Leichte Sprache

Das Frauenbild des Nationalsozialismus

Vor der NS-Frauenschaft sprach Hitler am 8. September 1934 von der „naturgemäßen Linie“ zwischen den Geschlechtern, davon, dass „die Natur [der Frau] zwangsläufig [ein] Gut zur Verwaltung und Bewahrung gegeben“ hätte, das in dem „ewige[n] Instinkt der Selbst- und Volkserhaltung in der Frau“ bestünde.

Bis heute Vorbild: Das Frauenbild und Rollenverständnis des Nationalsozialismus. Abgebildet ist das Cover des Parteiorgans der NS-Frauenschaft, Frauenwarte, Heft Nr. 23, Mai 1939. Als männliche Sphäre bestimmte Hitler die des Staates, „die Einsatzbereitschaft für die Gemeinschaft“, die „Welt der Frau“ hingegen sei „ihre Familie, ihre Kinder und ihr Haus“. Damit sind die Rollen klar verteilt:

So war die Frau in allen Zeiten die Gehilfin des Mannes und damit seine treueste Freundin, und auch der Mann war zu allen Zeiten der Hüter seines Weibes und damit ihr bester Freund.“
M. Domarus. Hitler. Reden 1932 bis 1945. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen. Bd. 1, 1932 – 1945. Leonberg(4) 1988, S. 451

Dieses „natürliche Ordnung“ zwischen Mann und Frau sieht Hitler durch den „jüdischen Intellekt“ in Gefahr, der zu ihrer Zersetzung die „Frauen-Emanzipation“ ersonnen habe. Zu solchem durch und durch reaktionären Rollenverständnis, das sich die Frau nur als „Gehilfin“ des Mannes und den Mann als „Hüter seines Weibes“ vorzustellen vermag, tritt daher als originär nationalsozialistisches Element die übergeordnete Bedeutung der Frau für die „Volksgemeinschaft“ – und die nationalsozialistische Rassenideologie:

Was der Mann an Opfern bringt im Ringen seines Volkes, bringt die Frau an Opfern im Ringen um die Erhaltung dieses Volkes. [...] Jedes Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für das Sein oder Nichtsein ihres Volkes. [...]

Sie hat am Ende den untrüglichsten Sinn für alles das, was notwendig ist, damit eine Rasse nicht vergeht, [...].
Wir haben deshalb die Frau eingebaut in den Kampf der völkischen Gemeinschaft, so, wie die Natur und die Vorsehung es bestimmt hat. [...]

Kämpferinnen für das gemeinsame Leben im Dienste der gemeinsamen Lebenserhaltung, die dabei den Blick nicht auf die Rechte richten, die ein jüdischer Intellektualismus vorspiegelt, sondern auf die Pflichten richten, die die Natur uns gemeinsam aufbürdet.“
M. Domarus. Hitler. Reden 1932 bis 1945. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen. Bd. 1, 1932 – 1945. Leonberg(4) 1988, S. 451

Sehr deutlich wird, in welchem Maße Frauen in dieser Sicht darauf reduziert werden, sich zur „Erhaltung des Volkes“, d. h. der Rasse, aufzuopfern. Weibliche Sexualität ist zielgerichtet auf Empfängnis und das Gebären des Kindes. Der Mann hat die aktive Rolle: Er ordnet den Staat, setzt sich für die Gemeinschaft ein und ist „Hüter seiner Frau“.

Nicht zufällig zeichnet die Ikonographie des Nationalsozialismus ein Bild von der (jungen) Frau, das sie als vital, aber unschuldig, als rein und unberührt charakterisiert. Jede dieser Zuschreibungen hat deutlich sexuelle Untertöne: Die ideale Frau des Nationalsozialismus soll ihre Sexualität allein auf den Kinderwunsch richten, der wiederum in der nationalsozialistischen Rassenideologie von der Ebene der einzelnen Frau auf die der Gemeinschaft in Volk und Rasse abstrahiert wird (siehe: Sexualität).

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