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Tag der Deutschen Einheit

Lexikon Politische BildungDer 3. Oktober 1990 steht als Symbol für einige der glücklichsten und aufregendsten Monate der deutschen Geschichte. Der „Tag der Deutschen Einheit“ bildet den Abschluss der ersten friedlichen Revolution auf deutschem Boden, mit der sich die Bürger der DDR gegen die SED Diktatur auflehnten und diese ohne Blutvergießen zu Fall brachten.

Durch die umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen auf dem Gebiet der DDR, die auch den Fall der Mauer am 09. November 1989 erzwangen, rückte die Vereinigung der beiden deutschen Staaten zunehmend in den Mittelpunkt. Nach den ersten freien Wahlen in der DDR am 18. März 1990 gelang es durch das außenpolitische Geschick von  Bundeskanzler Helmut Kohl und dem Außenminister der Bundesrepublik Hans Dietrich Genscher, in Verhandlungen mit der Sowjetunion, insbesondere mit dem Generalsekretär der KPDSU Michail Segejewitsch Gorbatschow, den Weg für die Vereinigung der beiden deutschen Staaten frei zu machen. In den sich anschließenden Verhandlungen beider deutscher Staaten mit den vier ehemaligen Besatzungsmächten ("2+4 Verhandlungen") wurde die Vereinigung außenpolitisch vertraglich einvernehmlich geregelt.

Am 1. Juli 1990 trat die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR in Kraft. Wenige Wochen später, am 31. August 1990, wurde der Einigungsvertrag unterzeichnet. Er regelte den Beitritt der fünf Neuen Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen zum Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23. Dieser Prozess verlief in einem rasanten Tempo und war nur möglich, weil die freigewählte Regierung der DDR unter ihrem Ministerpräsidenten Lothar de Maiziere, sowie die frei gewählte Volkskammer und zahllose andere gesellschaftliche Kräfte in einem übermächtigen Kraftakt die Demokratisierung Ostdeutschlands vorantrieben und auch die juristischen Grundlagen für die Vereinigung schufen.

Zum ersten Mal bilden wir Deutschen keinen Streitpunkt auf der europäischen Tagesordnung. Unsere Einheit wurde niemandem aufgezwungen, sondern friedlich vereinbart. Sie ist Teil eines gesamteuropäischen Prozesses, der die Freiheit der Völker und eine neue Friedensordnung unseres Kontinents zur Folge hat. Diesem Ziel wollen wir Deutschen dienen. Ihm ist unsere Einheit gewidmet..."
Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 3.10.1990, aus der Ansprache zum Staatsakt in Berlin.

Feiertag

Die offizielle Feier zum Tag der Deutschen Einheit findet seit 1990 in der Landeshauptstadt des Landes statt, das zu dem Zeitpunkt den Vorsitz im Bundesrat innehat. Gastgeber für 2018 ist daher Berlin.

Ein kleiner Wehrmutstropfen blieb: Jahrelang diente der 17. Juni 1953, der Tag des Volksaufstandes in der DDR, im Westen Deutschlands zur staatsoffiziellen Mahnung an die Einheit Deutschlands und war Feiertag.

Er wurde im Zuge der Wiedervereinigung
gestrichen und geriet zunehmend, mit Ausnahme von Jubiläen, in Vergessenheit. Der historisch nichtssagende 3. Oktober wurde  als „Tag der Deutschen Einheit" festgelegt. Er markiert den Tag des Wirksamwerdens des Beitritts der neuen Bundesländer zur Bundesrepublik Deutschland. 


Landeszentrale, September 2013 (aktualisiert Oktober 2018)

Bildergalerie
Montagsdemonstration in Leipzig, Januar 1990, © Bundesarchiv, Bild 183-1990-0108-033 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0
Berliner Mauer am 3. Oktober 1990. © RIA Novosti archive, image #428452 / Boris Babanov / CC-BY-SA 3.0
Franz Bertele, Leiter der Ständigen Vertretung (westliches) Deutschlands in Ostdeutschland, schraubte am 2.Oktober 1990 eigenhändig das Schild an seinem Dienstgebäude ab. Mit der Vereinigung beendet die Mission ihre Arbeit. © Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-018 / CC-BY-SA
Anläßlich der Vereinigungsfeierlichkeiten zogen die Grünen mit einem Pferdegespann zum Brandenburger Tor. © Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-021 / Grimm, Peer / CC-BY-SA
Im Rahmen eines Festaktes der DDR-Regierung im Schauspielhaus zum Tag der Deutschen Einheit hielt Lothar de Maiziere seine letzte Rede in seiner Funktion als Ministerpräsident der DDR. © Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-030 / Uhlemann, Thomas / CC-BY-SA
3. Oktober 1990, 0:00 Uhr vor dem Brandenburger Tor. © Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-030 / Uhlemann, Thomas / CC-BY-SA
Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Frau Hannelore kamen während des Empfangs im Reichstag immer wieder vor das Gebäude, um die neuen Bundesbürger zu begrüßen. © Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-010 / Grimm, Peer / CC-BY-SA
Hunderttausende waren dabei, als in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1990 vor dem Reichstag die schwarz-rot-goldene Bundesfahne gehisst wurde. © Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-400 / Grimm, Peer / CC-BY-SA
Schild an der der L1005 zwischen Thüringen und Niedersachsen. © Doris Antony, CC-BY-SA-3.0