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Ethnopluralismus

Ein Europa der Heiden

llustration des neurechten Thule SeminarSchwieriger zu fassen ist das Konzept „Heidentum“ in der Neuen Rechten. Man müsse nicht an Wotan glauben, um Heide zu sein, schreibt der neurechte Vordenker Alain de Benoist in seinem Standardwerk der Neuen Rechten zum Thema: „Heide sein. Zu einem neuen Anfang.

Die europäische Glaubensalternative“ (Tübingen, 1982). Vielmehr bedeute, „Heide sein“, ein bestimmtes Wertsystem zu favorisieren, das im Gegensatz zu dem Wertesystem der „jüdisch-christlichen“ Ethik gedacht wird.

Denn sowohl im jüdischen Glaubensbekenntnis als auch im christlichen ist Gott als Schöpfer und Gesetzgeber die Instanz, auf die ethische Maßstäbe und Wertvorstellungen zurückgehen. Sie seien von Gott sozusagen in einem autoritativen Akt erlassen worden.

Im neu-rechten Konzept des Heidentums hingegen liegen die „Werte“ in den Menschen selbst, werden geprägt von den Bedingungen der Gegenden, in denen die Menschen leben, von ihren Lebensbedingungen.

Es sind biologische Faktoren, die sich auf Grundlage der unterschiedlichen klimatischen, landwirtschaftlichen usw. Voraussetzungen im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hätten. Aus diesem Grunde auch können, so de Benoist, die menschlichen „Völker“ nicht gleich sein: „tödliche Metaphysik der Gleichheit“, nennt er das.

Der oft und gern gebrauchte neurechte Begriff „Ethnopluralismus“ bezeichnet daher eine offene Form des Rassismus, freilich akademisch gewandet. Denn „Ethnien“ meint hier nicht die Bürger verschiedener Staaten, sondern biologisch verschiedene und unterscheidbare Einheiten, Völker und Rassen nämlich, die aufgrund ihrer biologischen Verschiedenheiten selbstverständlich auch unterschiedliche Wertigkeiten aufweisen.


Von der Rasse zur Selbstvergottung

Was bereits die Gründungsliteratur der Esoterik durchaus wörtlich meint, wird von der Neuen Rechten in abstrakterer Weise aufgegriffen: War dort die Rede von der „Selbstvergottung“ als mystisch-okkultem Ziel, so steht hier ein Ethos der Stärke und des Stärkeren im Fokus.

Wo nämlich die Existenz voneinander unterscheidbarer Ethnien sich als scheinbare Erkenntnis durchsetzt, dort muss es auch andersherum Völker geben, die untergegangen sind. Es findet eine „natürliche Auslese“ statt, in deren Verlauf nur der Stärkere bzw. das stärkere Volk überlebt.

Dieser „natürliche Prozess“ trage normativen Charakter in sich, oder in der Diktion de Benoists: hier seien „ewige göttliche Kräfte“ am Werke. Daraus folgt aber auch, dass allein das „rassisch“ Stärkere ein Existenzrecht hat.

Aus diesem Grunde auch ist die Einwanderung, etwa von Flüchtlingen, im großen Stile als „genetische Entartung“ zu verurteilen und zu verhindern. Sie zerstöre die Vielfalt der „Arten“ und des „Ökosystems“ der Menschheit. Jenes Europa, das der Neuen Rechten vorschwebt, ist daher ein Europa der starren und undurchlässigen Grenzen entlang völkischer Bruchlinien.

Ein solches Europa allerdings war schon Leitbild der Nationalsozialisten, als sie 1939 in Polen einfielen und damit den 2. Weltkrieg begannen. So forderte der NS-Mystiker Alfred Rosenberg in seiner 1930 erschienen Schrift „Mythus des 20. Jahrhunderts“ als „Höchstwert allen Handelns“ den „Schutz der nordisch-abendländischen Rasse“.

Jan Buschbom / Violence Prevention Network e.V.
2003

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