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Über den Film „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf (3. Teil)

Neben der dokumentarischen Darstellung aus Sachsenhausen nimmt die Zitadellenepisode im Film eine Sonderstellung ein. Aufgrund ihrer Länge sprengt sie den Rahmen des Episodenfilms. Die angespannte Situation auf beiden Seiten wird in einer sich dramatisch zuspitzenden Inszenierung dargestellt. Die Perspektive des Gregor Hecker wird dabei in weiten Teilen der Episode verlassen.

Die Zitadellenepisode konnte nicht vor Ort in Spandau gedreht werden, weil die DDR-Behörden dies nicht genehmigt hätten. Auch in technischer Hinsicht wäre die Umsetzung der Drehbuchkonzeption am Originalschauplatz zu aufwendig gewesen. So machte das DEFA-Team nur einige wenige Originalaufnahmen der Spandauer Zitadelle von außen ohne Schauspieler. Dieses Material ist in Form von kurzen Zwischenschnitten geschickt in den Film eingearbeitet. Bei einer Einstellung wurden durch einen Trick die beiden Parlamentäre (Jaecki Schwarz und Wassili Liwanow) in eine Originalaufnahme der Zitadelle kopiert.

Wesentliche Teile der Zitadellenepisode wurden in der Festung Königstein (Sächsische Schweiz) gedreht. Weitere Drehorte waren Saarmund sowie der Park und das Karl-Marx-Werk in Babelsberg.

Doch nicht für jede Einstellung stand ein geeigneter Ersatz-Drehort zur Verfügung. Zur Realisierung der Strickleiter-Szene wurde auf dem DEFA-Gelände die Fassade der Spandauer Zitadelle originalgetreu nachgebaut. Als Grundlage dienten Fotos, die Konrad Wolf und sein Szenenbildner Alfred Hirschmeier bei einem Besuch in Spandau gemacht hatten. Wladimir Gall, der 1945 als sowjetischer Parlamentär die Strickleiter hochgeklettert war, beobachtete 1967 die Dreharbeiten in Babelsberg. Die „DEFA-Zitadelle“ gefiel ihm gut: „Die Dekoration ist so geschickt gemacht, daß es mir für einen Augenblick schien, als ob ich wieder vor der Festung stünde.“

An dieser Stelle soll noch einmal an Konrad Wolfs Arbeitsweise erinnert werden: Der Regisseur hatte keinesfalls die Absicht, die Spandauer Kapitulationsverhandlungen in allen Einzelheiten exakt wiederzugeben. Zwar greift er auf die Erzählungen seines Freundes Wladimir Gall zurück. Er versteht diese jedoch als „Rohmaterial“ der künstlerischen Arbeit. So entspricht die Darstellung im Film nicht in jedem Detail den tatsächlichen historischen Abläufen. Beispielsweise befanden sich 1945 keine SS-Angehörigen auf der Zitadelle. Zweifellos gibt es viele Parallelen zwischen Wolfs eigenem Lebensweg und der Geschichte des Gregor Hecker. Konrad Wolf nahm allerdings nicht an den Kapitulationsverhandlungen auf der Zitadelle teil.

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