftigt, die bis zum Mittelalter in Mitteleuropa und Skandinavien siedelten, kann das beispielsweise aufgrund religiöser Motive oder eines Interesses an Geschichte tun.
Die „Germanen“ der Rechtsextremen allerdings sind eine Erfindung des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Zusammenhang mit völkischen Ideen wurde aus historischen Versatzstücken, Legenden und Mythen eine deutsche Vorgeschichte geschaffen. Damit einher ging ein heidnischer Germanen-Kult, der sich mit eigenen Symbolen, Göttern und Riten besonders vom universellen Christentum abgrenzte. Diese Art der „Germanisierung“ griffen auch die Nationalsozialisten auf und entsprechend gehört sie als „Erbe“ zum Selbstbild heutiger Rechtsextremer."
Es gibt also Menschen, die beschäftigen sich aus historischem Interesse mit dem Thema und andere tun es aus ideologischem Interesse. Gut zu wissen.

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